Headline: Klaus Töpfer nimmt Abschied: IASS als Plattform für Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft etabliert

IASS-Exekutivdirektor

Klaus Töpfer (c)IASS/Piero Chiussi/Agentur StandArt
Klaus Töpfer (c)IASS/Piero Chiussi/Agentur StandArt

Nach fast sechs Jahren an der Spitze des IASS hat Klaus Töpfer zum 30. September 2015 seine Amtszeit als Exekutivdirektor beendet. Bei seiner Abschiedsfeier mit den Mitarbeitern des Instituts bekräftigte Töpfer, dass es gelungen sei, das IASS als Ansprechpartner für ein breites Spektrum von aktuellen Themen nachhaltiger Entwicklung zu etablieren. Dabei habe das Institut neue Wege an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik beschritten und kluge Köpfe aus aller Welt gewonnen. Der Wissenschaftliche Direktor Mark Lawrence unterstrich bei seiner Dankesrede seine Hoffnung, auch in Zukunft weiter gemeinschaftlich mit dem IASS-Gründungsdirektor für die Agenda nachhaltiger Entwicklung zu arbeiten. „Keiner auf der Welt hat die Fahne für die Nachhaltigkeit so hochgehalten wie Klaus Töpfer - und wir können sehr sicher sein, dass in den nächsten Jahren weitere großartige Beiträge von ihm kommen werden“, sagte Lawrence.

Klaus Töpfer hat die Entwicklung des IASS, das von dem Nobelpreisträger-Symposium „Global Sustainability – A Nobel Cause“ initiiert wurde, von Anfang an begleitet: 2009 wurde er zum Gründungs- und Exekutivdirektor ernannt, ein Amt, das er formal im Januar 2010 antrat. Als frühen Erfolg beim Aufbau des neuen Instituts konnte er den Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia als Wissenschaftlichen Direktor des IASS gewinnen, sowie später den Atmosphärenforscher Mark Lawrence als zweiten Wissenschaftlichen Direktor.

Von seinen Mitarbeitern bekam Klaus Töpfer zum Abschied eine Patenschaft für einen Rebstock am Potsdamer Winzerberg geschenkt. (c) IASS/Corina Weber
Von seinen Mitarbeitern bekam Klaus Töpfer zum Abschied eine Patenschaft für einen Rebstock am Potsdamer Winzerberg geschenkt. (c) IASS/Corina Weber

Klaus Töpfer studierte Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und Münster. Von 1978 bis 1979 war er Professor und Direktor des Instituts für Raumforschung und Landesplanung an der Universität Hannover. Von 1987 bis 1994 war Töpfer Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, von 1994 bis 1998 Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Von 1998 bis 2006 war er Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi und Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Unter Töpfers Leitung wuchs das IASS in nur wenigen Jahren auf rund 150 Mitarbeiter aus 40 Ländern an und machte sich mit seinen neuartigen Ansätzen der Zusammenarbeit von Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft national und international einen Namen. Im Rahmen der Forschungsarbeiten werden alle Formen des verfügbaren Wissens in die Entwicklung von Lösungsansätzen einbezogen. In der Umsetzung transdisziplinärer Forschungsprojekte hat das IASS seinem Gründungsauftrag entsprochen, vorhandenes Wissen für die Lösung von Nachhaltigkeitsherausforderungen zu entwickeln und in die Praxis von Politik und Wirtschaft zu transferieren.

Weithin sichtbar und viel diskutiert sind die Arbeiten des IASS zur Energiewende. Die Energiewende entwickelte sich faktisch zeitgleich mit der Etablierung des IASS. Dadurch bot sich eine einmalige Chance, das Wirken des eigenen Ansatzes mitten in einem realen Transformationsprozess zu erproben und diesen zugleich als wissensbasierter Akteur aktiv zu begleiten. Bei der Forschung zur Energiewende konnte am IASS durch die Verbindung mit der exzellenten Energietechnikforschung Carlo Rubbias eine einzigartige Expertise aufgebaut werden, die nicht zuletzt für die internationale Wahrnehmung deutscher Energieforschung und -politik entscheidend war.

Mit seiner Arbeit zu der Ressource Boden ist es dem IASS in kurzer Zeit gelungen, auf die Bedrohung dieser in menschlichen Dimensionen nicht erneuerbaren, lebenswichtigen Ressource aufmerksam zu machen und zusammen mit Partnern aus der Wissenschaft sowie Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft an ihrem verbesserten Schutz zu arbeiten. Auch für eine bessere Governance der Ozeane, die stärkere Einbeziehung kultureller Dimensionen der Nachhaltigkeit und die Erschließung von finanzmarktpolitischen Fragen als genuinen Nachhaltigkeitsherausforderungen wurden Brücken vom Wissen zum Handeln geschlagen.

Ab Oktober 2015 übernimmt der bisherige Wissenschaftliche Direktor Mark Lawrence die Geschäftsführung des IASS. Im Februar 2016 tritt der Risikoforscher Ortwin Renn als erster von zwei neuen Wissenschaftlichen Direktoren am IASS sein Amt an. Renn ist derzeit Professor für Umwelt- und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart. Er wird insbesondere den strategischen Dialog an der Schnittstelle Wissenschaft und Politik fortsetzen, der durch Klaus Töpfer zu einem Wesensmerkmal des IASS geworden ist. Ihm liegt vor allem an einer evidenz-basierten Politik- und Gesellschaftsberatung. Das Dreierteam der wissenschaftlichen Direktoren soll dann ab Sommer 2016 mit einer gemeinsamen Berufung für die dritte Direktionsstelle in Kooperation mit der Universität Potsdam abgeschlossen sein.

Klaus Töpfer wird als Gründungsdirektor und leidenschaftlicher Wegbereiter des IASS dem Institut verbunden bleiben. Seine Mitarbeiter hat er als Vorgesetzter, Kollege und als Mensch tief beeindruckt. Sein lebenslanges persönliches und berufliches Engagement für bessere Optionen für die Realisierung von nachhaltigen Entwicklungen, seine Authentizität in seinem Einsatz für die Sache und die hohe Anerkennung über Kulturkreise hinweg, verbunden mit seiner nicht zu stillenden intellektuellen Neugier bezüglich der Herausforderungen von morgen, sind einzigartig. In seinen abschließenden Worten forderte er die IASS-Mitarbeiter auf, „mit der gleichen Energie und dem gleichen Engagement auch in Zukunft für Nachhaltigkeit durch das IASS zu wirken“.

Im Rahmen eines Festsymposiums in Berlin am Abend des 11. November 2015 wird die Aufbauarbeit Klaus Töpfers für das IASS von Bundesministerin Johanna Wanka und der brandenburgischen Wissenschaftsministerin Sabine Kunst sowie hochrangigen Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft offiziell gewürdigt.

Bei Interesse an einer Teilnahme an dem Symposium für Klaus Töpfer wenden Sie sich bitte an Aneta Galek: aneta.galek@iass-potsdam.de