Wie denkt die Bevölkerung über neue Windparks? Am IASS entsteht ein soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende.
Wie denkt die Bevölkerung über neue Windparks? Am IASS entsteht ein soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende. istock/sturti

Headline: Soziale Nachhaltigkeit der Energiewende

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Über die „Fairness", „Gerechtigkeit" oder „Sozialverträglichkeit" der Energiewende wird zunehmend diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie die Finanzierung und Kostenverteilung der Energiewende, die Akzeptanz von Windenergieanlagen und Stromleitungen, der Ausstieg aus der Kohle oder die Arbeitsbedingungen in der Wind- und Solarindustrie. Doch bisher fehlt es noch an einer belastbaren Wissensgrundlage, um die Einstellungen, Gerechtigkeitsempfindungen und Erfahrungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die damit verbundenen Herausforderungen, Risiken und Chancen ausreichend zu verstehen. Wir wollen diese wichtige energiepolitische Lücke füllen und nehmen dazu die soziale Nachhaltigkeit der Energiewende systematisch und umfassend in den Fokus.

Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende misst Einstellungen der Bevölkerung

Zum Projektstart haben wir ein Konzept einer sozial nachhaltigen Energiewende entwickelt. Darauf aufbauend haben wir eine empirisch tragfähige Datenbasis für ein jährliches Monitoring der Energiewende erarbeitet. Dabei erfassen wir die Einstellungen und Erfahrungen der Bevölkerung zur Energiewende. Die Forschung ist u.a. von folgenden Fragen geleitet: Wie schlägt sich die Energiewende im Alltagsverhalten und den Lebensperspektiven der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nieder? Welche Einstellungen, Anliegen und Gerechtigkeitsvorstellungen sind vorherrschend? Wie bewertet die Bevölkerung die Energiewende-Politik und die energiepolitische Kompetenz der Bundesregierung und Parteien? Wie stark möchten sich die Menschen an der Energiewende beteiligen? Wo liegen Hindernisse, wo Potentiale? Die Ergebnisse werden jährlich in Form eines „Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers der Energiewende" veröffentlicht sowie im Rahmen einer Konferenz vorgestellt und mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft diskutiert.

Mit dem Barometer zeigen wir zentrale Handlungsfelder für eine sozial nachhaltige Energiewende auf. Wir identifizieren Fortschritte und Rückschritte und analysieren die damit zusammenhängenden politischen oder gesellschaftlichen Handlungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten. Die zentrale empirische Basis bildet eine jährliche Panel-Befragung von 6500 Haushalten, die in Kooperation mit dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und forsa durchgeführt wird. Diese Analyse wird u.a. unterstützt durch eine qualitative Befragung mit Hilfe von Fokusgruppen.

Partnerschaft „dynamis" verknüpft wissenschaftliche Reflexion mit praktischem Ausprobieren

Das IASS erarbeitet das soziale Nachhaltigkeitsbarometer im Rahmen der Partnerschaft „dynamis - für eine sozial nachhaltige Energiewende", die das Institut gemeinsam mit der 100 prozent erneuerbar Stiftung und der Innogy-Stiftung für Energie und Gesellschaft im Dezember 2016 gründete. Die Partner bringen ihr unterschiedliches Know-how ein, um Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe an der Energiewende in enger, projektübergreifender Verzahnung von wissenschaftlicher Reflexion und praktischem Ausprobieren vor Ort zu bearbeiten. In zwei Reallaboren geht es beispielsweise um die Entwicklung eines gemeinschaftlichen regionalen Energiesystems sowie um Quartierslösungen mit erneuerbaren Energien in sozialen Brennpunkten.