Headline: Nachhaltigkeit in Unternehmen braucht einheitlichen Berichtsstandard

Expertinnen und Experten aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz am IASS
Expertinnen und Experten aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz sind am IASS zusammengekommen, um die Integration der relevantesten Nachhaltigkeits-Berichtsstandards zu einem einheitlichen gesetzlichen Standard voranzutreiben. IASS/ C. Felber

Im Dezember sind 25 Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am IASS zusammengekommen, um ein ambitioniertes Vorhaben gemeinsam anzugehen: Die Integration der relevantesten Nachhaltigkeits-Berichtsstandards zu einem einheitlichen gesetzlichen Standard.

Zur Vorgeschichte: Während meines Fellowships 2018 habe ich die Idee zur Gleichstellung der Ethik- mit der Finanzbilanz weiterentwickelt. Das in drei Teilen angelegte Vorhaben wurde als erstes Inkubator-Projekt genehmigt. Als Affiliate Scholar darf ich das Projekt nun durchführen.

Im ersten Teil soll ein Dutzend der meistverwendeten und bekanntesten Nachhaltigkeits-Berichtsrahmenwerke auf ihre Stärken hin geprüft werden. Anhand eines eigens entwickelten „externen Parameters“, das sind Anforderungen seitens der Gesellschaft, werden sie dann verglichen.

Im zweiten Teil soll der Versuch unternommen werden, einen neuen Superstandard zu bauen, der die Stärken aller bestehenden Standards vereint – so ein bisschen die „eierlegende Wollmilchsau“. Für den dritten Teil ist die Überarbeitung der EU-CSR-Richtlinie angedacht, auf der Grundlage eines gesetzlich verbindlichen Standards, der aus dem zweiten Teil hervorgehen wird.

Das Endergebnis soll mit der Finanzbilanz in jeder Hinsicht gleichgestellt sein:

  • einheitlicher rechtsverbindlicher Standard,
  • externes Audit,
  • Rechtsfolgen des Prüfergebnisses.

Die Stoßrichtung, die verfolgt wird, umfasst niedrigere Steuern und Freihandel für klimafreundliche Produkte gegenüber höheren Steuern und Marktzugangsbarrieren für klimaschädigende Produkte.

Für den ersten Teil wurde von der B.A.U.M. GmbH München-Berlin eine Studie ausgeschrieben. Die vier Buchstaben stehen für Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. Das B.A.U.M.-Team hat dem Projekt den Spitznamen „PuNa“ gegeben: das steht für Publizitätspflicht zu Nachhaltigkeit und Gemeinwohl.

Im Vergleich standen unter anderem die Global Reporting Initiative (GRI), der Global Compact der Vereinten Nationen, die UN- und OECD-Richtlinien, der ISO 26000, das EU-Öko-Audit (EMAS), der Deutsche Nachhaltigkeitscodex (DNK) und die Gemeinwohl-Bilanz. Die externen Anforderungskriterien reichten von

  • partizipativer Entwicklung,
  • Anwendbarkeit und Verständlichkeit über
  • Messbarkeit und Vergleichbarkeit bis hin zur
  • rechtlichen Verankerung und Verknüpfbarkeit mit Anreizen wie
  • differenzierten Steuern und Zöllen oder dem
  • Vorrang in der öffentlichen Beschaffung und Wirtschaftsförderung.

Das politische Ziel ist die Verkehrung des heutigen Wettbewerbsvorteils durch Kostenexternalisierung in einen Wettbewerbsnachteil, während Kosteninternalisierung - und noch stärker Nutzenexternalisierung - zu Wettbewerbsvorteilen führen sollen.

Workshop an einem Tisch mit verschiedenen Interessensgruppen

Beim Workshop am 16. Dezember 2019 am IASS waren neben Expertinnen und Experten aus wissenschaftlichen Einrichtungen auch Vertreterinnen sowie Vertreter anderer Standards wie des GRI oder DNK mit an Bord. Daneben waren aber genauso Teams von Anwenderunternehmen wie etwa der GLS Bank oder der Unternehmen Weleda und Taifun-Tofu sowie von Unternehmensverbänden wie des Bangladesh Minority Watch (BDMW) mit dabei.

Ein erstes heisses Diskussionsfeld war die geforderte Normativität der Berichtsziele aus Sicht der Gesellschaft - wie etwa Klimastabilität, Schutz der Artenvielfalt, Geschlechtergleichheit oder Verteilungsgerechtigkeit - anstelle eines „Best-in-class“-Ansatzes oder die Definition von Zielen aus der internen Logik individueller Organisationen heraus.

In einer zweiten Runde wurden die zehn Anforderungskriterien der Gesellschaft, die „exogenen Parameter“, durchdiskutiert und mit zahlreichen Verbesserungsvorschlägen versehen.

Schließlich splittete sich der Workshop in Arbeitsgruppen auf, um den zweiten Teil umzusetzen: Die inhaltliche Integration der Standards, deren institutionelle Verankerung, die wissenschaftliche Evaluierung, ihre praktische Anwendung und Kommunikation sowie Motivation.

Ein Teil der Anwesenden meldete sich für den Trägerkreis der zweiten Projektphase. Das IASS hat dankenswerter Weise den Anfang gemacht und den Anschub finanziert, nun soll das Konsortium breiter werden, um Legitimation, Kompetenz und Sichtbarkeit zu erhöhen. Das IASS bleibt jedenfalls an Bord - und vielleicht auch am Steuer.

Interessierte können sich gerne bei mir melden: Christian.Felber(at)iass-potsdam.de

 

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