Ländervergleichende StudieBreite Unterstützung für Klimaschutz und erneuerbare Energien in Europa

Sie unterstützen mit großer Mehrheit erneuerbare Energien, zeigen sich beim Vertrauen in die Politik gespalten und sagen: „Der Klimawandel ist bereits heute spürbar“ – dies sind zentrale Ergebnisse einer Befragung von Bürgern zur Energie- und Klimapolitik in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen.

In der repräsentativen Befragung hatten sich im vergangenen Juni jeweils rund 1000 Bürgerinnen und Bürger in den vier europäischen Ländern zu den Themen Klimawandel und Energiepolitik geäußert. Die Studie „Wahrnehmungen des Klimawandels und Energiepräferenzen in Europa“, die von der Universität Cardiff (Großbritannien), dem Forschungszentrum ZIRIUS (Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung) der Universität Stuttgart, dem Institut Symlog (Frankreich) und der Universität Bergen (Norwegen) durchgeführt und ausgewertet wurde, wurde am 8. März in einer gemeinsamen Pressekonferenz des Forschungszentrums ZIRIUS, des IASS und der Wissenschaftsplattform klimafakten.de in Berlin vorgestellt.

Politische Bedeutung gewinnen die Befunde insbesondere mit Blick auf den Wahlkalender: So stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen, in Norwegen und Deutschland Parlamentswahlen an. In Großbritannien führt der Brexit auch zu Unsicherheit in Bezug auf die künftige Klima- und Energiepolitik.

Die Befragungsergebnisse: Überzeugt von der Existenz des Klimawandels, aber nicht vom wissenschaftlichen Konsens

Eine große Mehrheit der Deutschen (83 Prozent) geht davon aus, dass es einen Klimawandel gibt. Überraschend hoch allerdings ist in Deutschland im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern der Anteil derjenigen, die von der Existenz des Klimawandels nicht überzeugt sind: mit 16 Prozent liegt dieser Wert deutlich höher als in Großbritannien (12 Prozent), Frankreich (6 Prozent) und Norwegen (4 Prozent).

Ein Grund dafür könnte sein, dass drei von vier Deutschen den Klimawandel in der Wissenschaft für umstritten halten. Die Befragten sollten angeben, inwieweit sie davon ausgehen, dass sich die Klimawissenschaftler über den menschengemachten Klimawandel einig sind. Nur knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) gab dabei an, dass eine überwiegende Mehrheit der Klimaforscher darin übereinstimmt, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Tatsächlich stimmen dem aber über 97 Prozent der Klimaforscher zu, wie mehrere Studien ergeben haben.

„Das ist ein alarmierendes Zeichen“, sagte Ortwin Renn, Projektleiter zur Studie am Forschungszentrum ZIRIUS der Universität Stuttgart und wissenschaftlicher Direktor am IASS, bei der Vorstellung der Studie. „In Zeiten, in denen rechtspopulistische Bewegungen Zulauf erhalten, muss die Wissenschaft ihre Erkenntnisse daher verstärkt vermitteln und nachvollziehbar erklären.“ Auch Carel Mohn, Leiter des Portals klimafakten.de, hält es für notwendig, dass Klimaforscher noch stärker den Austausch mit Bürgern suchen.

Vielleicht wird aber auch das Klima selbst die Bürger überzeugen: In allen vier Ländern gaben rund 60 Prozent der Befragten an, dass die Folgen des Klimawandels bereits spürbar seien.

Energiepolitik: Hohe Zustimmung zu erneuerbaren Energien, Ablehnung von Kohle und Kernkraft

In der Befragung wurden die Bürger auch zu ihren Einstellungen zu verschiedenen Energieträgern, ihrem Vertrauen in verschiedene Institutionen und ihren Wünschen an die staatliche Energiepolitik befragt. Auf große Zustimmung in allen vier Ländern treffen die erneuerbaren Energien. Jeweils mehr als 70 Prozent der Bürger sehen Solarenergie, Wind- und Wasserkraft positiv. Auf geringe Zustimmung als Energieträger stoßen in Deutschland hingegen Öl, Kohle und Kernkraft, die nur 28 Prozent, 22 Prozent bzw. 14 Prozent positiv einschätzen. „Nuklearenergie als CO2-neutrale Energieerzeugungsart ist damit, insbesondere in Deutschland, politisch derzeit keine realistische Alternative zu fossilen Energieträgern“, sagte Annika Arnold, Projektbearbeiterin am Forschungszentrum ZIRIUS der Universität Stuttgart.

Nein zu höheren Preisen und Steuern

Klare Präferenzen äußern die Bürger auch bei ihren Erwartungen an die Energiepolitik. Deutlich sprechen sie sich dafür aus, den Verkauf energieverschwendender Haushaltsgeräte zu verbieten – in Deutschland unterstützen 61 Prozent der Befragten ein solches Verbot, 18 Prozent lehnen es ab.

Wenn es um höhere Steuern auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas geht, drehen sich die Mehrheitsverhältnisse allerdings um: 53 Prozent der Deutschen lehnen dies ab. Und auch eine Erhöhung der Strompreise wird von über zwei Dritteln (67 Prozent) der Deutschen abgelehnt.

In Deutschland ist das Vertrauen in lokale Kommunen bei der Umsetzung der Energiewende groß

Bei der Frage nach dem Vertrauen in wichtige Akteure auf dem Feld der Energiepolitik zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und den drei anderen Ländern. So haben die Deutschen deutlich mehr Vertrauen in die Akteure der Energiepolitik als die Bürger Frankreichs, Großbritanniens oder Norwegens: Die EU-Kommission, die Regierung, die Kommunen und auch die Energieunternehmen genießen in Deutschland jeweils mehr Vertrauen als irgendeiner dieser Akteure in Frankreich, Großbritannien oder Norwegen. Absoluter Spitzenreiter in Sachen Vertrauen sind dabei die deutschen Städte und Gemeinden: Nur 5 Prozent der Deutschen haben „gar kein Vertrauen“ in die Kommunen, wenn es um Energiepolitik geht.

Gefördert wurde die Studie mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der EU-Programminitiative „Connecting Climate Knowledge for Europe“ (JPI Climate).

14.03.2017