Wärmewende in Kommunen: Konfliktarm, aber langsam
12.02.2026
Externe Ko-Autorin: Judith Bremer
Als im Frühjahr 2023 ein erster Entwurf zur Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangte, war die Aufregung groß. „Heizhammer stoppen“ war eine Forderung, manche sahen gar eine „Energie-Stasi“ im Entstehen. Kritik entzündete sich vor allem am geplanten Verbot des Einbaus neuer Öl- und Gasheizungen. Daraufhin schwächte die damals regierende Ampelkoalition den Gesetzentwurf an vielen Stellen ab.
Dennoch könnte man infolge der Auseinandersetzungen von damals annehmen, dass der Kulturkampf ums GEG auch für aufgeheizte Stimmung in den Kommunen sorgt, die zentral für die Umsetzung der Wärmewende verantwortlich sind. Doch weit gefehlt. In dem Forschungsprojekt „Geothermie und Speicherung in der regionalen Wärmeplanung: Barrieren, Chancen und Stakeholderperspektiven in vergleichenden Fallstudien“ hat das RIFS in vier Kommunen (Hennigsdorf und Neuruppin in Brandenburg, Karlsruhe und Bruchsal in Baden-Württemberg) Fallstudien durchgeführt und eine eher niedrige Konfliktintensität festgestellt.
Die tiefe Geothermie ist in vielen Kommunen ein wichtiger Baustein der Wärmewende, denn ihr Potenzial ist groß. In den vier untersuchten Kommunen werden tiefe Geothermie und geothermische Speicherung bereits eingesetzt oder als Möglichkeit geprüft. Die Vorteile dieser Technologie liegen insbesondere in ihrer kontinuierlichen, CO₂-neutralen Energieversorgung.
Alle vier Kommunen setzen im Kern auf drei Ansätze zur Gestaltung der Wärmewende: 1. den Ausbau der Fernwärmenetze und die Defossilisierung der Wärmeproduktion. 2. den (Aus-)Bau von Nahwärmenetzen. 3. die Unterstützung von dezentralen Lösungen zur Wärmewende (Wärmepumpen, energetische Sanierungen). Die Kommunen sind in unterschiedlichen Stadien der Wärmewende. Während die beiden Kommunen aus Baden-Württemberg gemäß ihres Landesgesetzes die kommunale Wärmeplanung schon abgeschlossen haben, haben Hennigsdorf und Neuruppin bereits frühzeitig den Ausbau der Fernwärme forciert.
In Neuruppin ist ein großes Tiefengeothermieprojekt im Bau und soll in Zukunft ca. 70 Prozent des Fernwärmebedarfs decken. In Bruchsal ist seit 2019 eine Tiefengeothermieanlage in Betrieb, die bislang vor allem Strom produziert und Wärme für einzelne Abnehmer und Teilnetze bereitstellt; im Zuge des geplanten Ausbaus des Fernwärmenetzes soll sie künftig einen wesentlichen Anteil – nach Planungen etwa zwei Drittel – des Wärmebedarfs dieses Netzes decken. In Karlsruhe werden Standorte für tiefe Geothermie erkundet und Untersuchungen für geothermische Tiefenspeicherungen durchgeführt, letzteres wird auch als Option in Hennigsdorf geprüft. Je nach lokalen Gegebenheiten gibt es unterschiedliche Ansätze sowohl in technologischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die Beteiligung der Bevölkerung. Während etwa in Karlsruhe regelmäßig Dialogveranstaltungen stattfinden, konnten Bürgerinnen und Bürger aus Hennigsdorf in einen Wärmespeicher investieren. Insofern stellt die kommunale Wärmewende einen Suchprozess dar, in dem passende Lösungen für eine klimaneutrale und sozial gerechte Wärmewende gefunden werden müssen.
Doch was für alle Kommunen eine zentrale Herausforderung darstellt, ist der Faktor Zeit. Denn während im Strombereich mehr als die Hälfte der Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, liegt dieser Anteil im Wärmebereich bundesweit bei unter 20 Prozent. Planungsprozesse für Wärmenetze und die Installation neuer Anlagen sind häufig sehr langwierig, die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen lassen sich im Vorhinein nicht mit Sicherheit bestimmen. Wie die jüngere Vergangenheit zeigt, kann etwa die Preisentwicklung einzelner Energieträger wie etwa Erdgas großen Schwankungen unterliegen. Gleichwohl müssen jetzt energisch die Weichen gestellt werden, um im Jahr 2045 das Klimaneutralitätsziel zu erreichen und den Wärmesektor komplett zu dekarbonisieren. Entsprechend ist es durchaus erfreulich, dass sich der Kulturkampf ums GEG in den Kommunen nicht abbildet, sondern dort insgesamt wesentlich pragmatischer und zielorientierter diskutiert wird. Klimaschutzaspekte nehmen zunehmend eine untergeordnete Rolle ein, vielmehr liegt eine zentrale Motivation in der Nutzung lokaler und regionaler Ressourcen zur Schaffung wirtschaftlichen Mehrwerts für die Kommune. Gleichzeitig trägt dies zu mittelfristigen und langfristigen Strategien bei, um den Auswirkungen steigender Preise für fossile Energieträger wirksam zu begegnen. Allerdings drängt die Zeit und es deutet viel darauf hin, dass die Klimaziele im Wärmebereich nicht oder nur mit Verspätung erreicht werden können.


