Gefahren entgegenzuwirken und gleichzeitig Innovation zu fördern, ist das Anliegen der Europäischen Union. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Anwendung des Vorsorgeprinzips in der EU zu verbessern.
Gefahren entgegenzuwirken und gleichzeitig Innovation zu fördern, ist das Anliegen der Europäischen Union. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Anwendung des Vorsorgeprinzips in der EU zu verbessern. AdobeStock/GarryKillian

Headline: Wissenschaft, Innovation und Vorsorge durch Partizipation

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Das Vorsorgeprinzip soll verhindern, dass Gefahren für die Umwelt und die menschliche Gesundheit überhaupt erst entstehen. Es leitet also dazu an, frühzeitig und vorausschauend zu handeln, um Risiken zu minimieren, zum Beispiel beim Einsatz von Nanotechnologie oder Pestiziden. Kritiker des Vorsorgeprinzips argumentieren jedoch, dass dieses zu übermäßiger Vorsicht verleite und dadurch technische Innovation verhindere. Das Projekt „Wissenschaft, Innovation und Vorsorge durch Partizipation" hat zum Ziel, die Umsetzung des Vorsorgeprinzips in der EU anhand einiger ausgewählter Technologien zu analysieren und die zukünftige Anwendung mittels partizipativer Methoden zu verbessern. Das Vorsorgeprinzip ist heute als allgemeines Prinzip im EU-Recht anerkannt und findet sich im EU-Vertrag sowie in verschiedenen EU-Verordnungen und Richtlinien. Es soll andere Managementstrategien zum Umgang mit großer wissenschaftlicher Unsicherheit und Unwissenheit ergänzen. „Wenn menschliche Aktivitäten zu moralisch nicht vertretbaren Schäden führen können, die wissenschaftlich plausibel, aber unsicher sind, sollen Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Schaden zu vermeiden oder zu verringern", heißt es in einer Erklärung der UNESCO zum Vorsorgeprinzip.

Vorsorge und Innovation sind kein Widerspruch

Verschiedene Interessengruppen haben vorgeschlagen, ein „Innovationsprinzip" als Ergänzung zum Vorsorgeprinzip zu entwickeln. Der Rat der Europäischen Union hat diese Auffassung unterstützt und die Mitgliedstaaten und die Kommission aufgefordert, die Möglichkeiten zu prüfen, das „Innovationsprinzip" für Entscheidungen im Bereich Forschung und Innovation anzuwenden. Die Europäische Kommission ist zu dem Schluss gekommen, dass Vorsorge und Innovation kein Widerspruch sind, sondern sich vielmehr ergänzen. Bereits heute wird in allen Fällen, in denen auf das Vorsorgeprinzip zurückgegriffen wird, eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt.

Neue Ansätze auch für die Produktentwicklung

Das Projekt „Wissenschaft, Innovation und Vorsorge durch Partizipation" wird gefördert durch das Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union. Es untersucht, ob und wie Vorsorge- und Innovationsprinzip miteinander in Einklang gebracht werden können. Ein wichtiger Ansatz dabei ist, dass Unternehmen ihre Produktentwicklung von Anfang an flexibler gestalten und auf externe Kritik reagieren. Ziel des Projektes ist es, neue empirisch und theoretisch fundierte Szenarien und Instrumente zur Vereinbarkeit von Wissenschaft, Innovation und Vorsorge zu entwickeln. Durch seine interdisziplinäre Arbeit von Sozial- und Rechtswissenschaftlern ist es wegweisend. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten zudem mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und anderen Interessengruppen zusammen. Die neuen Ansätze sollen es ermöglichen, die Besonderheiten jedes Falls zu berücksichtigen und maßgeschneiderte Lösungen für Vorsorge und Innovation zu entwickeln.