Overline: IPCC-Bericht und Marine Regions Forum
Headline: Ein gesunder Ozean – regionale Meerespolitik nach 2020

Ocean health is at risk.
Ocean health is at risk. Shutterstock/CARACOLLA

Die Ozeane spielen eine grundlegende Rolle bei der Regulierung der Erdtemperatur: Zum einen absorbieren sie 93 Prozent der Wärme, die sich durch den vom Menschen verursachten Anstieg der Kohlendioxidkonzentration aufstaut. Zum anderen nehmen sie auch ungefähr 25 bis 30 Prozent der menschlichen CO2-Emissionen auf, die andernfalls in der Atmosphäre bleiben und die Erderwärmung verstärken würden. Durch die photosynthetische Aktivität von Meerespflanzen und Algen produzieren die Meere zudem rund 50 Prozent des Sauerstoffs auf unserem Planeten. Die Fähigkeit der Ozeane, diese grundlegend wichtigen Dienstleistungen zu erbringen, ist jedoch in Gefahr (IPCC 2019). Die Erwärmung und Versauerung der Meere, die ein direktes Ergebnis des zusätzlich aufgenommenen CO2 sind, haben nämlich zerstörerische Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme. Sie beeinträchtigen die Fähigkeit des Ozeans, Nahrung, Existenzgrundlagen und sichere Lebensräume an den Küsten bereitzustellen, von denen Milliarden von Menschen abhängig sind (IPCC 2014, 2018, 2019).

Der IPCC-Bericht

Der IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima wurde am 25. September veröffentlicht. Zu den wichtigen Erkenntnissen dieses Berichts gehören diese:

  • Falls die globale Erwärmung auf 2 °C begrenzt werden kann, werden die Ozeane bis zum Jahr 2100 2- bis 4-mal mehr Wärme aufnehmen als zwischen 1970 und heute. Falls die Emissionen jedoch höher ausfallen, werden sie 5- bis 7-mal mehr Wärme absorbieren.
  • Marine Hitzewellen haben sich seit 1982 in ihrer Häufigkeit verdoppelt, wobei auch ihre Intensität steigt. Laut den Projektionen werden Häufigkeit, Dauer, Ausdehnung und Intensität mariner Hitzewellen in Zukunft weiterhin zunehmen. Bei einer Erderwärmung um 2 °C im Vergleich zu vorindustriellen Werten werden marine Hitzewellen 20-mal häufiger auftreten.
  • Die Gletscher werden bei hohen Emissionen im Durchschnitt mehr als ein Drittel ihrer Masse verlieren. Dadurch wird den Menschen, die von Gletschern abhängig sind, das Wasser ausgehen.
  • Die Erwärmung und Versauerung der Meere, der Verlust von Sauerstoff sowie Veränderungen der Nährstoffzufuhr beeinflussen bereits heute die Verteilung und das Vorkommen von marinem Leben in Küstengebieten, im offenen Ozean und auf dem Meeresgrund.
  • Die Ozeane und die Kryosphäre können dabei helfen, die Anpassung an zukünftige Veränderungen umzusetzen, Risiken für Existenzgrundlagen zu begrenzen und weitere gesellschaftliche Vorteile bereitzustellen. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen stark reduziert, die Ökosysteme geschützt und wiederhergestellt und die natürlichen Ressourcen sorgfältig verwaltet und genutzt werden.
  • Der Bericht zeigt die Vorteile einer ambitionierten und effizienten Anpassung für eine nachhaltige Entwicklung und – im Kontrast dazu – die eskalierenden Kosten und Risiken eines verspäteten Handelns auf.

Der Bericht des Ausschusses für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Ozeans

Parallel dazu hat der hochrangige Ausschuss für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Ozeans (High-Level Panel for a Sustainable Ocean Economy) einen Bericht herausgegeben. Dieser betrachtet spezifisch meeresbasierte Maßnahmen zur Reduzierung sowie zur Abscheidung und Lagerung von Emissionen, die ein bedeutendes Potenzial für einen Beitrag zu den globalen Klimaschutzanstrengungen bieten. Meeresbasierte Klimaschutzmaßnahmen spielen jedoch in den nationalen Klimaschutzbeiträgen (NDCs) der einzelnen Länder und in den langfristigen Entwicklungsstrategien für niedrige Treibhausgasemissionen gemäß dem Pariser Abkommen keine wichtige Rolle. Im Folgenden finden sich die wichtigsten Schlussfolgerungen des Berichts:

  • Im Hinblick auf weitreichende Auswirkungen auf Umwelt und soziales Wohlbefinden bieten naturbasierte Maßnahmen – insbesondere der Schutz und die Wiederherstellung von Mangroven, Seegras- und Salzwiesen – die beste Kombination aus dem Abbau von CO2-Emissionen und weiteren positiven Zusatznutzen.
  • Die Offshore-Windkrafterzeugung und andere Formen der meeresbasierten Gewinnung erneuerbarer Energie wie Wellen- und Gezeitenenergie werden auf 500 bis zu über 5.000 TWh/Jahr geschätzt.
  • Der Transport auf dem Seeweg hat das Potenzial für eine rund 100-prozentige Reduktion von THG-Nettoemissionen im Betrieb.
  • Das weltweite Fischereiwesen könnte insgesamt rund 137,1 Mt CO2-Äquivalente einsparen.

Schlussfolgerung

Der IPCC-Bericht zum Thema Ozean und Kryosphäre beschreibt nachdrücklich die katastrophalen Auswirkungen des Klimanotstands auf die fundamental wichtigen marinen Ökosysteme. Damit diese Probleme mit der notwendigen Dringlichkeit in Angriff genommen werden, ist politisches Handeln erforderlich, das umfassende strategische und finanzielle Maßnahmen beinhaltet.

Will man diese Herausforderungen erfolgreich meistern, ist internationale Zusammenarbeit von grundlegender Bedeutung. Das Marine Regions Forum 2019 soll zu klaren Empfehlungen führen, umsetzbare Ergebnisse liefern und Partnerschaften für eine stärkere regionale Meerespolitik ins Leben rufen. Ziel ist es, rechtzeitig einen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu leisten. Die Ergebnisse des Forums 2019 fließen in wichtige regionale und globale politische Prozesse zur Meerespolitik ein, insbesondere in die Ozeankonferenz 2020 der Vereinten Nationen.

 

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