Overline: Einladung zum Symposium
Headline: Striking for Climate Justice?

Klimastreik in Berlin
Klimastreik in Berlin Shutterstock/Rolf G Wackenberg

Von Elias König, Christina Camier, David Fopp, Franziska Heinisch, Sophie Obinger und Payal Parekh

Wäre die Klimakrise allein mit guten Vorschlägen zu überwinden, so hätte es die Klimabewegung wohl nie gebraucht. Unzählbar geworden sind die in den letzten Jahren veröffentlichten Weltklimaberichte, Policy Recommendations, Green-Deal-Skizzen und Transformationsstrategien. Doch bei aller verbalen Eindringlichkeit scheinen diese Entwürfe dem fossilen Status quo bislang nur wenig abtrotzen zu können. Immer weiter steigen die atmosphärischen CO2-Werte an, immer katastrophaler lesen sich die Berichte von klimawandelbedingten Hitzewellen, Dürren, Sturzregen, Waldbränden und Pandemien. Die aktuelle Situation macht klar, dass in dieser Krise selbst die besten Ideen nicht viel wert sind, wenn die Politik sie nicht umsetzt. Die Zeit dafür ist knapp: Weltweit müssen die CO2-Emissionen bis 2030 um fast die Hälfte gegenüber 2019 sinken, um die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Dabei verursachen laut sechstem Weltklimabericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) die reichsten zehn Prozent der Privathaushalte zwischen 34 und 45 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Die ärmsten zehn Prozent der Weltbevölkerung tragen nur etwa drei bis fünf Prozent bei.

Für die Klimabewegung – die sich nach zwei Jahren pandemiebedingter „Quarantäne“ nun langsam wieder aufzurappeln scheint – stellt das eine ungeheure strategische Herausforderung dar. Denn sie ist der gesellschaftliche Akteur, der den dringend benötigten sozialen und ökologischen Umbau (wohl auch gegen den Widerstand verschiedener einflussreicher Interessensgruppen) gesellschaftlich durchsetzen muss. Trotz ihrer weiterhin beeindruckenden Mobilisierungsfähigkeit ist die Bewegung bis dato ihren eigenen Ansprüchen noch nicht gerecht geworden.

Vom Klimastreik zum Klimagerechtigkeitsstreik

Das wirft für Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen gleichermaßen wichtige Fragen auf: Welche Strategien und Taktiken sollte die Klimabewegung wählen? Wie soll es weitergehen mit den Klimastreiks? Wo steht die Bewegung für Klimagerechtigkeit nach den ersten Pandemiejahren – und wohin richtet sie sich aus? Wie zielgerichtet kann gemeinsames Streiken sein, wenn sich die Ziele vervielfältigen und manchmal schwer miteinander zu verbinden sind? Hat Klimagerechtigkeit für alle die gleiche Bedeutung – oder fühlen einige vor allem die Klimaungerechtigkeit stärker? Wir haben einige Stimmen von Aktivist*innen und Forschenden gesammelt, die sich auch an unserem Symposium „Striking For Climate Justice“ am 21. und 22. Oktober beteiligen werden.

Elias König, Fellow zum diesjährigen Schwerpunktthema Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit am IASS, beobachtet: „Insbesondere bei den Fridays-for-Future-Gruppen ist in letzter Zeit eine Art reparativer Turn zu beobachten. Verstärkt werden dabei Fragen globaler Gerechtigkeit, Kritik an kolonialen Machtverhältnissen und beispielsweise die Forderung nach Klimareparationen in den Vordergrund gerückt. Während sich die Bewegung rhetorisch bereits stark weiterentwickelt hat, gilt es nun, eine effektive politische Praxis zu entwickeln, die diesen Forderungen auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene Nachdruck verleihen kann.“

Was kommt als nächstes in der Klimagerechtigkeit?

Für den Wissenschaftler und Mitgründer der Scientists-for-Future-Bewegung David Fopp steht unter anderem die Frage nach dem Aufbau einer globalen Demokratie und der Demokratisierung der globalen Bewegungen im Vordergrund. Payal Parekh, Wissenschaftlerin und Klimaaktivistin, stellt sich die Frage: „Wie machen wir die Bewegung gleichzeitig breiter und tiefer, sprich: Eskalation?“

Franziska Heinisch, Klimaaktivistin und Mitbegründerin von Justice is Global, fügt hinzu: „Seien es die Entlastungskämpfe an den Krankenhäusern oder die anstehenden Auseinandersetzungen um mehr Lohn im Herbst und Winter: Die gewerkschaftlichen Streikbewegungen sind zurück. Und auch die Klimabewegung eignet sich diese Form, Konflikte zu führen, seit Jahren mit ihren Klimastreiks an. Jetzt ist es an der Zeit, diese Stränge zusammenzuführen – und eine gesellschaftliche Machtbasis für wirkliche Veränderung aufzubauen.“

Sophie Obinger von Kali Feminists betont: „Wir müssen uns den politischen Streik zurückerobern, um Wege aus dem Krisenkapitalismus zu finden. Eine feministische und klimagerechte Gesellschaft ist längst zur existenziellen Frage geworden."

Die Autorinnen und Autoren laden Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen herzlich ein, ins Gespräch zu kommen, auf dem Symposium „Striking For Climate Justice“, am 21. Oktober 2022, 15-18 Uhr (auf Englisch) und am 22. Oktober 2022, 13-18 Uhr (auf Deutsch) am IASS, Berliner Str. 130, 14467 Potsdam.  

Anmeldung unter: https://eveeno.com/strikingforclimatejustice
Programm unter: https://www.iass-potsdam.de/de/veranstaltungen/striking-climate-justice

Paneldiskussion: Gemeinsam Streiken, aber wie?

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