Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

BIRGEJUPMI: Indigenes Wissen & Nachhaltige Arktische Zukunftsperspektiven

Dauer

bis

Dr. Anne Chahine

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Ilaria Sartini

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Das BIRGEJUPMI-Konsortium beim Kick-off-Meeting an der Sámi allaskuvla (Sámi University of Applied Sciences) in Guovdageaidnu/Kautokeino, Sápmi/Norwegen.
Das BIRGEJUPMI-Konsortium beim Kick-off-Meeting an der Sámi allaskuvla (Sámi University of Applied Sciences) in Guovdageaidnu/Kautokeino, Sápmi/Norwegen.

Die Forschungsgruppe reIMAGINE Arctic ist an einem „Horizont-Europa“-Projekt beteiligt, das den Titel BIRGEJUPMI: Bridging Knowledge Systems for Inclusive, Resilient, and Prosperous Arctic Coastal Futures* trägt und als eines der ersten Horizont-Projekte unter starker indigener Führung steht: Die Mehrzahl der BIRGEJUPMI-Arbeitspakete wird von indigenen Wissenschaftlerinnen, Expertinnen und Institutionen geleitet. BIRGEJUPMI zielt darauf ab, das Engagement lokaler Gemeinschaften zu stärken, indigene Wissenssysteme zu fördern und umweltbezogene Entscheidungsprozesse in den arktischen Küstenregionen von Sápmi und Kalaallit Nunaat zu verbessern, indem es indigene, lokale und westliche Wissenssysteme miteinander verbindet. Das Projekt verfolgt einen dekolonialen, ganzheitlichen und gemeinschaftsbasierten Ansatz. Die Forscherinnen des RIFS sind an der Erarbeitung innovativer transdisziplinärer Methoden und Evaluierungspraktiken (Arbeitspakete 1 und 10) beteiligt. Außerdem schaffen sie Räume zum Austausch für junge Menschen in Sápmi, für eine Auseinandersetzung mit Veränderungen in ihrem Alltag und Visionen für ihre Zukunft, die von Klimaschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der „grünen Wende“ geprägt werden (WP4 und WP8).

Der Name des Projektes, BIRGEJUPMI, ist ein nordsaamisches Wort und steht für die Verbundenheit aller Lebewesen (Menschen, Tiere und Pflanzen) und „Wege, um zu bewältigen / sich durchzuschlagen“ – die Idee der Selbstgenügsamkeit. Es verkörpert das Prinzip, nur das Nötigste aus der Natur zu nehmen, um auch in Zukunft noch ernten zu können.

BIRGEJUPMI wird von der Universität Oulu geleitet und in Zusammenarbeit mit der Sámi Allaskuvla, dem Saami Council, der Forschungsgruppe „Indigenous Voices“ (IVO) an der UiT – the Arctic University of Norway, dem Alta Museum, Dáiddadállu, Ikitsivik, Psykolog Paarnaq, Árvu AS, der Universität Tartu, der National Dong HWA University und RIFS durchgeführt und konzentriert sich auf drei arktische Gebiete: West-Sápmi, Nord-Sápmi (Norwegen) und Kalaallit Nunaat (Grönland). BIRGEJUPMI baut auf bewährten Beziehungen auf, die im Laufe der Jahre zwischen den Partner*innen des Konsortiums entstanden sind und unter anderem auf dem DÁVGI-Projekt beruhen.

ETHISCHE, KOOPERATIVE UND INKLUSIVE FORSCHUNGSANSÄTZE, METHODEN UND RAHMEN FÜR DIE EVALUATION

Die Forscherinnen des RIFS tragen gemeinsam mit dem Saami Council und der Universität Oulu zu den Arbeitspaketen 1 und 10 bei, die sich beide auf ethische, kooperative und integrative Forschungsansätze, Methoden und Rahmen für die Evaluation konzentrieren. Das Ziel von Arbeitspaket 1 ist die Schaffung einer Forschungsinfrastruktur für die am Projekt beteiligten Forscherinnen und Forscher und Gemeinschaften sowie für lokale Wissenszentren und den Projektbeirat (AB), um den Fortschritt des Projekts, die angewandten Methoden und die Qualität der Forschungskooperationen kontinuierlich zu analysieren. Zu diesem Zweck werden verschiedene methodische Ansätze zur gemeinsamen Wissensproduktion und -bewertung aus einer Multi-Akteurs-Perspektive kartiert. Dieser iterative Prozess zielt darauf ab, ethische und gerechte Forschungspraktiken zu fördern, um Forscher*innen und lokale Gemeinschaften in allen Arbeitspaketen während der gesamten Laufzeit des BIRGEJUPMI-Projekts zu stärken.

