Europa will die Umstellung auf erneuerbare Energien schaffen. Dabei ist es wichtig, Zielkonflikte mit anderen politischen Zielen rechtzeitig zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.
Europa will die Umstellung auf erneuerbare Energien schaffen. Dabei ist es wichtig, Zielkonflikte mit anderen politischen Zielen rechtzeitig zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. IASS/Norbert Michalke

Headline: Die Wende zu einem erneuerbaren Stromsystem und ihre Wechselwirkungen mit anderen politischen Zielen (TRIPOD)

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bis

Um ihre langfristigen Klimaziele zu erfüllen, hat die Europäische Union beschlossen, ihre Kohlenstoffemissionen aus dem Energiesektor bis 2050 um 93 bis 99 Prozent zu reduzieren. Europa hat also vor, die Wende zu einem weitgehend - oder vollständig - erneuerbaren Energiesystem zu schaffen. Das ist jedoch nur eines von vielen energiepolitischen Zielen in Europa. Andere sind:

  • verbesserte Energieeffizienz und Reduktion der Energienachfrage;
  • Liberalisierung des Energiemarkts und freier Wettbewerb für Erneuerbare;
  • die Europäisierung der Energiepolitik für Erneuerbare und Stromnetze sowie die Schaffung eines europäischen Binnenmarkts für Strom.

Im TRIPOD-Projekt untersuchen Forscherinnen und Forscher, wie die verschiedenen politischen Ziele aufeinander einwirken, wie sie die Aussichten und Kosten der Umstellung auf ein erneuerbares Energiesystem beeinflussen, inwiefern die anderen Ziele die Optionen für Erneuerbare einschränken und wie politisch-strategische Konflikte gelöst werden können.

Im jetzigen politischen Diskurs werden diese politischen Ziele behandelt, als wären sie entweder voneinander unabhängig oder synergetisch. Sie sind jedoch keineswegs voneinander unabhängig: Politische Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage, Liberalisierung und Europäisierung haben enormen Einfluss auf die Energiewende, und die unterschiedlichen Ziele können teilweise im Widerstreit stehen. Ziel des Projekts ist es, diese Hypothesen zu prüfen und politisch-strategische Synergien und Gegensätze zu erforschen, indem bisher wenig beachtete Wechselwirkungen untersucht werden, darunter:

  • inwiefern Fortschritte in Richtung der anderen Ziele die Dynamik der Energiewende beeinflussen;
  • wie zentrale Akteure infolge solcher Entwicklungen ihr Verhalten ändern könnten;
  • und welche Auswirkungen die Erfüllung der anderen politischen Ziele auf die technische Stabilität und die Kosten eines vollständig erneuerbaren europäischen Energiesystems hätte.

Das Projektteam verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und stützt sich dabei unter anderem auf Transformationsforschung, Ingenieurwissenschaften, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, wobei jede Perspektive ein neues Puzzleteilchen hinzufügt. Die Ergebnisse werden sowohl zur fachlichen und problemorientierten Forschung im Bereich der Energiepolitik beitragen als auch Politikern helfen, kohärentere politische Maßnahmen zur Unterstützung einer europäischen Energiewende zu entwickeln.