Headline: Covid-19: Was für Ungeimpfte auf dem Spiel steht!

Es gibt keinen rationalen Grund, sich nicht impfen zu lassen.
Es gibt keinen rationalen Grund, sich nicht impfen zu lassen. Shutterstock/Viacheslav Lopatin

Weihnachten 2020 war die Hoffnung groß, dass die Pandemie ihren Schrecken verlieren werde, sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht. Weihnachten 2021 zeigt sich, dass diese Hoffnung verfrüht war. Etwa 20 Prozent der deutschen Bevölkerung haben sich gegen eine Impfung entschieden. Statt „Deutschland sucht den Impfpass“ heißt es „Deutschland streitet übers Impfen“.

Warum eine nicht unerhebliche Minderheit glaubt, dass sie durch den Impfstoff stärker gefährdet sei als durch die Krankheit selbst und sich nicht impfen lässt, ist – nicht nur – für Risikoforscher rätselhaft.

Um den großen Nutzen der Impfung deutlich zu machen, stellen wir folgendes Gedankenexperiment an. Nehmen wir an, Sie würden aufgefordert, bei einer Partie Russisch Roulette mitzuspielen, allerdings mit etwas angepassten Regeln. Der Spielleiter gibt uns die Wahl zwischen zwei Varianten:

  • Variante A: Ein Trommelrevolver mit einer Patrone, die anderen fünf Patronenkammern bleiben leer.
  • Variante B: Ein Trommelrevolver mit drei Patronen, die restlichen drei Patronenkammern bleiben leer.

Dazu gibt er uns eine weitere wichtige Information:  Er hat nämlich in die Patronenschachtel mit den tödlichen Patronen zufällig Platzpatronen oder Patronen mit geringer Einschlagkraft gemischt. Bei der Variante A, dem Revolver mit der einen Patrone, sind mindestens 30-mal so viele Platzpatronen und Patronen mit geringer Schlagkraft in der Schachtel wie bei der Variante B, dem Revolver mit drei Patronen. Das heißt: Wählt man Variante A, dann ist die Wahrscheinlichkeit, überhaupt getroffen zu werden, rund dreimal geringer als bei der zweiten Option und gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Verwundung oder sogar den Tod zu erleiden, rund 30-mal geringer als bei der Variante B.

Alles spricht also für die Variante A. Natürlich kann es vorkommen, dass jemand, der die Variante A wählt, tot auf der Bühne zusammenbricht; denn es besteht immer die Möglichkeit, dass der weniger wahrscheinliche, aber nicht auszuschließende tödliche Ausgang eintritt. Umgekehrt ist es auch möglich, dass jemand, der Variante B gewählt hat, mit heiler Haut davonkommt; denn nicht jeder, der sich zur Variante B entschlossen hat, wird tödlich getroffen. Dennoch ist eines klar: Wem sein eigenes Leben lieb ist, wird sich bei klarem Verstand für die Variante A aussprechen, auch wenn es in Einzelfällen schlecht ausgehen könnte.

Was hier als Gedankenexperiment geschildert ist, spielt sich in der Realität in der aktuellen Corona-Krise gerade in Deutschland ab. Der Spielleiter ist das Covid-19-Virus, das die beiden Bedrohungsszenarien von Revolver A und B in Gang setzt. Revolver A bedroht Menschen, die vollständig geimpft sind; Revolver B Menschen, die nicht geimpft sind. Der Unterschied zwischen Russisch Roulette und dem Virus-Roulette besteht lediglich darin, dass man sich dem Virus außer bei vollständiger Isolation nicht entziehen kann, man also mitspielen muss. Zudem ist die Chance, vom Virus angesteckt zu werden, nicht 1:6 wie beim Revolver. Bislang haben sich in Deutschland rund 6,42 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, daraus ergibt sich für den bisherigen Zeitraum der Pandemie eine Chance von rund 1:13. Je länger das Virus noch wütet, desto mehr Menschen werden aber infiziert. Damit verschlechtert sich auch das Verhältnis von Infizierten und Nicht-Infizierten. Aber die Relationen sind genauso wie in dem Gedankenexperiment: Geimpfte haben eine rund dreimal höhere Chance, erst gar nicht infiziert zu werden. Und dann noch eine rund 30-mal höhere Chance, dass die Krankheit symptomlos oder harmlos verläuft.

In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts 80,1 Prozent der Menschen über 18 Jahre vollständig geimpft. Warum lassen sich immer noch rund 20 Prozent nicht impfen? Vergegenwärtigt man sich die Aussichten für ein Überleben in dem Virus-Roulette, dann kann es nicht daran liegen, dass die Impfung keinen oder zu wenig Schutz bietet. Darüber hinaus hilft die Impfung auch den anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, denn wenn man selbst besser geschützt ist (und zwar mindestens dreimal mehr als ungeimpft), dann gibt man auch seltener den Revolver weiter, d.h. Geimpfte infizieren seltener andere Menschen als Ungeimpfte (durch tägliche Tests lässt sich das Ansteckungsrisiko für beide Gruppen weiter reduzieren). Eine Studie des nationalen Gesundheitsinstituts in den Niederlanden kommt zu dem Schluss, dass voll immunisierte Menschen, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet sind, das Virus 63 Prozent weniger oft an ihre Haushaltsmitglieder übertragen als Ungeimpfte, die positiv auf Covid-19 getestet wurden.

