Renewables Global Futures ReportErneuerbare Energien innerhalb von zehn Jahren voraussichtlich billiger als alle fossilen Brennstoffe

Einem neuen Bericht zufolge gibt es einen breiten Konsens, dass erneuerbare Energien die Zukunft beherrschen werden. Viele der befragten Experten betonen, dass sogar große internationale Konzerne zunehmend auf Erneuerbare setzen. „Dieser Bericht präsentiert eine große Bandbreite von Expertisen und soll die Diskussion und Debatte um die Chancen und die Herausforderungen anregen, die damit verbunden sind, bis Mitte dieses Jahrhunderts eine zu 100 Prozent erneuerbare Energiezukunft zu gestalten“, erklärt Christine Lins, Geschäftsführerin des Renewable Energy Policy Network for the 21stCentury (Netzwerk für erneuerbare Energien des 21. Jahrhunderts, REN21) – ein globales Netzwerk für Erneuerbare-Energie-Politik, das zahlreiche Akteure einbindet und beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) angesiedelt ist.

Während die Nutzung erneuerbarer Energien im Stromsektor schon weit verbreitet ist, sind die Möglichkeiten in der Luftfahrt noch sehr unsicher. © istock/narvikkWährend die Nutzung erneuerbarer Energien im Stromsektor schon weit verbreitet ist, sind die Möglichkeiten in der Luftfahrt noch sehr unsicher. © istock/narvikk

Der „Renewables Global Futures Report” wurde am 3. April 2017 beim Sustainable Energy for All Forum in New York vorgestellt. Die Analyse beruht auf den Einschätzungen von 114 renommierten Energieexperten aus allen Regionen der Welt, die im Lauf des Jahres 2016 befragt wurden. Die IASS-Forscher Rainer Quitzow und Sybille Röhrkasten führten die Umfrage unter europäischen Energieexperten durch. Zu den Befragten gehörten hohe Regierungsvertreter, ein Mitglied des Europaparlaments sowie führende Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor.

Mehr als 90 Prozent der befragten Experten waren sich einig, dass Erneuerbare-Energie-Technologien dazu dienen, die Zugangsbarriere zu Energiedienstleistungen für Kommunen zu senken. Schätzungsweise 100 Millionen Menschen erhalten inzwischen Strom über dezentrale Erneuerbare-Energie-Anlagen, und die Märkte für solche Anlagen wachsen rasant.

Weitere wichtige Ergebnisse sind unter anderem:

  • Mehr als 70 Prozent  der befragten Experten halten eine globale Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien sowohl für machbar als auch für realistisch, wobei europäische und australische Fachleute diese Sicht am stärksten stützen.
  • Zahlreiche Unternehmen, Regionen, Inseln und Städte haben sich das Ziel gesetzt, auf 100 Prozent Erneuerbare umzusteigen.
  • Knapp 70 Prozent der befragten Experten rechnen damit, dass die Kosten der Erneuerbaren weiterhin fallen werden, und gehen davon aus, dass erneuerbare Energien innerhalb der nächsten 10 Jahre sämtliche fossilen Brennstoffe aus dem Feld schlagen werden. Wind und Solarphotovoltaik sind tatsächlich bereits in den meisten OECD-Ländern gegenüber neuen konventionellen Kraftwerken wettbewerbsfähig.
  • So unterschiedliche Länder wie China und Dänemark beweisen, dass BIP-Wachstum von einem zunehmenden Energieverbrauch entkoppelt werden kann.

Der Bericht nennt jedoch auch eine Reihe von Herausforderungen:

  • In einigen Regionen, insbesondere in Afrika, den Vereinigten Staaten und Japan, beurteilten Experten die Aussicht, in ihrem Land oder ihrer Region das Ziel 100 Prozent Erneuerbare bis 2050 zu erreichen, skeptisch. Hinderlich sei vor allem das Eigeninteresse der konventionellen Energieindustrie.
  • Einfache Lösungen wie der Ersatz von Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe werden nicht ausreichen, um den Transportsektor zu transformieren. Vielmehr ist eine Verkehrsverlagerung, zum Beispiel von der Straße auf die Schiene, erforderlich.
  • Das Fehlen langfristiger Rechtssicherheit und die Abwesenheit eines stabilen Klimas für Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare behindern in den meisten Ländern die Entwicklung.

Rainer Quitzow, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IASS, kommentierte: „Die globale Perspektive, die dieser Bericht einnimmt, bereichert die Debatte um die Zukunft von Energieerzeugung und -verbrauch in Deutschland um eine wichtige Dimension. Während Europa ein bedeutender Leitmarkt für Sonnen- und Windenergie war, ist die Energiewende inzwischen ein globales Phänomen.“

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24.04.2017