SDGsEuropa und die nachhaltigen Entwicklungsziele – Workshop in Brüssel zeigt Handlungsbedarf auf

Im September 2015 wollen die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) beschließen. Danach liegt es an den einzelnen Ländern, die Ziele umzusetzen und so eine Transformation zu mehr sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit einzuleiten. Den Regionen kommt dabei eine besondere Rolle zu, auch weil die Umsetzung vieler Ziele über die Grenzen einzelner Nationalstaaten hinausgeht. Das gilt vor allem für den Schutz natürlicher Ressourcen, der in vielen Fällen nur über Landesgrenzen hinweg erreicht werden kann. Viele Länder Europas haben bereits Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt und implementiert. Für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union existiert eine übergreifende Nachhaltigkeitsstrategie. Deshalb stellt sich besonders in Europa die Frage, wie die Umsetzung der SDGs effektiv erfolgen soll und welche Rolle die EU bei der Unterstützung der Aktivitäten der Mitgliedsstaaten einnehmen kann. Aus diesem Anlass lud das IASS gemeinsam mit dem Sustainable Development Solutions Network (SDSN) Deutschland und dem spanischen SDSN am 29. und 30. Juni  in Brüssel zu einem Dialog mit dem Titel „Europe and the post-2015 development agenda: Shaping effective follow-up, review and accountability mechanisms“  ein, an dem rund 50 Interessenvertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Universitäten und dem Privatsektor teilnahmen.

Wie kann die Umsetzung der SDGs in Europa effektiv erfolgen? Darüber diskutierten Teilnehmer eines Workshops in Brüssel. @Europäische Kommission Wie kann die Umsetzung der SDGs in Europa effektiv erfolgen? Darüber diskutierten Teilnehmer eines Workshops in Brüssel. @Europäische Kommission

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es in Europa bereits geeignete Institutionen gebe, um die nachhaltigen Entwicklungsziele umzusetzen und zu überprüfen, wie zum Beispiel das Directorate-General for International Cooperation and Development (DG DEVCO) und das statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat). Hinreichend geklärt seien die Prozesse dennoch nicht, sagte ein Vertreter einer beratenden Institution der EU: „Es gibt viele Visionen, wie nachhaltige Entwicklung in Europa gelingen kann. Es fehlt jedoch ein allumfassender Rahmen, der die Visionen zu einer Strategie zusammenführt und die Implementierung der nachhaltigen Entwicklungsziele ermöglicht.“ Viele Teilnehmer kritisierten, dass es in Europa noch zu wenig Diskussionen über die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele gebe. Die derzeitigen Krisen und der Fokus auf kurzfristige Maßnahmen erschwerten eine umfassende Diskussion langfristiger Politikmaßnahmen.  Letztere seien jedoch notwendig, um weiteren Krisen vorzubeugen und gegenwärtige Probleme wirksam anzugehen.

Am Ende des Dialogs stand das Fazit, dass der Prozess der Umsetzung eine Chance sei, bestehende Regelwerke und Strategien für nachhaltige Entwicklung zu überdenken, Lücken zu identifizieren und auf dieser Grundlage volkswirtschaftliche, gesellschaftliche  und umweltbezogene Strategien nachhaltiger Entwicklung zu formulieren. In der Diskussion um den Schutz natürlicher Ressourcen in Europa wurde besonders der Umgang mit Zielkonflikten – beispielsweise durch die konkurrierende Nachfrage nach fruchtbarem Land für die Produktion von Nahrungsmitteln und Bioenergie – thematisiert. Für diese müssten in Debatten mit Interessengruppen Prioritäten neu verhandelt und Kompromisse gefunden werden. Die verschiedenen Akteure sollten dann auch formal in die Überprüfungs- und Rechenschaftsmechanismen auf nationaler Ebene einbezogen werden. Auf globaler Ebene seien thematische Reviews empfehlenswert, um zu verhindern, dass zielübergreifende Themen - wie der Schutz unserer Umwelt und die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen - im Überprüfungsprozess nicht vernachlässigt werden.

08.07.2015