Alle Arbeitspakete in BIRGEJUPMI stehen in einer zirkulären Beziehung zu mindestens einem anderen Arbeitspaket. Aufbauend auf Arbeitspaket 1 zielt Arbeitspaket 10 darauf ab, einen Raum für reflexive ethische Evaluation und explizite Auseinandersetzung mit methodischen Ansätzen während der gesamten Projektdauer zu schaffen, um die Entwicklung und Anwendung von ko-kreativen/ko-produktiven und kollaborativen Methoden zu unterstützen und ethische und kontextgerechte Forschungspraktiken sowie aussagekräftige Ergebnisse zu befördern. Die gewonnenen Erkenntnisse werden kontinuierlich mit den anderen Mitgliedern des Konsortiums geteilt. Dadurch sollen laufende Anpassungen und Verbesserungen der Forschungsmethoden, -prozesse und -ergebnisse im Projekt erleichtert und zur Entwicklung neuer ethischer und gerechter Forschungspraktiken über BIRGEJUPMI hinaus beigetragen werden.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden neue Einblicke in die Weiterentwicklung von ko-produktiven und transdisziplinären Forschungsansätzen und Evaluierungspraktiken liefern, die auch für andere RIFS-Forschungsgruppen und Schwerpunktthemen von Bedeutung sind.

WP4 befasst sich mit der Energiewende in der europäischen Arktis und wie sie von jungen Menschen in Nord-Sápmi erlebt und verhandelt wird

Zusammen mit dem Saami Council leitet unsere Forschungsgruppe das Arbeitspaket 4 „Lokale und globale Zukunftsperspektiven: Visionen junger Menschen von nachhaltigen Lebensgrundlagen und integrativer Umweltpolitik“. Ziel dieses Arbeitspakets ist es, die Auswirkungen (einschließlich der Chancen und Herausforderungen) von Klimaschutzmaßnahmen (z. B. Onshore-Windparks) im Zusammenhang mit der „grünen Wende“ zu evaluieren und sich damit auseinanderzusetzen, wie diese Maßnahmen von jungen Menschen in den Gemeinden Unjárga/Nesseby und Bieralváhki/Berlevåg erlebt werden. Zu diesem Zweck werden die Forscherinnen gemeinsam mit jungen Menschen einen Raum zum Austausch schaffen, in dem es um ihre Vorstellungen von Zukunft und Nachhaltigkeit im Angesicht des Klimawandels und der Klimaschutzmaßnahmen gehen soll. Dies geschieht mithilfe von Methoden des Co-Designs und der Co-Kuration. Der Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien in der Region, der eng mit der europäischen Nachfrage nach grüner Energie zusammenhängt, hat direkte Auswirkungen auf das Leben vor Ort und wird von Sámi-Wissenschaftlerinnen und -Aktivistinnen als „grüner Kolonialismus” bezeichnet. Während viele deutsche Gemeinden sich gegen Pläne für Windparks in ihrer Umgebung wehren, investieren deutsche Investoren (wie die Stadtwerke München) in Windprojekte in Sápmi und externalisieren damit die Auswirkungen der grünen Wende. Diese Verbindung – metaphorisch betrachtet von zwei Enden der Stromtrassen aus – ist für die reIMAGINE-Gruppe von besonderem Interesse.

Darauf aufbauend wird sich das Arbeitspaket 8 „Mobilisierung von Führungsverantwortung junger Menschen und Austausch zur Gestaltung sozioökonomischer Wandlungsprozesse in arktischen Küstenregionen im Zusammenhang mit dem EU-Green Deal“ auf die Entwicklung einer Infrastruktur für den Wissensaustausch zwischen Akteuren auf lokaler, nationaler und EU-Ebene konzentrieren. Ziel ist es zu erörtern, wie junge Menschen mit den Veränderungen und Herausforderungen umgehen, die Strategien zur Eindämmung des Klimawandels für ihr Leben mit sich bringen. Dabei wird das Arbeitspaket Konzepte und Praktiken der Solidarität weiter untersuchen.

Informationen zur Projektfinanzierung

Das Projekt BIRGEJUPMI wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont Europa“ der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101182041 gefördert.

*BIRGEJUPMI: Brücken bauen zwischen Wissenssystemen für inklusive, widerstandsfähige, und prosperierende Zukunft in arktischen Küstengebieten

Team

Dr. Anne Chahine

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Wissenschaftliche Projektleiterin

Dr. Nina Döring

Forschungsgruppenleiterin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Ilaria Sartini

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Prof. Dr. Mark Lawrence

Wissenschaftlicher Direktor
Wissenschaftlicher Direktor
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