Headline: Agenda 2030, SDGs und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Die Agenda schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.

Die Agenda 2030 wurde im September 2015 von allen Mitgliedsstaaten verabschiedet. Sie wurde mit breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft in aller Welt entwickelt und stellt einen Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Vereinten Nationen dar.

Die Agenda 2030 gilt für alle Staaten dieser Welt. Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industriestaaten: Alle müssen ihren Beitrag leisten.
Das Kernstück der Agenda bildet ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 SDGs berücksichtigen erstmals alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen. Die 17 Ziele sind unteilbar und bedingen einander. Ihnen sind fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft. Im Englischen spricht man von den “5 Ps”: People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership.

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) wurde erstmals 2002 von der Bundesregierung erstellt. Seit der Überarbeitung 2016 ist die Strategie an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs) ausgerichtet. Sie legt dar, mit welchen Mitteln die Regierung in, mit und durch Deutschland zur Erreichung der SDGs beitragen will. Die aktuelle Fassung stammt von 2018. Die nächste Weiterentwicklung der Strategie steht 2020 an. In diesem Rahmen führt die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030, deren Geschäftsstelle am IASS angesiedelt ist, zurzeit eine wissenschaftliche Online-Konsultation durch.

In der Nachhaltigkeitsstrategie bekennt sich die Bundesregierung unter anderem dazu, den Nachhaltigkeitsgedanken in allen Politikfeldern weiter zu stärken. Zudem benennt sie sechs Prinzipien für nachhaltige Entwicklung:

  1. nachhaltige Entwicklung als Leitprinzip konsequent überall anwenden
  2. global Verantwortung wahrnehmen
  3. natürliche Lebensgrundlagen stärken
  4. nachhaltiges Wirtschaften stärken
  5. sozialen Zusammenhalt in einer offenen Gesellschaft wahren und verbessern und
  6. Bildung, Wissenschaft und Innovationen als Treiber einer nachhaltigen Entwicklung nutzen

Um darzulegen, wie die DNS zu den SDGs beiträgt, geht sie wie folgt vor:

Zu jedem SDG formuliert die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie einen oder mehrere Leitsätze, sogenannte Nachhaltigkeitspostulate. Das SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) etwa hat drei Postulate: 1. Nachhaltige Flächennutzung, 2. Mobilität sichern – Umwelt schonen, 3. Bezahlbarer Wohnraum für alle.

Zu den Postulaten gibt es jeweils einen oder mehrere konkrete Zielsetzungen inklusive Indikatoren, die den Fortschritt in der Umsetzung messen. Das konkrete Ziel inklusive Indikator beim Postulat „Bezahlbarer Wohnraum für alle“ lautet zum Beispiel: Überlastung durch Wohnkosten (Indikator): "Anteil der Bevölkerung auf 13 Prozent senken bis 2030 (Ziel) an Personen in Haushalten, die mehr als 40% des verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben."

Insgesamt gibt es 40 Postulate und 66 Zielsetzungen inklusive Indikatoren.

Den aktuellen Status der Indikatoren analysiert regelmäßig das Statistische Bundesamt in seinen Indikatorenberichten zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland.
Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen vor allem vier Gremien mit jeweils unterschiedlichen Funktionen, die die sogenannte Architektur der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie bilden:

Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung fungiert dabei als zentrales Steuerungsorgan.
An der Aktualisierung der Strategie 2018 haben alle Ressorts im Rahmen des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung unter dem Vorsitz des Chef des Bundeskanzleramtes mitgewirkt. Eingeflossen sind zudem Stellungnahmen der Öffentlichkeit aus einer Online-Konsultation des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom Juni 2018. Hinzu kamen Stellungnahmen aus dem “Forum Nachhaltigkeit” im Juni 2018, zu dem das Kanzleramt jährlich wichtige Nachhaltigkeitsakteure einlädt.

Forschung zu den SDGs am IASS

Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 ist ein zentraler Ort der Wissenschaft, an dem sie mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fortlaufend drängende Fragen der Nachhaltigkeitspolitik reflektiert. Wissen für Nachhaltigkeit wird dort zusammengetragen und weitergetragen, insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.

Die Plattform arbeitet unabhängig und ist systematisch eingebunden in den offiziellen politischen Steuerungs-, Dialog und Umsetzungsprozess der Agenda 2030 – um wirksam agieren zu können. Die Plattform ist offen für alle Akteure, die Nachhaltigkeitspolitik durch Wissenschaft stärken wollen.

Das Global Sustainability Strategy Forum (GSSF) bringt in einer Reihe von einwöchigen Workshops renommierte Expertinnen und Experten für nachhaltige Entwicklung sowie Vordenkerinnen und Vordenker aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft aus aller Welt zusammen. Das GSSF erkennt die UN-Nachhaltigkeitsziele und die Agenda 2030 als bemerkenswerte Leistungen an. Es sieht jedoch auch eine Reihe komplexer Herausforderungen bei der Umsetzung der 17 Ziele und 169 Unterziele.

Das GSSF trägt zur Erforschung der Umsetzung der SDGs bei. Viele Institutionen und Gruppen haben Indikatoren für die Fortschritte bei der Umsetzung der Ziele und Vorgaben entwickelt, unter anderem die OECD (2017), die Initiative TWI2050 (2018) und das SDG Center for Africa (2019). Diese Indikatoren können jedoch nicht erkennen, ob sie konkreten sozialen und kulturellen Kontexten gerecht werden, warum Zielvorgaben nicht erreicht wurden und wie sich neu entstehende soziale Dynamiken auswirken. Insbesondere bieten sie keine Mittel, um widersprüchliche Werte zu lösen und ausgewogene Kompromisse einzugehen. Das sind Fragen, die das GSSF angehen will.

Photo: UK Department for International Development, CC BY-NC-ND 2.0