Headline: Die Climate Engineering Conference 2017 (CEC17) in Berlin: ein internationales Forum für kritische Debatten

„Climate Engineering und öffentliche Beteiligung – welcher Weg zu welchem Ziel?“ Darüber wurde in einer der mehr als 30 Sitzungen dieser Konferenz diskutiert.
„Climate Engineering und öffentliche Beteiligung – welcher Weg zu welchem Ziel?“ Darüber wurde in einer der mehr als 30 Sitzungen dieser Konferenz diskutiert. IASS/Dirk Enters

Trotz starker Bemühungen der internationalen Gemeinschaft und trotz des historischen Pariser Klimaabkommens von 2015 werden noch immer große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Dies könnte weltweit verheerende Auswirkungen haben. Vor diesem Hintergrund sind vermehrt – oftmals kontroverse – Debatten über zwei Arten gezielter Eingriffe ins Klimasystem entbrannt. Beide werden häufig zusammengefasst als „Climate Engineering“ bezeichnet: 1) die Entfernung von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal, CDR) und 2) die Änderung der Strahlungsbilanz durch eine Verringerung der Menge an Sonnenlicht, das die Erdoberfläche erreicht oder von der Atmosphäre aufgenommen wird (Solar Radiation Management, SRM). Diese Climate-Engineering-Technologien sind heutzutage zwar noch weitgehend hypothetischer Natur. Doch angesichts der Möglichkeit, dass sie in Zukunft großflächig zum Einsatz kommen könnten, ist eine breit angelegte gesellschaftliche Debatte nötig – nicht nur zu den möglichen Vorteilen und Risiken, sondern auch zu der Frage, ob diese Technologien überhaupt Teil der Antworten auf den Klimawandel sein sollten. Mit Blick auf diesen Bedarf an einer gesellschaftlichen Debatte veranstaltete das IASS in Zusammenarbeit mit einem international besetzten „Steering Committee“ vom 9. bis 12. Oktober im Umweltforum in Berlin die Climate Engineering Conference 2017 (CEC17).

Aufbauend auf dem Erfolg der ersten internationalen Climate Engineering Conference im Jahr 2014 (CEC14) wollten das IASS und seine Partner die kritischen internationalen Diskussionen fortführen, die damals begonnen hatten. Die Konferenz bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Forschung, Politik und Zivilgesellschaft sowie Journalistinnen und Journalisten die Gelegenheit, sich kritisch mit der aktuellen Climate-Engineering-Forschung und den Debatten im weiteren Umfeld dieses Themas auseinanderzusetzen. An der viertägigen Konferenz mit insgesamt 32 Sitzungen und 5 Plenumsdiskussionen nahmen 260 Delegierte aus über 30 Ländern teil. Außerdem fand in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt eine öffentliche Gesprächsrunde statt (weitere Informationen im Konferenzprogramm). Die einzelnen Sitzungen konzentrierten sich zum Beispiel darauf, ob die Ziele des Pariser Abkommens ohne Climate Engineering erreicht werden können, wie die Klimapolitik mit der Verbreitung von Falschmeldungen („Fake News“) umgehen sollte und welche Regeln für die Forschung gelten sollten.

Bei der Eröffnung der Konferenz rief Mark Lawrence, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), dem Publikum eine wichtige Tatsache ins Gedächtnis: Das Ziel des Pariser Abkommens, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, kann nur erreicht werden, wenn die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten praktisch auf Null reduziert werden. Dies sei jedoch „höchst unwahrscheinlich, angesichts der gesellschaftlichen und politischen Trägheit und der daraus resultierenden aktuellen Emissionstendenzen“. Daher argumentierten einige Teilnehmer , dass Maßnahmen, mit denen gezielt ins Klimasystem eingegriffen wird, eine gerechtfertigte Ergänzung zum Klimaschutzseien. Der Physiker David Keith von der Universität Harvard stellte sein geplantes Feldexperiment im Bereich Solar Radiation Management vor. Für Lili Fuhr von der Heinrich Böll Stiftung hingegen ist Geoengineering keine Option, die in Frage kommt – Geoengineering entspinge einer Perspektive, die „auf Kontrolle und Angst statt auf Umsicht“ beruht. Sie findet es daher unerlässlich, den mit dem Pariser Abkommen eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, statt auf potenziell gefährliche Climate-Engineering-Technologien zu setzen. Mark Lawrence sieht in diesem Bereich dringenden Bedarf an international bindenden Regeln. Er wies darauf hin, dass das IASS Konzepte für die Regulierung des Climate Engineering ausarbeitet und  politische Akteure bei der Entwicklung entsprechender Maßnahmen berät.

Bei der CEC17 waren viele bekannte Größen und führende Stimmen aus der Geoengineering-Forschung aktiv: Sie leiteten Sitzungen, nahmen an Podiumsdiskussionen teil oder hielten Vorträge. Außerdem gab es interaktive Programmpunkte wie das Spiel „To Gabon or not to Gabon“, die zum offenen Meinungsaustausch anregten. Die Verantwortlichen bezogen auch die Perspektiven der Menschen ein, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. So besuchten rund 50 Teilnehmende aus Ländern des Globalen Südens die CEC17 und die begleitend stattfindenden Sitzungen der Solar Radiation Management Governance Initiative (SRMGI). Zudem gelang es, auf der CEC17 Vertreterinnen und Vertreter von verschiedensten Nichtregierungsorganisationen einzubeziehen, darunter von Friends of the Earth, der ETC Group, GreenFaith, der Global Forest Coalition, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Environmental Defence Fund, was auch der Heinrich-Böll-Stiftung zu verdanken war. Auch zwischenstaatliche Foren schickten Vertreterinnen und Vertreter, zum Beispiel das Exekutivbüro des Generalsekretärs der Vereinten Nationen (UN EOSG), das Sekretariat des Abkommens über biologische Vielfalt (SCBD) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Dies wurde teilweise durch die Carnegie Climate Geoengineering Governance Initiative (C2G2) ermöglicht.

Zudem erhielt die Konferenz große Medienaufmerksamkeit: Über 20 Journalistinnen und Journalisten, zwei Nachrichtenfernsehteams und vier unabhängige Dokumentarfilmer besuchten sie. Über die CEC17 wurde in den ARD-Tagesthemen und einem Nature-Editorial sowie in zahlreichen Zeitungsartikeln (beispielsweise Reuters, The Guardian, Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung) berichtet. Außerdem wurden die Vorsitzenden des CEC17 Steering Committee (Stefan Schäfer, Projektleiter, IASS Potsdam) und der CEC17 Advisory Group (Mark Lawrence, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung, IASS) von mehreren führenden deutschen Radiosendern (Deutschlandfunk, rbb und SWR2) interviewt, so wie auch viele andere Teilnehmer der Konferenz.

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