Headline: Energiesysteme und gesellschaftlicher Wandel

Die Dekarbonisierung der Energieversorgung ist eine der größten und wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Energiesektor verursacht etwa zwei Drittel der globalen CO2-Emissionen. Der Ausbau einer klimafreundlichen Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen ist zentral für die Bekämpfung des Klimawandels. Eine solche Transformation des Energiesystems bringt einen tiefgreifenden Wandel für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich und ist damit ein wichtiger Ansatzpunkt für die transformative Forschung am IASS. Denn das Energiesystem ist weit mehr als eine technische Infrastruktur: Die Energiewende bringt neue Organisationsformen und Geschäftsmodelle hervor, sie verändert Landschaften, erfordert neue Lebens- und Verhaltensweisen und schafft neue Zuständigkeiten, Regulierungsanforderungen und Machtverteilungen. Sechs Forschungsgruppen erforschen am IASS die Veränderungsprozesse im Kontext der Energiewende und erarbeiten mit gesellschaftlichen Partnern Lösungen, wie diese nachhaltig gestaltet werden können. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der sozialen, politischen und institutionellen Dimension der Energiewende sowie auf der mehrdimensionalen Bewertung von sozio-technischen Gestaltungsoptionen für die Entwicklung einer klimafreundlichen Energieversorgung. Im Kopernikus-Projekt „Energiewende-Navigationssystem (ENavi)" entwickeln 80 Forschungs- und Praxispartner einen Ansatz für die Analyse und Bewertung von Transformationspfaden des Energiesystems mit einem Fokus auf Deutschland. Die Forschungsgruppe „Dynamik der Energiewende" legt ihren Schwerpunkt auf Politikinstrumente und institutionelle Rahmenbedingungen für die vollständige Dekarbonisierung des Energiesystems, vor allem in Europa. Die Forschungsgruppe „Wege zu einer nachhaltigen Energieversorgung" untersucht die soziale Nachhaltigkeit der Energiewende sowie den Wandel und die Potenziale internationaler Governance und Kooperation im Rahmen einer globalen Energiewende. Diese Arbeit ist eng mit den Aktivitäten in den Forschungsgruppen "Soziale und Wirtschaftliche Chancen der Energiewende (COBENEFITS)" sowie „Systemische Implikationen der Globalen Energiewende" verknüpft. Die COBENEFITS-Gruppe untersucht den positiven Zusatznutzen erneuerbarer Energien in den Ländern Indien, Südafrika, Türkei und Vietnam. Die Gruppe „Systemische Implikationen der Globalen Energiewende" erforscht die potenziellen Risiken einer globalen Energiewende für Länder des globalen Südens. Die Potenziale und Risiken von Technologien zur CO2-Abscheidung und -Nutzung (Carbon Capture and Utilisation, CCU) und die damit verbundenen gesellschaftlichen Implikationen untersucht und diskutiert die Forschungsgruppe „CO2-Nutzungsstrategien und Gesellschaft" mit europäischen und internationalen Partnern.

Dossiers

Stromtransport der Zukunft

Supraleitung Dossier

Der Ausbau erneuerbarer Energiequellen wird in den kommenden Jahrzehnten entscheidend dazu beitragen, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und unser Energiesystem nachhaltiger zu gestalten. Allerdings wird Strom aus erneuerbaren Energien vor allem dort erzeugt, wo diese reichlich vorhanden sind: Windenergie auf dem offenen Meer und Solarenergie in sonnenreichen Gegenden – weit entfernt also von den Verbrauchszentren. Daher macht der Ausbau der erneuerbaren Energien die Verlegung neuer Leitungen nötig. In Deutschland ist die Erweiterung der Stromnetze eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Energiewende.

Neue Technologien nutzen Kohlenstoffdioxidemissionen

CO₂: Vom Abfall zum Rohstoff Dossier

Die Wirtschaftsweise und das Konsumverhalten in entwickelten Ländern basieren gegenwärtig vor allem auf der Nutzung fossiler Rohstoffe, deren Abgase maßgeblich für den vom Menschen verursachten Klimawandel verantwortlich sind. Die Vermeidung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen ist und bleibt die wichtigste Maßnahme, um die menschlichen Auswirkungen auf das Klima zu reduzieren. Zusätzlich kann es jedoch sinnvoll sein, das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) als eine Kohlenstoffquelle zu betrachten. Seit einigen Jahren erforschen Wissenschaftler die sogenannten „Carbon Capture and Utilisation (CCU)“-Technologien. Deren Ziel ist es, das in Abgasen enthaltene CO2 für die Industrie als Rohstoff wieder nutzbar zu machen.

