Wasser-Energie-NexusKostbare Ressourcen: IASS diskutiert bei World Water Week über nachhaltige Wasser- und Energie-Nutzung

Wasser ist unverzichtbar – für das Überleben der Menschen ebenso wie für die nachhaltige Entwicklung auf unserem Planeten. Das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum führt zu einer stetig steigenden Nachfrage nach der kostbaren Ressource. Wenn wir unseren Umgang mit Wasser nicht dramatisch verändern, wird im Jahr 2030 rund 40 Prozent mehr Wasser nachgefragt, als tatsächlich zur Verfügung steht. Das liegt auch daran, dass die Energieversorgung viel Wasser benötigt, nämlich weltweit jedes Jahr eine Menge von rund 580 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht 15 Prozent der gesamten Süßwasserentnahme, der Energiesektor steht damit nach der Landwirtschaft an zweiter Stelle.

Die integrierte Wasser- und Energie-Governance ist ein Forschungsschwerpunkt am IASS. (c) istock/robertsrobDie integrierte Wasser- und Energie-Governance ist ein Forschungsschwerpunkt am IASS. (c) istock/robertsrob

Über integrierte Governance- und Managementansätze für Wasser und Energie diskutierten Experten am 24. August bei einem vom IASS, der International Renewable Energy Agency (IRENA) und der Thirsty Energy Initiative der Weltbank organisierten Side Event bei der World Water Week in Stockholm. Sybille Röhrkasten, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Plattform Energiewende am IASS, hob in ihren einleitenden Worten die Bedeutung des Wasser-Energie-Nexus für die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) hervor, die die UN-Mitgliedsstaaten Ende  September in New York beschließen wollen. „Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, den Millenniumsentwicklungszielen, enthalten die SDGs sowohl ein Ziel für Wasser als auch eins für Energie. Wenn sich Regierungen aus der ganzen Welt auf eine Reihe von Zielen einigen, müssen sie sich bei der Umsetzung mit gegenseitigen Abhängigkeiten der Ziele auseinandersetzen. Das stärkt das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines integrierten Managements“, erläuterte die Politologin und Volkswirtin.

Bei der World Water Week im Vorjahr habe das IASS die technischen und wirtschaftlichen Potenziale erneuerbarer Energien für eine wasserschonende Stromerzeugung hervorgehoben, sagte Dominik Schäuble, der wie bereits 2014 durch die Session führte. „In diesem Jahr stand für uns die Frage im Vordergrund, wie diese Potenziale durch eine gemeinsame Planung von Wasser- und Energieversorgung in der Praxis eingelöst werden können“, betonte der stellvertretende Leiter der Plattform Energiewende.

Sybille Röhrkasten konkretisierte in ihrem diesjährigen Vortrag: Was bedeutet der Wasser-Energie-Nexus für die Planung konkreter Maßnahmen? In welchem Maße sind eine stärker integrierte Governance und ein integriertes Management der beiden Ressourcen notwendig und machbar? Was sind geeignete Anknüpfungspunkte, um den Energiesektor an Bord zu holen? Die letzte Frage sei besonders insofern wichtig, als das „Nexus-Denken“ bei Vertretern der Wasserwirtschaft bereits etabliert sei, während der Energiesektor auf entsprechende Vorstöße bislang zögerlich reagiert habe, sagte Röhrkasten. Sie erklärte dies unter anderem damit, dass der Wassersektor politisch und wirtschaftlich in einer schwächeren Situation sei als der Energiesektor.

Diego Rodriguez von der Thirsty Energy Initiative der Weltbank stellte ein Modellprojekt in Südafrika vor, das Wasserkosten in ein Energieplanungsmodell integriert. Wenn Wasser einen Preis erhält, verlieren konventionelle Kraftwerke mit Wasserkühlung im Stromsystem der Zukunft an Gewicht. Stattdessen gewinnen luftgekühlte Kraftwerke und Solaranlagen an Bedeutung – effizientere Arten der Energienutzung in wasserarmen, aber sonnenreichen Regionen. Nachdem in den vergangenen Jahren viel über die Gründe für ein integriertes Wasser- und Energiemanagement diskutiert wurde, müsse nun die konkrete Umsetzung in den Blick genommen werden, sagte Rodriguez.

Divyam Nagpal von IRENA stellte eine  kürzlich erschienene Studie zu erneuerbaren Energien im Wasser-Energie-Nahrungs-Nexus vor. Die Ergebnisse zeigen, dass erneuerbare Energien einen wichtigen Beitrag für Wasser- und Energiesicherheit leisten können. So verbrauchen Windkraft und Solar-Energie deutlich weniger Wasser als konventionelle Kraftwerke. Sie können zudem in wasserarmen Regionen den Zugang zu Wasser erleichtern, etwa durch die Installation von solarbetriebenen Wasserpumpen. In einer Welt, in der 1,6 Milliarden Menschen auch aufgrund mangelnder Infrastruktur keinen ausreichenden Zugang zu Wasser haben, werden solche Techniken immer wichtiger. Guillermo Bravo von dem spanischen Unternehmen Abengoa  präsentierte technologische Lösungsansätze im Wasser-Energie-Nexus. Abengoa ist in vielen wasserarmen Regionen der Welt tätig und setzt dort solare Entsalzungsanlagen sowie Technologien ein, die mit geringem Wasserbedarf Strom erzeugen.

Bei der Plattform Energiewende des IASS ist die integrierte Wasser- und Energie-Governance ein Forschungsschwerpunkt. Das Institut und seine Partnerorganisationen wollen das Thema auch im Energiebereich stärker verankern. So organisiert das IASS bei der South Africa International Renewable Energy Conference im Oktober gemeinsam mit der Thirsty Energy Initiative der Weltbank, der IRENA und Greenpeace Africa ein Side Event zur Bedeutung von Wasserknappheiten für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung.

02.09.2015