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Headline: „Krisen legen offen, wo Nachholbedarf besteht“: Umfrage zur künftigen CCU-Forschung

Umfrage zu CO2-Nutzungstechnlogien
CO2-Nutzungstechnologien zielen darauf ab, Kohlendioxid als nachhaltigen Rohstoff für die Industrie zu nutzen. Shutterstock/ rawpixel

Wirkt sich die Corona-Krise auf die Forschung und Entwicklung nachhaltiger Technologien aus? Wir haben bei wissenschaftlichen Projektleiterinnen und -leitern der Fördermaßnahme CO2WIN  nachgefragt.

Die Covid-19-Krise prägt unser Leben und Arbeiten in vielerlei Hinsicht. Inwiefern die weitere Entwicklung nachhaltiger Technologien, wie zum Beispiel CO2-Nutzungstechnologien, davon beeinflusst sein wird, ist ungewiss. Expertinnen und Experten mahnen Entscheidungsträger, bei der Verteilung von Aufbauhilfen einen deutlichen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit zu setzen. Gleichzeitig muss aber auch davon ausgegangen werden, dass öffentliche Budgets nach der Krise schrumpfen.

Wie schätzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Situation ein? Rechnen sie mit Veränderungen bei der Erforschung und Entwicklung nachhaltiger Technologien? Werden sich thematische Schwerpunkte verändern? Wird sich die Rolle von CO2-Nutzungstechnologien ändern in einer Welt, die Bekanntschaft mit unterbrochenen Lieferketten und mit harten nationalen Grenzen für die eigene Versorgung machte? Wir haben bei den wissenschaftlichen Projektleiterinnen und Projektleitern der Forschungsprojekte in der Fördermaßnahme CO2WIN nachgefragt, mit der das Bundesministerium für Bildung und Forschung aktuell die Entwicklung von CO2-Nutzungstechnologien unterstützt.

Forschende erwarten Veränderungen durch Covid-19

Mit 11 von 13 ist der überwiegende Teil der Befragten der Meinung, dass die Covid-19-Krise die wissenschaftliche Untersuchung und Entwicklung von nachhaltigen Technologien verändern wird.
Mit schrumpfenden Budgets rechnen etwas über die Hälfte der Befragten: Sie erwarten, dass in naher Zukunft weniger Mittel für ihr Arbeitsfeld zur Verfügung stehen werden. Als Hauptgrund hierfür sehen sie eine krisenbedingte Umverteilung: „Öffentliche Gelder werden momentan möglicherweise dringender für medizinische Forschungen benötigt“ oder „Für zahlreiche Wirtschaftssubventionen (welche notwendig sind!) müssen an anderen Stellen Einschränkungen gemacht werden“ oder „Viele Hilfspakete/-gelder fließen in andere Projekte und Technologien“. Auch mit einer Kürzung der Forschungs- und Entwicklungsbudgets aus der Industrie wird gerechnet: „Industriemittel werden aufgrund der wirtschaftlichen Krise gekürzt oder fallen weg.“ In der Industrie könnten sich die Prioritäten verschieben, zum Beispiel hin zu „Arbeitsplatzsicherung in traditionellen Bereichen“.

Jedoch: „Die Krise schärft den Blick fürs Wesentliche.“ Folglich sehen rund ein Drittel der Befragten auch wachsende Budgets als eine der möglichen Konsequenzen der Corona-Pandemie. „Es wird für alle möglichen Anwendungen noch stärker auf Automatisierung und Digitalisierung, Systemsicherheit und -robustheit geachtet, bzw. diese Aspekte [werden] zusätzlich betrachtet. Nachhaltige Technologien sollten grundsätzlich vorangetrieben werden, wobei Krisen wie Covid-19 lediglich offenlegen, wo noch Nachholbedarf besteht.“

Nach der Krise ist vor der Krise: In Sachen Klimawandel stimmt das laut Befragung

„Die Energiewende mit Power-to-X muss umgesetzt werden!“: Die großen Probleme aus der Zeit vor der Krise sind nicht verschwunden und erfordern nach wie vor konsequentes Handeln, ebenso wie die Investition in die Entwicklung nachhaltiger Technologien. „Die Kohlendioxidwerte werden rasch wieder ansteigen, wenn sich die normale Wirtschaftstätigkeit wieder erholt. Nur langfristige systemische Reduzierungen werden den Verlauf der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre nachhaltig verändern.“ Die Befragten scheinen den bisher eingeschlagenen Weg in der Forschung und Entwicklung nachhaltiger Technologien als richtig zu erachten: Mit einer Veränderung im Fokus der geförderten Forschung in diesem Bereich rechnet keine/r der Befragten.

