Headline: Wie stärken wir die Demokratie? Kanadischer Philosoph Charles Taylor als Senior Fellow am IASS

Der kanadische Philosoph und Publizist Charles Taylor forscht und lehrt ab Mitte November für einen Monat als Senior Fellow am IASS. Er wird sich vor allem in Forschungsprojekte der wissenschaftlichen Direktorin Patrizia Nanz zu Wahrheit und Wissen in postfaktischen Zeiten sowie zum Verlust des Wertes der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts einbringen.

Charles Taylor
Charles Taylor Malte Jaeger/laif

Am Donnerstag, 16. November, hält Charles Taylor in der American Academy in Berlin die Fritz Stern Lecture mit dem Titel „Democratic Degeneration: Three Easy Paths to Regression“ (Demokratische Degeneration: drei einfache Wege zum Rückschritt). Darin argumentiert er, dass Demokratien in sich die Saat zu ihrer eigenen Degeneration tragen. Als Wege zum Rückschritt beschreibt er die Kontrolle durch Eliten, die Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen auf der Grundlage von Herkunft sowie das Mehrheitsprinzip.

Charles Taylor ist emeritierter Professor für Philosophie an der McGill Universität in Montreal und ein international bekannter Publizist. Er hat an den Universitäten in Princeton, Berkeley, Frankfurt am Main und der Hebräischen Universität Jerusalem gelehrt. Von 1976 bis 1981 hatte er eine Professur für Sozial- und Politiktheorie an der Universität Oxford inne, wo er bis heute Fellow des All Souls College ist. 

Breites Forschungsspektrum und zahlreiche Auszeichnungen

Weltweit bekannt ist Taylor für seine Beiträge zur politischen Philosophie, zur Philosophie der Sozialwissenschaften und zur Geistesgeschichte. Viel zitiert werden auch seine Arbeiten zur Bedeutung der Moderne, vor allem seine Monographie „Quellen des Selbst: Die Entstehung der neuzeitlichen Identität“ (1989). In jüngerer Zeit hat Taylor über die Philosophie und Soziologie der Religion geschrieben, unter anderem in seinem 2007 erschienenen Buch „Ein säkulares Zeitalter“.  Sein neuestes Buch ist „Das sprachbegabte Tier: Grundzüge des menschlichen Sprachvermögens“.

Charles Taylor hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Templeton-Preis „für Fortschritt hinsichtlich Forschung oder Entdeckungen über spirituelle Realitäten“ (2007) und den Kyoto-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen für Lebensleistungen in den Sozial- und Geisteswissenschaften. 2015 wurde ihmsowie Jürgen Habermas der renommierte John W. Kluge Preis verliehen. Mit diesem Preis werden Geistes- oder Sozialwissenschaftler, für deren Fachgebiete es keinen Nobelpreis gibt, für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. 2016 nahm Taylor als erster Preisträger den Berggruen-Preis entgegen. Damit würdigte die Jury seine Rolle als „Denker, dessen Ideen von großer Bedeutung für die Gestaltung des menschlichen Selbstverständnisses und der Förderung der Menschheit sind“.

Der Kanadier ist Auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences und Großoffizier des Nationalen Ordens von Quebec.