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Headline: Nothilfe: Transformatives Potenzial dezentraler erneuerbarer Energien ausschöpfen

Die netzunabhängige Solarenergie ist ein Schlüsselfaktor bei der Bewältigung gesundheitlicher Krisenfälle im globalen Süden und für eine nachhaltige Wiederbelebung.
Die netzunabhängige Solarenergie ist ein Schlüsselfaktor bei der Bewältigung gesundheitlicher Krisenfälle im globalen Süden und für eine nachhaltige Wiederbelebung. Shutterstock/greenaperture

Wie wichtig Elektrizität in Zeiten von Notfällen ist, wurde während der Covid-19-Pandemie deutlich. Elektrizität ist unentbehrlich für Gesundheitseinrichtungen und       -dienste, die rechtzeitige Informationsverbreitung und ungestörte Kommunikation während der sozialen Isolationszeit. Der Zugang zu Elektrizität erleichtert wichtige Arbeiten im Haushalt und das Einhalten grundlegender Hygieneempfehlungen. Die Pandemie hat daher an die Verletzlichkeit der 860 Millionen Menschen erinnert, die keinen Zugang zu Elektrizität haben und von denen die meisten im Afrika südlich der Sahara leben.

In den vergangenen Monaten gab es viele Appelle aus der Entwicklungsgemeinschaft, bei der Reaktion auf die Pandemie dem Zugang zu Elektrizität und Energie Vorrang einzuräumen. Diese Appelle haben oft die wichtige Rolle betont, die der dezentralisierte Sektor der erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung der Bevölkerung außerhalb des Stromnetzes mit erheblichen Umweltvorteilen spielen kann. Tatsächlich wurde eine Reihe von Initiativen der Weltbank, von Sustainable Energy for All, Power Africa/USAID und anderen ins Leben gerufen, um dezentralisierte erneuerbarer Energie zur Elektrifizierung von Gesundheitseinrichtungen zu fördern. Aber auch dezentralisierte Unternehmen für erneuerbare Energien und ihre Kunden zu unterstützen, die derzeit aufgrund der Pandemie vor ernsthaften Herausforderungen stehen. Darüber hinaus haben eine Reihe von Regierungen, darunter Kenia, Indien und Nigeria, netzunabhängige erneuerbare Energien zu einer wesentlichen Dienstleistung erklärt. Auch wenn in den kommenden Monaten mehr Unterstützung erforderlich sein wird, ist dies bereits eine bedeutende Entwicklung.

Es ist ermutigend zu sehen, dass der dezentralisierte Sektor der erneuerbaren Energien zunehmend als Schlüsselakteur bei den Bemühungen anerkannt wird, den Energiebedarf kritischer Infrastrukturen und Gemeinschaften in Notfällen zu decken. Die Einbeziehung dieses Sektors in die Nothilfe kann langfristige Auswirkungen haben und den Ländern helfen, eine nachhaltige Erholung zu erreichen, ihre Ziele für den Energiezugang in den kommenden Jahren zu erreichen und widerstandsfähiger gegen künftige Epidemien und andere Naturkatastrophen zu werden. Um eine transformative Wirkung zu erzielen, reicht es nicht aus, die notwendige finanzielle Hilfe und staatliche Unterstützung zu sichern. Die Interventionen müssen auch so gestaltet werden, dass sie langfristig nachhaltig sind.

Hindernisse für die langfristige Nachhaltigkeit

Ein häufiges Problem, das bei der Reaktion auf Notsituationen auftritt, ist die Spannung zwischen marktgeführten und humanitären Bemühungen, zwischen den kurzfristigen Zielen der Nothilfe und langfristigen Zielen der Entwicklung. Dieser Zielkonflikt gilt auch, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, um den dringenden Elektrizitätsbedarf im Notfall zu decken. Beispielsweise werden in vielen humanitären Situationen nicht nachhaltige Lösungen wie Generatoren häufig netzunabhängigen erneuerbaren Energielösungen vorgezogen, da letztere hohe Vorlaufkosten und oft längere Installationszeiten erfordern.

Und selbst wenn netzunabhängige erneuerbare Energielösungen gewählt werden, ist der Erfolg nicht automatisch garantiert. Im Gegenteil: Erneuerbare Off-Grid-Projekte sind keineswegs vorm Scheitern gefeit. Zu den potenziellen Problemen gehören: Technologieversagen, schlechte Systemwartung, mangelnde Verfügbarkeit von Ersatz, schlecht konzipierte Systeme, die den Bedürfnissen der Nutzer nicht gerecht werden, und schlecht konzipierte Tarife, die die Betriebskosten nicht decken oder die finanziellen Zwänge der Nutzer nicht berücksichtigen. Eine sorgfältige Planung und eine profunde Kenntnis des lokalen Kontexts sind erforderlich, um diese Probleme anzugehen. Im Falle von Notfallmaßnahmen ist es verlockend, Systeme auszuhändigen, ohne die langfristigen Auswirkungen sorgfältig zu berücksichtigen. Doch dadurch werden die oben genannten Probleme nur noch verschärft, der Ruf des dezentralisierten Sektors der erneuerbaren Energien untergraben und die transformativen Auswirkungen der Reaktion begrenzt.

