Nachhaltige Stadtentwicklung: IASS ist Wissenschaftspartner für „Zukunftsstadt Norderstedt“

Bezahlbarer Wohnraum, nachhaltige Mobilität und demographischer Wandel: Das sind nur einige der Herausforderungen, die Städte heute meistern müssen. Der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bringt Teams aus Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, lokaler Politik und Wirtschaft an einen Tisch. Für Norderstedt in Schleswig-Holstein, eine der 20 ausgewählten Städte in Phase 2 des Wettbewerbs, übernimmt das IASS die wissenschaftliche Begleitung der nachhaltigen Stadtentwicklung.

Eine Jury von 16 Expertinnen und Experten aus kommunalen Spitzenverbänden, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft wählte das IASS am 24. Juni unter fünf Wettbewerbern aus. Am Vortag hatten die Institutionen ihre Ideen bereits interessierten Norderstedter Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Mit seinem Konzept „Vierfach voraus! Nachhaltigkeit einfach machen“ bekam das IASS – in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro „landinsicht“ – bereits im ersten Wahlgang mit deutlicher Mehrheit den Zuschlag.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zum Wettbewerb „Zukunftsstadt“ aufgerufen. Gesucht werden Visionen für die nachhaltige Entwicklung von Städten. © istock/AdynaDas Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zum Wettbewerb „Zukunftsstadt“ aufgerufen. Gesucht werden Visionen für die nachhaltige Entwicklung von Städten. © istock/Adyna

Werkstätten für Vernetzung und Diskussion geplant

„Der Titel unseres Entwurfs mag zunächst wenig visionär klingen, aber wir haben genau das gemacht, was gewünscht war: einen praxisnahen Umsetzungsvorschlag und kein theorielastiges Nachhaltigkeitskonzept. Wichtig war uns auch ein ausgeprägter Ortsbezug, der auf die Eigenheiten Norderstedts eingeht. Die Stadt zeichnet sich zum Beispiel durch einen hohen Anteil an Ein-Familien-Haus-Gebieten aus und eine von viel Grün, aber auch vielen Straßen und Stellflächen durchzogene Fläche“, erläutert Manuel Rivera, wissenschaftlicher Projektleiter am IASS. 

Das Konzept des IASS sieht eine Fülle von Einzelmaßnahmen vor. Ihr Ziel ist die praktische Annäherung an die in Norderstedt bereits erarbeiteten Leitbilder nachhaltiger Entwicklung, unter anderem „Stadt im Grünen“ und „Stadt der kurzen Wege“. Diese Maßnahmen sollen von vier „NaNo“-Koordinatorinnen und Koordinatoren – die Abkürzung steht für „Nachhaltiges Norderstedt“ – in architektonisch auffälligen NaNo-Werkstätten in den vier Ortsteilen der Stadt angeregt und gemeinsam mit der Bevölkerung weiterentwickelt werden. Die NaNo-Koordinatoren sollen Bedürfnisse erforschen, Diskussionen moderieren, die Vernetzung verschiedener Akteure vorantreiben und die vorhandenen Initiativen so aufgreifen, dass auch bisher nicht beteiligte Bürger Lust bekommen, sich zu engagieren.

 In Norderstedts vier Ortsteilen sollen Werkstätten entstehen, in denen Vertreterinnen und Vertreter aus der Bevölkerung sowie aus Wissenschaft, lokaler Politik und Wirtschaft die bereits erarbeiteten Leitbilder weiterentwickeln. © Stadt Norderstedt In Norderstedts vier Ortsteilen sollen Werkstätten entstehen, in denen Vertreterinnen und Vertreter aus der Bevölkerung sowie aus Wissenschaft, lokaler Politik und Wirtschaft die bereits erarbeiteten Leitbilder weiterentwickeln. © Stadt Norderstedt

IASS setzt auf Bürgerbeteiligung

Das Wissenschaftler-Team unterstützt die Projekte durch begleitende Forschung zu Fragen wie: Wie lässt sich eine stärkere Beteiligung von Menschen, die zum Arbeiten nach Norderstedt pendeln, am Stadtleben erreichen? Wie kann die Zukunft von Einfamilienhaus-Gebieten mit alternder Bevölkerung gesichert werden? Wie lassen sich Sharing-Potenziale in einer vom Autoverkehr geprägten Stadt so nutzen, dass Flächen für Grün und öffentlichen Raum zurückgewonnen werden? Wieviel Landwirtschaft passt in die Stadt und wer kann daran verdienen? Für die wissenschaftliche Begleitung stellt die Stadt dem IASS 50.000 Euro zur Verfügung. Das BMBF investiert eine sechsstellige Summe in die Phase 2 des Norderstedter Zukunftsstadt-Projekts.

Bei seiner Arbeit in Norderstedt setzt das IASS stark auf verschiedene Elemente der Bürgerbeteiligung, wie Planungszellen, Straßenaktionen und genossenschaftliche Initiativen. „Auf kommunaler Ebene werden die UN-Nachhaltigkeitsziele konkret. Hier wird klar, dass es dabei um Fragen geht, die die Bürgerinnen und Bürger direkt in ihrem Alltag, aber auch in ihrer langfristigen Lebensplanung betreffen. Die Arbeit in Norderstedt ist für uns eine einzigartige Gelegenheit, Umsetzungsbedingungen für diese großen Ziele in einer mittelgroßen, wohlhabenden Stadt zu erforschen und verbessern“, sagt die für das Projekt verantwortliche IASS-Direktorin Patrizia Nanz.

Die Arbeiten beginnen im Herbst und sollen bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Verlaufen sie vielversprechend und innovativ, winkt Norderstedt eine Beteiligung an „Zukunftsstadt Phase 3“. Die Implementierung der NaNo-Werkstätten würde dann vom Forschungsministerium für weitere fünf Jahre gefördert.

03.07.2017