Die Herausforderungen des Anthropozäns erfordern das Zusammendenken unterschiedlicher zeitlicher Dimensionen.
Die Herausforderungen des Anthropozäns erfordern das Zusammendenken unterschiedlicher zeitlicher Dimensionen. istock/EtiAmmos

Headline: Demokratisches Anthropozän

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Im Laufe seiner Existenz erfand der Mensch viele Möglichkeiten, um sich immer weiter zu vernetzen und auf das Erdsystem Einfluss zu nehmen. Daraus resultierten besonders in den letzten Jahrzehnten Gestaltungsspielräume, auf die politisches Denken und Handeln noch keine angemessenen Antworten gefunden haben. So sind Menschen im Anthropozän in der Lage und auch schon dabei, die Erde für zahlreiche kommende Generationen umzugestalten. Jedoch tun sie dies meist nur bedingt auf absichtsvolle Art und Weise und in Institutionen, die vor dem Hintergrund zeitlich und räumlich kleinerer Herausforderungen vergangener Jahrhunderte geschaffen wurden. Mit den Worten des britischen Autors Georges Monbiot:„Es ist eine von uns geschaffene Welt, aber nicht eine Welt, für die wir uns entschieden haben."

Wie müssten Organisationen aussehen, die eine stark auf Legislaturperioden fokussierte politische Zeit in Einklang bringen mit der planetaren Zeit und ihren sich über Jahrhunderten aufbauenden natürlichen Lebensgrundlagen? Warum schaffen es trotz besseren Wissens selbst etablierte Demokratien nicht, die globale Erwärmung zu stoppen? Wie sollte mit künstlicher Intelligenz umgegangen werden, damit sie unsere Welt zum Guten verändert? Fragen wie diesen geht das Projekt nach. Es erkundet neuartige Herausforderungen im Anthropozän und wie diese demokratisch gestaltet werden können. Dazu konzentriert sich die Forschung sowohl auf die Formulierung des Konzepts "Demokratisches Anthropozän" als auch auf die gezielte Perspektiverweiterung, zuvorderst um eine genuin zeitliche Dimension.

Welchen Einfluss haben Zeitdesigns auf den globalen Wandel?

Den gegenwärtigen Schwerpunkt der Forschung bildet die Frage nach der Gestaltbarkeit der Zeit und ihrem Einfluss auf globalen Wandel. Während die Zeit seit jeher ein Thema der Philosophie und der Naturwissenschaften ist, wurden jüngst vor allem Überlegungen zu sozialer Beschleunigung oder zukünftigen Generationen in den Geistes- und Sozialwissenschaften angestellt. Um jedoch den Einfluss der Zeit umfassend zu untersuchen, sind weitere zeitliche Elemente - wie etwa lineare und zyklische Zeitmuster, die (De)Synchronisation von sozialen und natürlichen Zeitskalen sowie die Vergangenheits-, Gegenwarts- oder Zukunftsorientierung politischer Institutionen - zu erforschen und in ein umfassendes Modell „Zeitdesign" zu integrieren. Das erlaubt es, demokratisch über den Einfluss der Zeit zu verhandeln.

Die Arbeit des Projekts spiegelt sich auch in der Erkundung und Etablierung neuer Veranstaltungsformate am IASS wider, wie etwa im „Thinking Space on the Future of Gainful Employment".