Die Einschätzungen zu gesellschaftlichen Zustimmung und Rahmenbedingungen gehen in alle Richtungen
Bei der Frage, inwiefern sich die Corona-Pandemie auf die gesellschaftliche Zustimmung zur Förderung und Implementierung nachhaltiger Technologien auswirkt, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage uneins. Rund die Hälfte rechnet mit steigender Zustimmung, während jeweils ein Viertel eine gleichbleibende oder eine sinkende Zustimmung in der Gesellschaft prognostiziert. Alle Befragten gaben keine Gründe für ihre Einschätzung an, sodass bestenfalls vermutet werden kann, warum die Meinungen in dieser Frage auseinandergehen.

Gefragt nach möglichen Veränderungen der äußeren Parameter für nachhaltige Technologien, wie z.B. die Energiewende oder den Emissionshandel, durch die Covid-19-Krise, geht mit sieben Befragten zwar die Mehrzahl von gleichbleibenden Bedingungen aus. Sechs Befragte sehen die Entwicklung von nachhaltigen Technologien jedoch in Zukunft sich verändernden Rahmenbedingungen ganz unterschiedlicher Art ausgesetzt. Auch hier spielt in der Argumentation wieder die Umverteilung von Mitteln eine Rolle: „Wirtschaft wird gegenüber Ökologie bevorzugt“ oder „Green Deal steht nicht alleine im Fokus und muss Investitionen teilen“. Aufgrund der Krise könnten außerdem „die Firmen keine größeren Investitionen tätigen, um Innovationen voran zu treiben“. Als weitere Veränderungen werden „mehr Nationalismus“ und „Emissionshandel oder-steuern“ benannt, ebenso wie eine mögliche Verstärkung der Forschungsaktivitäten in bestimmten Bereichen: „Ausbau der Power-to-X-Technologien, Ausbau der E-Mobilität, Aufbau bzw. Ausbau der grünen Wasserstofftechnologie.“

Steigende Bedeutung für CO2-Nutzungstechnologien in zukünftigem Wirtschafts- und Energiesystem?

Welche Rolle CO2-Nutzungstechnologien in einem zukünftigen Wirtschafts- und Energiesystem spielen werden, ist noch ungewiss und hängt neben Entwicklungsaspekten auch von politischer Unterstützung und von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Welche Rolle könnte hierbei die Covid-19-Pandemie spielen? Fünf Befragte sind der Ansicht, dass nach der Pandemie die Bedeutung solcher Technologien in einem veränderten Wirtschafts- und Energiesystem eine wichtigere Rolle spielen wird, da die „Notwendigkeit der Integration aller Wirtschafts- und Energiezweige in eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft steigt“, „die Energiewende dringend umgesetzt werden muss“ und durch diese „dezentrale Klimaschutzkonzepte möglich“ seien.

Die Corona-Pandemie könnte Erkenntnisse ausgelöst oder intensiviert haben, zum Beispiel dass „gesellschaftliches Interesse besteht, die durch Covid-19 reduzierten Emissionswerte beizubehalten“, oder dass „man erkannt hat, dass man die Wirtschaftssystem runterfahren kann und es positive Auswirkungen auf die Umwelt hat. Jetzt muss nur in die richtigen Kanäle investiert werden (Green Deal).“ Fast zwei Drittel der Befragten rechnen mit keiner Veränderung in der Bedeutung von CO2-Nutzungstechnologien.

Mit einem „Brain Drain“ muss das Forschungsfeld CO2-Nutzungstechnologien nach Corona jedenfalls nicht rechnen: Nur eine Person gab an, über eine Veränderung des beruflichen Schwerpunkts nachzudenken.  

 

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