Hier kommt meist der Einwand, dass die Impfung ja Nebenwirkungen habe. Um in unserem Bild zu bleiben: Bei Revolver A muss man eine Treppe hochsteigen, um den Revolver in Empfang zu nehmen. Dabei kann man stolpern und sich das Knie aufschlagen. In sehr seltenen Fällen kann man sehr unglücklich fallen und sich das Genick brechen. Verharmlost dieses Bild die Nebenwirkungen? Keinesfalls! Inzwischen sind die Nebenwirkungen beim Impfen gut bekannt; denn eine stattliche Anzahl von 3,3 Milliarden Menschen sind zum Stichtag 12. Dezember weltweit vollständig geimpft. Bei einer so riesigen Anzahl von Personen ist es schier unmöglich, dass eine ungewöhnliche oder auch seltene Nebenwirkung bisher nicht erkannt wurde.

Weltweit werden nationale Register mit den Nebenwirkungen geführt, in den Niederlanden und UK besonders intensiv. Dabei stellt sich heraus, dass es rund zwei schwerwiegende Reaktionen pro 10.000 Impfungen gibt. In Deutschland haben nach Auskunft des Paul Ehrlich Instituts rund 1800 Menschen durch Nebenwirkungen der Impfungen ihr Leben verloren, und das bei insgesamt 107 Millionen Impfungen (Erst-, Zweit- und Drittimpfungen). Umgerechnet entspricht dies einer Rate von rund 3 Todesfällen auf 100.000 geimpfte Personen (57,8 Millionen Menschen sind in Deutschland vollständig geimpft). Dazu im Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu versterben, liegt in Deutschland (bis jetzt) bei rund 130 pro 100.000. Also mehr als 40-mal höher! Diese Zahl variiert natürlich je nach Altersgruppe und Vorerkrankung. Aber selbst bei gesunden jungen Menschen ist die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken und schwerwiegende Folgen zu erleiden, wesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit, eine entsprechend schwerwiegende Nebenwirkung durch die Impfung zu erleiden.

Auch der Einwand, dass es noch unbekannte, erst langfristig wirksame Nebenwirkungen gibt, die sich erst viel später zeigen werden, ist unbegründet. Zum einen müsste es dazu nach rund anderthalb Jahren Impfungen bereits erste Anzeichen geben; zum anderen sind Langzeitfolgen von Impfungen, deren Vorboten nicht gleich zu erkennen sind, extrem selten und bei den neuen RNA-Wirkstoffen noch weniger zu erwarten als bei den herkömmlichen Impfstoffen. Nach wenigen Tagen und Wochen sind die Impfstoffe komplett abgebaut und nicht mehr im Körper vorhanden. Zurück zum Bild der Treppe: Pro Jahr sterben rund 10.000 Menschen in Deutschland aufgrund von Stürzen, wie viele davon auf Treppenstürzen zurückzuführen sind, ist nicht bekannt, aber sicher mehr als die 1800 Toten durch die Nebenwirkung der Impfstoffe.

Egal wie man es dreht und wendet, die Statistik ist bei der Impfung gegen Covid-19 eindeutig: Man schützt sich selber, aber auch andere wesentlich mehr, wenn man geimpft ist, und man muss auch nicht mit schwerwiegenden Nebenfolgen rechnen, wenn man sich impfen lässt. Kurzum: Es gibt keinen rationalen Grund, sich nicht impfen zu lassen.

Kommentare

Katharina Zöller am 02.02.2022 - 08:52

Danke für diesen guten Text. Ich habe auch viele Bekannte, die sich nicht impfen lassen wollen, durchaus gebildete und wache, interessierte Menschen. Wo ich aber mit meiner Argumentation am Ende bin, ist bei den Grenzen von Forschung. Die Impfung wirkt ja auf das System Mensch, nicht nur auf das Immunsystem, sondern auch auf das System der Grundregulation, das schlicht nicht beforschbar ist. Wenn jemand über einen längeren Zeitraum nach der Impfung Symptome merkt, die für ihn/sie ungewöhnlich sind, kann das unmöglich auf die Impfung zurückgeführt werden und jede Ärztin wird das unter "psychosomatisch" abwiegeln. Meiner Erfahrung nach haben diejenigen, die Angst vor mittelfristigen Nebenwirkungen der Impfung haben, Angst vor genau diesen unbeforschbaren, unspezifischen möglichen Impf-Nebenwirkungen.
Ein weiteres Impf-Gegenargument ist, das auch mir einleuchtet, ist, dass eine durchgemachte Erkrankung (natürlich immer mit dem Risiko eines schweren Verlaufs) das Immunsystem auf "natürliche" Weise zu einer viel breiteren und nachhaltigeren Immunantwort anregt als die sehr kurzlebige Immunantwort auf den Impfstoff. Es wäre schön, hier noch Argumente zu bekommen! Herzlichen Dank.

Erkus Bündlin am 05.02.2022 - 22:02

Der Autor zitiert die verlinkten Studien falsch. In den Niederlanden beträgt die Differenz der Virusweitergabe bei Geimpften 40% gegenüber 63% bei nicht Geimpften, macht eine Risikoreduktion von 23% zeitnah nach Impfung. Das deutlich schnellere waning des IgA bereits nach 3 Monaten, führt zu einem lediglich als gering bewerteten Übertragungsschutz - daher gibt es auch keine EMA-Zulassung für die Reduzierung der Transmission. Das ist aktuell wissenschaftlicher STANDARD! Siehe RKI Wochenbericht KW 52 bis 03 sowie überarbeitete RKI-FAQ zum Übertragungsschutz bei Omikron vom 20.01.2022. Es infizieren sich relativ mehr Geimpfte mit Omikron als nicht Geimpfte - bekannt als Antigen-Sünde. Die Nebenwirkungen sind 30 mal höher, als alle anderen Impfungen zusammen. Leider verspielt das IASS mit solchen Beiträgen ebenfalls seine Glaubwürdigkeit.

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