Obwohl es nicht immer möglich ist, widersprüchliche Prioritäten miteinander in Einklang zu bringen, gibt es wirksame Möglichkeiten, langfristige Nachhaltigkeitsüberlegungen einzubeziehen.

Einbindung des lokalen dezentralisierten Sektors für erneuerbare Energien

Den lokalen dezentralen Sektor für erneuerbare Energien einzubeziehen, beschleunigt den Installationsprozess. Dies ist der effektivste Weg, den lokalen dezentralen Sektor für erneuerbare Energien in einer kritischen Zeit zu unterstützen. Darüber hinaus können sich die Erfahrung, das Wissen und die Netzwerke lokaler Unternehmen als unschätzbar wertvoll für die Gestaltung nachhaltiger Interventionen erweisen. Schließlich können die Ressourcen des lokalen dezentralisierten Sektors für erneuerbare Energien ebenso für andere Aspekte der Reaktion genutzt werden wie etwa den Informationsaustausch, Warentransport und die Datenerfassung.

In Fällen, in denen der lokale dezentralisierte Sektor für erneuerbare Energien im Notfall nicht in der Lage ist, den dringenden Bedarf zu decken, können importierte vorgefertigte Lösungen eine gangbare Alternative sein. Eine andere Möglichkeit ist die Installation von Generatoren als Notfallmaßnahme und deren spätere Umwandlung in Solar-Hybrid-Systeme. In jedem Fall sollten die gewählten Systeme international anerkannten Qualitätsstandards entsprechen.

Die Notwendigkeit langfristiger Strategien

Wichtig ist eine langfristige Strategie für den Einsatz installierter Systeme, einschließlich solcher, unterstützend zur vorübergehenden Notfall-Infrastruktur installiert wurden. Solche Systeme können später umgestaltet werden, um Gemeinden oder lokalen Industrie zu dienen. Das Profil potenzieller Kunden sollte daher bei der Standortwahl berücksichtigt werden.

Bei allen Interventionen sollten die allgemeinen Leitlinien für bewährte Praktiken befolgt werden. Dazu gehören Benutzerschulungen, Beratung von Interessengruppen, Garantien und Kundendienstoptionen. Dazu gehört auch die sorgfältige Gestaltung von Tarifen, Verwaltungssystemen und Liefermodellen, um eine effektive Systemwartung und Einnahmeerhebung zu gewährleisten.

Rechtzeitiger Zugang zu Informationen

Um den dezentralisierten Sektor der erneuerbaren Energien in die Nothilfe einzubeziehen und langfristig nachhaltige Projekte zu gewährleisten, ist es wichtig, den Energiebedarf kritischer Infrastrukturen und Gemeinden sowie das Potenzial für die Entwicklung erneuerbarer Energien zu ermitteln. Sozioökonomische Informationen und Daten über die laufenden Energieausgaben werden ebenfalls benötigt, um nachfrageorientierte Ansätze zu entwerfen. All diese Informationen zu beschaffen, ist nicht einfach und erfordert detaillierte Bedarfsanalysen, die kostspielig und zeitaufwändig sein können.

Eine Lösung besteht darin, die Daten von Erdbeobachtungssatelliten mit anderen Daten aus verschiedenen Quellen etwa Drohnen, GPS-Tracker, mobile Geräte und Vermessungen zu kombinieren, um relevante Energieinformationen wie Verfügbarkeit und Qualität von Netz- und Off-Grid-Energie, Verfügbarkeit von Sonnenlicht, Verfügbarkeit von Geräten und deren Energiebedarf sowie Informationen über lokale Akteure im Energiebereich abzubilden. Diese Lösung wurde bei den jüngsten Notfällen, einschließlich Epidemien, weithin angenommen, um wichtige Informationen abzubilden und die Reaktion und Wiederherstellung effektiver zu koordinieren. Beispiele finden Sie in der humanitären OpenStreetMap.

Um die Energiekomponente der humanitären Kartierung zu verbessern, können wir auf bereits bestehenden Arbeiten in anderen Sektoren etwa dem der Gesundheit und auf den wenigen bereits bestehenden Energiekartierungsprojekten aufbauen. Diese wurden in erster Linie entwickelt, um Marktchancen zu erkennen und die Politik zu gestalten, aber es gibt bereits Initiativen, die versuchen, den Zugang zu Energie stärker in den Vordergrund zu rücken als Reaktion auf Covid-19.

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