Auf einem Markt in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé verkaufen Händler Kohle, die unter anderem für Kochherde genutzt wird. Viele Entwicklungsländer haben nur wenig Zugang zu Energiewende-Zukunftstechnologien.
Auf einem Markt in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé verkaufen Händler Kohle, die auch für Kochherde genutzt wird. Viele Entwicklungsländer haben nur wenig Zugang zu Energiewende-Zukunftstechnologien. Ollivier Girard/CIFOR CC BY-NC-ND 2.0

Headline: Die systemischen Auswirkungen der globalen Energiewende (ISIGET)

Dauer:
bis

Die internationale Energiewende schafft viele Vorteile, aber auch neue Ungleichheiten. Die Risiken betreffen vor allem die Entwicklungsländer, die weniger Zugang zu Technologien und Kapital haben. Wie kann die Energiewende auch in diesen Ländern gelingen? Das Projekt entwickelt Vorschläge für eine gerechte Governance, die konfliktträchtige Politikziele in Einklang bringt.

Ungleicher Zugang zu Technologien und Kapital

Gerade für den Globalen Süden ist die Energiewende mit systemischen Risiken verbunden, denn der Wandel trifft sie besonders: Investitionen in fossile Energieträger versprechen keine langfristige Rentabilität mehr, vorteilhaft sind hingegen Rechte an Zukunfts-Technologien für ein kohlenstoffarmes Wirtschaftssystem. Über die verfügen aber vor allem die OECD-Länder und China. Mit ihrer Forschungsarbeit identifizieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Bedingungen für eine gerechte Verteilung der Gewinne geschaffen werden können. Zu Beginn befragen sie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus der Finanz- und Versicherungsbranche sowie der Politik nach ihrer Einschätzung von systemischen Risiken der globalen Energiewende. Daran anschließend führen sie - ausgehend von Variablen wie der relativen wirtschaftlichen Entwicklung, der Qualität der Institutionen und der Rolle von fossilen Ressourcen - Szenario-Analysen durch. An ihnen wird deutlich, welchen verschiedenen Arten von makro- und sozioökonomischen Risiken vor allem Länder des Globalen Südens ausgesetzt sind.

Gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen suchen

Die Szenarien überprüfen die Forscherinnen und Forscher mithilfe von ausgewählten Fallstudien in verschiedenen Weltregionen. Sie befragen dort Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus der lokalen Wirtschaft und dem Corporate-Finance-Bereich sowie von Entwicklungsagenturen und -banken. Ziel ist es, die Wohlfahrtseffekte und die Folgen für Entwicklung, Verteilung sowie finanzielle und Handelsrisiken für verschiedene Szenarien zu ermitteln. Abschließend erarbeiten die Forscherinnen und Forscher politische Empfehlungen, wie die Herausforderungen für Entwicklungsländer bewältigt werden können. Mit Policy Briefs und Kommentaren in Medien wollen sie politische Debatten in Frankreich, Deutschland und Europa anregen. In jeder Phase des Projekts sind Veröffentlichungen in Fachzeitschriften geplant. Zum Abschluss wird ein umfassender, an politischen Fragestellungen orientierter Bericht existierende globale und regionale Politikinitiativen im öffentlichen und privaten Sektor sowie in Public-Private Partnerships analysieren und eine Reihe von Politikvorschlägen unterbreiten. Das Projekt wird mit 1,5 Millionen Euro vom französisch-deutschen Fellowship-Programm für Klima-, Energie- und Erdsystemforschung im Rahmen der französischen Initiative „Make our planet great again" finanziert. Diese wurde im Juni 2017 vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron ins Leben gerufen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird für das gesamte Programm 15 Millionen Euro, das französische Bildungsministerium 30 Millionen Euro bereitstellen, dazu kommen Beiträge der Forschungspartner.