Overline: Was bewirken Luftschadstoffe?
Headline: Luftverschmutzung und Klimawandel

Luftverschmutzung ist derzeit die führende umweltbedingte Ursache für vorzeitige Todesfälle. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich annähernd sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Überdies wirken sich SLCPs schädlich auf Ökosysteme, einschließlich der Landwirtschaft, aus. Allein in Europa kommt es aufgrund von Ozon jährlich zu Ernteausfällen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Neben diesen Auswirkungen auf Gesundheit und Landwirtschaft sind SLCPs zu rund 50 Prozent für die globale Erwärmung verantwortlich. Die Eindämmung des Klimawandels hängt maßgeblich davon ab, dass umgehend Schritte zur Senkung von CO2-Emissionen unternommen werden, aber ohne zusätzliche Maßnahmen zur Minderung von SLCPs bleiben die international vereinbarten Klimaziele womöglich unerreichbar.

Bekämpfung von SLCPs: schnelle Erfolge mit vielen zusätzlichen Nutzeffekten

CO2 verbleibt ein Jahrhundert oder länger in der Atmosphäre, es hat also lang anhaltende Auswirkungen auf das Klima. SLCPs hingegen haben eine erheblich kürzere Verweildauer in der Atmosphäre. Viele Aerosolpartikel, etwa Ruß, und Schadgase, wie bodennahes Ozon, bleiben nur für mehrere Stunden bis zu einigen Wochen in der Luft, Methan hingegen hält sich rund zehn Jahre lang in der Atmosphäre. Mit einer Erhöhung oder Absenkung der Emissionen dieser kurzlebigen Gase und Partikel kommt es relativ schnell zu einer entsprechenden Änderung ihrer Konzentrationen in der Atmosphäre. Der Nutzen einer Eindämmung von SLCPs würde sich also in kurzer Zeit zeigen und damit die Möglichkeit bieten, schnell und koordiniert sowohl die Luftqualität als auch den Klimaschutz zu verbessern. Die Halbierung von Luftverschmutzung bis 2040 könnte unter anderem bis zu 45 Millionen vorzeitiger Todesfälle verhindern.

Zentrale Herausforderungen bestehen darin, die Quellen von SLCPs ausfindig zu machen und zu erfassen; außerdem gilt es, Optionen zu ihrer Reduzierung zu liefern, die für spezifische politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge maßgeschneidert sind. Gegenwärtig sind Klimawandel und Luftqualität häufig in separaten Politikbereichen und auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Mit dem Klimawandel befassen sich in der Regel Akteure auf internationaler und nationaler Ebene, wie zum Beispiel bei der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), das sich insbesondere auf CO2-Absenkung konzentriert. Den SLCPs widmet sich teils das Montrealer Protokoll zum Wiener Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht und teils das Göteborg-Protokoll zum Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung. Zusätzlich geht man auf regionaler und lokaler Ebene mit Aktionsplänen zur Luftreinhaltung gegen SLCPs vor, zum Beispiel der „Task Force on Hemispheric Transport of Air Pollution“ (HTAP, Task Force zum hemisphärischen Transport von Luftschadstoffen). In jüngster Zeit gab es jedoch vermehrte Anstrengungen, die politische Kluft zwischen Luftqualität und Klimawandel zu überbrücken, zum Beispiel über die „Climate and Clean Air Coalition“ (CCAC, Bündnis für Klima und saubere Luft), die 2012 gegründet wurde. Die CCAC ist eine freiwillige Initiative unter dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), in der das IASS als aktiver nichtstaatlicher Partner im CCAC-Lenkungsausschuss mitwirkt.

IASS-Forschung zu Luftreinhaltung und Klimawandel

Auf diesem Forschungsgebiet führt das IASS folgende Tätigkeiten aus:

  • gemeinsame Entwicklung, Erprobung und Einschätzung von Maßnahmen zur SLCP-Reduzierung mit Akteuren aus allen Bereichen der Gesellschaft
  • Feldmesskampagnen und Überwachung von Luftschadstoffen in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, um Niveau, Quellen und Auswirkungen von Luftverschmutzung besser zu erfassen
  • Fokussierte Studien mittels Computermodellen welche Quellen und Konzentrationen von SLCPs analysieren und zur Entwicklung von Minderungsmaßnahmen damit beitragen
  • Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik auf nationaler und internationaler Ebene, basierend auf unseren wissenschaftlichen Ergebnissen und Analysen, um Initiativen zur Senkung von SLCP-Emissionen zu unterstützen und anzuregen und wissenschaftliche Erkenntnisse allgemeinverständlich zu vermitteln.

Gegenwärtig konzentriert sich unsere Arbeit auf Europa, insbesondere die Region Berlin-Brandenburg, den Süden der Himalayaregion, insbesondere Nepal, sowie die eurasische Arktis. Außerdem binden wir politische Akteure von lokaler über regionale bis zu globaler Ebene ein.

Publikationsliste der Forschungsgruppe Luftverschmutzung und Klimawandel