Das Treibhausgas Kohlendioxid, wie es zum Beispiel in Ölraffinerien entsteht,  kann für die Industrie zum Wertstoff werden. Oft kostet die Umwandlung jedoch viel Energie.
Das Treibhausgas Kohlendioxid, wie es zum Beispiel in Ölraffinerien entsteht, kann für die Industrie zum Wertstoff werden. Oft kostet die Umwandlung jedoch viel Energie. istock/Tanaonte

Headline: CO2-Nutzungsstrategien und Gesellschaft

Die Bekämpfung des Klimawandels macht eine Vielzahl an Strategien zur Reduktion anthropogener Emissionen erforderlich. Hierzu können auch Technologien zur Abscheidung und Nutzung von Kohlenstoffdioxid (CO2) gehören. Carbon Capture and Utilisation (CCU) ersetzt Kohlenstoff, der in konventionellen Herstellungsprozessen aus fossilen Quellen stammt, mit CO2. Das CO2 kann dabei aus den Rauchgasen industrieller Emittenten abgeschieden werden. Aber auch eine direkte Entnahme von CO2 aus der Luft ist technisch bereits möglich. In chemischen Konversionsprozessen können mit CO2 zum Beispiel synthetische Kraftstoffe oder Grundstoffe für die chemische Industrie sowie für die Baubranche hergestellt werden.

Viele CCU-Technologien befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die Forschungsgruppe CO2-Nutzungsstrategien und Gesellschaft befasst sich mit potenziellen Auswirkungen ihrer technischen Weiterentwicklung und möglichen Implementierung. Wie und unter welchen Bedingungen kann die Gesellschaft vom Einsatz von CCU-Technologien profitieren? Was können diese Technologien zum Erreichen energie- und umweltpolitischer Ziele in Deutschland und Europa, aber auch in weniger entwickelten Regionen der Erde beitragen? Gibt es Pfadabhängigkeiten zu großen Emittenten, zum Beispiel in der Energieproduktion, die es zu vermeiden gilt? Für welche Sektoren sind CCU-Pfade strategisch interessant und welche sektorübergreifende Zusammenarbeit ist notwendig, um die gesetzen Ziele zu erreichen? Wie werden CCU-Technologien wahrgenommen, und inwiefern können aus der Analyse der gesellschaftlichen Aspekte von CCU-Technologien Lehren für andere nachhaltigkeitsorientierte Technikinnovationen gezogen werden?

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe betrachtet diese und weitere Fragen in transdisziplinären Prozessen. Im Dialog mit verschiedenen Bezugsgruppen stehen politische Entscheidungsoptionen und die Förderung eines inklusiven und ergebnisorientierten Diskurses im Vordergrund.

Projekte

CO2-Capturing durch mineralische Rohstoffe - Erzeugung marktfähiger Produkte bei gleichzeitiger Sequestrierung von CO2 der Zementindustrie (CO2Min)

Die natürlichen Mineralien Olivin und Basalt sind in der Lage, CO2 über ihren gesamten Lebenszyklus zu binden. Allerdings dauert dies bei natürlicher Absorption über viele Jahrzehnte. Wie kann man diesen Prozess technisch beschleunigen und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Welche gesellschaftlichen Potenziale und Risiken sind damit verbunden?

CO2nsistent: Anwendung technisch-ökonomischer und ökologischer Bewertungen (TEA und LCA) von CO2-Nutzungstechnologien (CCU) für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft

Wissenschaftlich fundierter Rat für die ökonomische und ökologische Bewertung von CCU-Technologien: Im Projekt CO2nsistent entwickelt und harmonisiert ein Team internationaler Fachleute Methoden für die technisch-ökonomische Bewertung (TEA) und die Lebenszyklusanalyse (LCA) innovativer Technologien zur Nutzung von Kohlendioxid, das sonst in industriellen Prozessen emittiert würde. Die Rolle des IASS: Solche Bewertungen für Entscheidungsträger und Politiker anwendbar und verständlich machen.

Abgeschlossene Projekte

CO2Plus - Stoffliche Nutzung von CO2 zur Verbreiterung der Rohstoffbasis

Weltweit wird daran geforscht, wie es möglich ist, CO2 sinnvoll zu nutzen - zum Beispiel in der Chemieindustrie, der Kraftstofferzeugung oder als Energiespeicher. Das Projekt untersucht Faktoren, die Diffusion und Akzeptanz der CO2-Abscheidung und Nutzung beeinflussen, und entwickelt Informations- und Dialogformate für eine klima- und sozialverträgliche Umsetzungsstrategie.