Interaktive Europakarte

Selbstversorgung mit Strom aus Wind und Sonne

Das Potenzial von Wind- und Sonnenenergie ist groß genug, um Europa zu hundert Prozent mit erneuerbarer Elektrizität zu versorgen. Das Ergebnis einer Studie des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam führt zu dem Fazit: Auch auf regionaler oder lokaler Ebene ist Selbstversorgung ausschließlich über erneuerbaren Strom in vielen Fällen rechnerisch möglich. Allerdings wird dies im Ballungsraum von Städten mit einem hohen Landverbrauch einhergehen.

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Energiewende

Lehren aus gescheiterter Energiepolitik

Obwohl Strom aus Solar- und Windanlagen immer günstiger wird, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin auf politische Unterstützung angewiesen. Fehlt diese, kommt es häufig zu Rückschritten beim Umbau des Energiesystems – so geschehen in den einstigen Vorreiterländern Spanien und Tschechien. Welche Lehren können wir daraus für die Energiepolitik ziehen? Eine in der Zeitschrift „Energy Policy“ erschienene Studie gibt Empfehlungen für eine wirksame Ausgestaltung politischer Maßnahmen.

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Schiefergas in Europa

Hohe Emissionen bei Schiefergas-Fracking zu erwarten

Bis Erneuerbare den Energiebedarf zu hundert Prozent decken, gilt Erdgas als Brückentechnologie, weil es weniger Emissionen freisetzt als andere fossile Brennstoffe. Am IASS entstand eine Studie, in welcher erstmals die Emissionen bei der Schiefergasförderung in Deutschland und Großbritannien geschätzt wurden. Die real zu erwartenden CO2-Emissionen liegen demnach nach höher als die geschätzten Emissionen aus dem derzeit in Deutschland geförderten Erdgas.

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Blog Posts

Öffentliche Probleme, private Lösungen? UN will Zugang zu Klimatechnologien erleichtern

Obwohl die Stückkosten für erneuerbare Energien stark gesunken sind, werden deutlich mehr finanzielle Mittel für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel benötigt, als aktuell bereitstehen. Gerade die am wenigsten entwickelten Länder verfügen noch immer nicht über die Technologien, die sie brauchen. Kann der Privatsektor Abhilfe schaffen oder sollten Regierungen und die Vereinten Nationen eingreifen?

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Nationale Klimaschutzbeiträge

Die Kernkonflikte neuer internationaler Marktmechanismen

Die unter dem Pariser Abkommen festgelegten nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) vieler Länder sind an konkrete Voraussetzungen geknüpft. Damit hängt das Erreichen des 1.5°C-Ziels am Erfolg einer Neuausrichtung der Klimafinanzierung. In diesem Zusammenhang wurden viele Hoffnungen auf neue Marktmechanismen geknüpft. Dennoch waren Kernpunkte des neuen CO2-Handelssystems auf der UNFCCC in Bonn stark umstritten, nicht zuletzt aufgrund ihrer politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

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Die internationale Kohlefinanzierung der G20-Staaten ist verantwortungslos

Die G20-Länder, die am 27. und 28. Juni in Osaka, Japan, zusammenkommen, emittieren etwa 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Damit kommt ihnen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zu. Doch sie stellen nicht nur die Weichen für eine klimafreundliche Energieversorgung im eigenen Land, sondern auch in einer Vielzahl von Partnerländern. Denn zur G20 gehören die mit Abstand wichtigsten Geberländer der bilateralen energiepolitischen Entwicklungszusammenarbeit: China, Deutschland, Frankreich, Japan und die USA. Dass sie über die Entwicklungs- und Exportfinanzierung weiterhin Investitionen in Kohlekraftwerke unterstützen, ist verheerend.

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