Headline: Energiewende nachhaltig gestalten: Leitfaden einer multikriteriellen Bewertung

Ein gewachsenes Stromnetz zu einem nachhaltigen Energiesystem umzugestalten – das ist zugleich Aufgabe und Chance der Energiewende. Soll das gelingen, brauchen wir Kriterien, die Nachhaltigkeit definieren und gesellschaftliche Werte und Prioritäten reflektieren. Im Kopernikus-Projekt „Energiewende-Navigationssystem | ENavi“ hat ein Forscherteam solche Kriterien entwickelt. Sie integrieren  die vielfältigen Perspektiven– ein multikriterielles Bewertungsset ist entstanden.

ENavi Multikriterieller Bewertungsansatz
IASS/Kopernikus-Projekt ENavi

Zusammengefasst sind die komplexen Untersuchungen in der  Broschüre „Multikriterieller Bewertungsansatz für eine nachhaltige Energiewende: Von der Analyse zur Entscheidungsfindung mit ENavi“, in der die einzelnen Kriterien leicht verständlich erläutert werden. Der nutzerfreundliche Leitfaden bietet eine solide Grundlage für energiepolitische Diskussionen. Der ausführliche Projektbericht „Multikriterieller Bewertungsansatz für eine nachhaltige Energiewende: Von der Analyse zur Entscheidungsfindung mit ENavi“ ist bereits im August 2018 erschienen und stellt den Bewertungsansatz detailliert vor, inklusive einzelner Unterkriterien.

„Das Besondere an diesen Kriterien ist, dass sie in Zusammenarbeit mit Akteuren aus Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt wurden. Das schafft eine gemeinsame Basis für den gesellschaftlichen Diskurs“, erläutert Dr. Rainer Quitzow, ENavi-Forscher am Institute for Advanced Sustainibility Studies. Das Kriterienset ist Bestandteil des transdisziplinären Forschungsansatzes von ENavi, der die Gesellschaft aktiv beteiligt.

Ohne politische Eingriffe ist der Transformationsprozess des Energiesystems kaum vorstellbar. Jede Intervention geht mit neuen und oft unerwarteten Wirkungen einher. Diese frühzeitig zu erkennen,  ihre Größenordnungen abzuschätzen und zu bewerten, das ist ein wichtiges Ziel von ENavi. Das Bewertungsset soll helfen, mögliche Stärken und Schwächen von Maßnahmen in der Energie- und Klimapolitik systematisch zu erfassen, damit alternative Handlungsoptionen vergleichbar werden. Mögliche Zielkonflikte sind auf diese Weise frühzeitig zu erkennen, Alternativen lassen sich aufzeigen.

Die Bewertungskriterien orientieren sich an den definierten Klima- und Energiewendezielen der Bundesregierung. Zehn Kriterien aus allen gesellschaftlichen Lebensbereichen beleuchten die vielfältigen Aspekte von Nachhaltigkeit. Sie gliedern sich in drei Bereiche:

  • zentrale Zieldimensionen, die nahe am klassischen „Zieldreieck“ der Energie- und Klimapolitik angesiedelt sind (Effektivität, Kosteneffizienz und Gesamtkosten sowie Resilienz als einer weiter gefassten Form der Versorgungssicherheit)
  • Bereiche, die ebenfalls von Energie- und Klimapolitik betroffen sind, in denen die Konsequenzen jedoch in der Regel als „Nebenwirkungen“ dieser Politik interpretiert werden (wirtschaftliche Planungssicherheit und Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt, Schutz der menschlichen Gesundheit, Umwelt- und Ressourcenschonung, Förderung des sozialen Zusammenhalts)
  • Kriterien, in denen die Vereinbarkeit der Maßnahmen mit rechtlichen, politischen und ethischen Normen und Orientierungen geprüft wird (Legitimität, Ethische Akzeptabilität, Legalität).

Das Energiewende-Navigationssystem | ENavi ist eines der vier Kopernikus-Projekte, die das Bundesforschungsministerium seit 2016 zur Erforschung der Energiewende fördert. ENavi betrachtet die Transformation des Energiesystems als einen gesamtgesellschaftlichen Prozess und verknüpft wissenschaftliche Analysen mit politisch-gesellschaftlichen Anforderungen.

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