Overline: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
Headline: Die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs)

Es ist eine entscheidende Weichenstellung: Ende September 2015 haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) verabschiedet, um eine globale Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit einzuleiten. Die nachhaltigen Entwicklungsziele sind umfassender als ihr Vorgänger, die acht Millenniumsentwicklungsziele, die oft dafür kritisiert wurden, dass die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit nicht ausreichend berücksichtigt beziehungsweise nur isoliert betrachtet wurde. Oberstes Ziel bleibt die Bekämpfung der Armut. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon erklärte in seinem Bericht zu den nachhaltigen Entwicklungzielen im Dezember 2014, dass kein nachhaltiges Entwicklungsziel oder Unterziel als erreicht betrachtet werden kann, wenn es nicht für alle sozialen Gruppen als erreicht gilt.

Die SDGs lösen die  Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals - MDGs) ab, die 2000 beschlossen wurden und bis 2015 erreicht werden sollten. Die SDGs werden ab dem 1. Januar 2016 für die kommenden 15 Jahre gültig sein. Die Ziele, auf die sich die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in langen Verhandlungsrunden geeinigt haben, sind ambitioniert: Sie reichen von der Bekämpfung der Armut über die Verbesserung von Ausbildung und Gesundheit bis zur Mitigation des Klimawandels und dem Schutz der Ozeane und Ökosysteme. Unter dem Titel „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ haben die Staaten einen Katalog von 17 Zielen und 169 untergeordneten Zielen (siehe Graphik) erstellt, deren Umsetzung bis 2030 zwar freiwillig ist, die aber erstmals universell gültig sind, das heißt für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen

Die nachhaltigen Entwicklungsziele sind das Herzstück der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung. Diese führt verschiedene Verhandlungsströme zusammen:

  • Verhandlungen zu Zielen und Unterzielen der nachhaltigen Entwicklungsziele
  • Verhandlungen zur Finanzierung, um die Umsetzung der Ziele sicherzustellen
  • Diskussionen zu Indikatoren, um die Messbarkeit der verschiedenen Unterziele sicherzustellen
  • Diskussionen zu Überprüfungs- und Rechenschaftsmechanismen, die den Fortschritt in der Zielerreichung messen sollen

Nicht alle Verhandlungen werden im September 2015 abgeschlossen sein. Ein vollständiger Indikatorenkatalog wird durch die Statistikkommission der Vereinten Nationen im März 2016 vorgelegt, und die genauen Modalitäten zu globalen Überprüfungs- und Rechenschaftsmechanismen werden im Juli 2016 durch das High-Level Political Forum (HLPF) der Vereinten Nationen diskutiert. Die Indikatoren sind die Basis für die Entwicklung von Umsetzungsstrategien der Ziele in den Mitgliedsstaaten und zentrales Instrument zur Messung des Fortschrittes ihrer Umsetzung auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene. Die Mitgliedsstaaten tragen die Hauptverantwortung für die Erarbeitung und Implementierung adäquater nationaler Politiken, Institutionen und Strategien zur Umsetzung der Ziele.

Basierend auf dem Vorschlag der Regierungen von Kolumbien und Guatemala wurde der Beschluss zur Entwicklung von nachhaltigen Entwicklungszielen und der Agenda 2030 im Abschlussdokument der Rio+20-Konferenz im Jahr 2012 festgehalten. Dort entstand eine 30-köpfige offene Arbeitsgruppe (Open Working Group) mit dem Auftrag, die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erarbeiten. Die neuen Entwicklungsziele haben den Anspruch, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen von Entwicklung abzubilden und die zwischen ihnen bestehenden Verknüpfungen zu berücksichtigen und in ausgewogener Weise integrieren. Als transformative Agenda bilden sie somit die Basis für eine globale nachhaltige Entwicklung der Menschheit innerhalb der Grenzen des Planeten, wobei die unterschiedlichen Gegebenheiten, Kapazitäten und Prioritäten der einzelnen Mitgliedsstaaten berücksichtigt werden sollen (UN 2012).

Neben der Schaffung der institutionellen Rahmenbedingungen durch die Mitgliedsstaaten ist die Finanzierung entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele. Im Juli 2015 fand in Addis Abeba, aufbauend auf Vorgängerkonferenzen in Monterrey (2002) und in Doha (2008), die 3. Konferenz der Vereinten Nationen zur Entwicklungsfinanzierung statt. Das Schlussdokument der Konferenz, die „Addis Abeba Action Agenda“ („Aktionsplan von Addis Abeba“) bildet das finanzielle Rahmenwerk zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele. In Addis Abeba wurde das Ziel der Industrieländer bekräftigt, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungsprojekte und -programme bereitzustellen. Darüber hinaus sollen unter anderem innovative Finanzierungskonzepte, Finanzmittel aus dem Privatsektor und der Aufbau von wirksamen Steuersystemen dazu beitragen, die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu finanzieren.

Das IASS trägt in vielfältiger Weise zu den Diskussionen zur 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung bei. Der Fokus liegt hierbei auf der Ausgestaltung der Unterziele und Indikatoren und Überprüfungs- und Rechenschaftsmechanismen sowie der Beratung von Regierungen bei der konkreten Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele auf nationaler, regionaler und globaler Ebene.

Photo: UK Department for International Development, CC BY-NC-ND 2.0