Headline: EGUPolitik: Eine Fachdiskussion über Ozon – Arbeit an der Schnittstelle Wissenschaft-Politik

Dieser Beitrag wurde ursprünglich für die EGUPolicy-Kolumne verfasst, die monatlich auf dem offiziellen Blog der European Geophysical Union, GeoLog erscheint, und wurde dort am 2. Dezember 2015 veröffentlicht.

Als Wissenschaftler und Forscher werden wir immer häufiger aufgefordert, uns an interdisziplinären (einzelne Fachbereiche überschreitenden) oder transdisziplinären Untersuchungen (in Zusammenarbeit mit Akteuren jenseits der akademischen Welt) zu beteiligen. Die Arbeit an der Schnittstelle Wissenschaft/Politik ist ein Beispiel dafür. Doch oftmals lässt sich nur schwer entscheiden, in welcher Form sich wer an welchem Ort beteiligen soll. Um hoffentlich ein wenig Licht in diese Problematik zu bringen, möchte ich Ihnen etwas über eine wissenschaftspolitische Unternehmung erzählen, an der wir vor kurzem mitgearbeitet haben. Inhaltlich ging es um die Ozonbelastung der Luft. Ein solches Vorhaben ist oft in einen größeren Kontext eingebettet oder Teil einer umfassenderen Reihe von Aktivitäten, die in ein Forschungsprojekt integriert sind, aber es kann auch eine einmalige Veranstaltung/ein einmaliges Ereignis sein.

Als Hintergrundinfo: Ich arbeite am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Dieses Institut wurde gegründet als eine Kombination von Forschungsinstitut und Thinktank mit Schwerpunkt auf Transformations- und transdisziplinären Studien. Thematisch konzentriert sich das Forschungsprogramm, bei dem ich mitarbeite, auf die Luftqualität im größeren Zusammenhang globaler Veränderungen. Aufgrund der früheren Teilnahme an lokalen politisch-wissenschaftlichen Veranstaltungen haben wir eine Zusammenarbeit mit einer NGO, der Deutschen Umwelthilfe, aufgebaut. Einer ihrer Schwerpunkte liegt ebenfalls auf Luftqualität. (Eine Randbemerkung: Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe oder einer anderen NGO bedeutet nicht, ihre Interessen zu vertreten, sondern dient dem Ziel, solide, aktuelle Wissenschaftsdaten zu liefern.)

Da Änderungen an den für die Luftqualität relevanten Emissionsrichtlinien in Europa in Planung sind, beschlossen wir, ein Fachgespräch über Ozon zu organisieren. Dies schien einfach zu passen angesichts der Tatsache, dass unser Forschungsschwerpunkt Ozon ist und Ozon immer noch ein entscheidendes Problem für die Luftqualität in Europa ist.

Im Jahr 2012 waren mehr als 98 Prozent der städtischen Bevölkerung in Europa einem Ozongehalt ausgesetzt, der die Richtwerte der WHO übersteigt.[1] Unser Interesse war, einen Teil unserer Forschungsergebnisse zum Thema Ozon weiterzugeben und das Bewusstsein für Ozon als Teil der Umwelt- und Luftqualitätsproblematik zu stärken, die in Europa und weltweit bis heute nicht gelöst ist. Die Deutsche Umwelthilfe wiederum war daran interessiert, für die geplanten Änderungen in der Gesetzgebung zur Luftqualität Informationen liefern zu können und eine solide wissenschaftliche Grundlage zu erhalten, um die Reduzierung von Ozon-Vorläufersubstanzen einzufordern.

Bei der gemeinsamen Planung des Fachgesprächs stellten wir uns Fragen wie: Was wollen wir damit erreichen? Welche Kriterien haben wir, um den Erfolg der Veranstaltung zu bemessen? Welche Aspekte müssten aufgenommen werden, um diese Ziele zu erreichen? Wer ist unsere Zielgruppe? In diesem Fall war eine solide Diskussion unser Ziel, die die Sichtweisen von Wissenschaft und Politik einbeziehen sollte. Um die Grundlage für die weitere Debatte zu schaffen, war es wichtig, den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft im Hinblick auf Ozon darzulegen. Dies kann Aufschluss darüber geben, wie anvisierte Reduzierungsmaßnahmen durch die Wissenschaft gestützt werden könnten, und/oder dabei helfen Bereiche zu benennen, wo weitere Untersuchungen erforderlich sind. Wir bezogen nicht nur Experten aus der Atmosphärenchemie in unsere Diskussionsrunde ein, sondern auch solche, die sich mit den Auswirkungen des Ozongehalts auf Gesundheit und Ökosysteme befassen. Den Wissensstand über die Folgen von Ozon für die menschliche Gesundheit und die Ökosysteme zu kennen, ist wichtig, um die gegenwärtigen Richtlinien und Standards zur Luftqualität einschätzen zu können. Reichen sie aus, um unsere Gesundheit und die Ökosysteme zu schützen? Auch Experten aus der lokalen und nationalen Politik (in diesem Fall Vertreter der Lokalregierung sowie des Umweltbundesamts waren ebenso als Teilnehmer unverzichtbar, um die Frage zu beantworten, welche politischen Maßnahmen bereits ergriffen wurden. Wo wurde bisher die Reduktion von Ozonvorläufersubstanzen (Substanzen, die sich in der Atmosphäre zu Ozon verbinden) durchgesetzt, und wo liegt bedeutendes Potenzial für Fortschritte? Am Ende sorgten die Teilnehmer aus den verschiedensten wissenschaftlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen für eine intensive und interessante Debatte.

Bei dem Fachgespräch wurde auch ein Policy Brief für eine breitere Leserschaft geplant, die die darin enthaltenen Informationen und die Ergebnisse der Veranstaltung für sich würde nutzen können. Es entstand eine gemeinsame DUH-IASS Publikation, auf deren Inhalt ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte, die jedoch hier zu lesen ist. Dieses Policy Brief verwendete beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe bei ihren Gesprächen mit EU-Ministern, um ihre Überlegungen für eine Revision der für die Luftqualität relevanten Emissionsrichtlinien zu untermauern. Darüber hinaus wurde nach der Veröffentlichung des Policy Briefs deutlich, dass es breiteres Interesse fand als zuvor angenommen. So erhielten wir beispielsweise Anfragen von Wissenschaftlern, die es als Begründung für die Finanzierung der Ozonforschung und entsprechender Einrichtungen hilfreich fanden. Veranstaltungen und Diskussionen dieser Art können auch für die Forschung selbst ein nützliches Instrument sein, insofern sie für die Politik besonders wichtige Bereiche herausarbeiten oder dort, wo die interdisziplinäre Zusammenarbeit und weitere Bemühungen innerhalb einzelner Disziplinen in signifikanter Weise zum Fortschritt der Wissenschaft beitragen könnten.

Ich hoffe, mit diesem Artikel dazu beigetragen zu haben, dass Sie sich ein besseres Bild über die Arbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik machen und Sie meine Hinweise für ähnliche Fachgespräche nutzen können. Natürlich gibt es die verschiedensten Möglichkeiten der Umsetzung, aber es ist wichtig, sich klarzumachen, welche Form am besten für Ihre Arbeit und Ihre Ziele geeignet ist. An solchen Veranstaltungen auf Ihrem Gebiet und in Ihrem geografischen Raum teilzunehmen, um Beziehungen zu pflegen, die zu einer zukünftigen Zusammenarbeit führen können, ist dafür ein erster guter Schritt.

[1] EEA. Air Quality in Europe – 2014 Bericht, S.54.

Header-Bild: istock/naphtalina

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