Headline: Marshallplan mit Afrika: Wie kann Digitalisierung nachhaltig gestaltet werden?

„Wir brauchen (…) einen neuen Zukunftsvertrag Europas mit Afrika“ – dies ist die Kernbotschaft der am 18. Januar 2017 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorgelegten Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika. Digitalisierung spielt darin eine wichtige Rolle, sei es im Bereich Bildung, Gesundheit, Energie oder allgemein für die wirtschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents. „Unser Ziel“, so steht es in dem Eckpunktepapier, „ist eine faire und offene Entwicklung einer digitalisierten Welt.“

Was genau aber heißt das? Was bedeutet eine „digitalisierte Welt“ und wie kann sie fair und offen entwickelt werden? Welche Herausforderungen bringt die Digitalisierung für Entwicklungsländer mit sich?

In der Wissenschaft findet bereits seit mehreren Jahrzehnten ein intensiver Austausch über die Bedeutung von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Digitalisierung im Kontext von Entwicklung statt. Eine Erkenntnis daraus ist, dass Digitalisierung neben vielen positiven Effekten, wie bspw. mehr Chancen für Bildung, Gesundheitsvorsorge und Teilhabe am wirtschaftlichen und sozialen Leben – auch oft unbeabsichtigte Risiken und Herausforderungen für Menschen in sich entwickelnden Ländern birgt. So kann Digitalisierung Ungleichheiten und Benachteiligungen nicht nur mindern, sondern unter bestimmten Umständen auch vertiefen, bspw. wenn Zugang zu und Wissen über Technologien nicht gleich verteilt sind. In den letzten Jahren rücken zudem Fragen von Datenschutz und Schutz der Privatsphäre zunehmend in den Fokus. Der Grund dafür sind die Konflikte und die Lage der Zivilgesellschaft in vielen Entwicklungsländern und die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die digitale Anwendungen für die Überwachung von Einzelpersonen und Gruppen bieten.

Hinzu kommt, dass Digitalisierung weitreichende Folgen für die bestehenden globalen Wertschöpfungsketten haben kann. Entwicklungsansätze, die auf einer bestimmten Nische in der internationalen Arbeitsteilung aufbauen, könnten so auf den Kopf gestellt werden. Hier eröffnen sich auch viele Chancen – doch diese gehen oft mit einer Vielzahl von Anforderungen an Infrastrukturen, Regulierungen sowie Wissen und Kompetenzen von Arbeitskräften einher und stellen viele Länder – nicht nur im globalen Süden – vor große Herausforderungen.

Auch die ökologischen Folgen der Digitalisierung sind nicht eindeutig: Auf der einen Seiten gibt es die Hoffnung auf einen „smarteren“ Energie- und Ressourcenverbrauch und die Entwicklung neuer, ökologischer Werkstoffe, die helfen, Umweltbelastungen zu reduzieren. Auf der anderen Seite bestehen Befürchtungen, dass Digitalisierung einen (noch) ungezügelte(re)n Konsum beflügeln, nicht beabsichtigte Rebound-Effekte bewirken und den Bedarf an kritischen Rohstoffen mitsamt der einhergehenden Umweltauswirkungen steigern könnte.

Wie also kann eine „digitalisierte Welt“ nachhaltig – im sozialen, ökonomischen und ökologischen Sinne – und gerecht gestaltet werden, damit sie die Lebenschancen von allen Menschen vergrößert, ohne sie dabei ihrer natürlichen Lebensgrundlagen zu berauben?

Dies zu erforschen ist eines der Ziele des Projekts „Digitalisierung und Auswirkungen auf Nachhaltigkeit“ am IASS, in dem wir uns intensiv mit den Nachhaltigkeitsaspekten von Industrie 4.0, E-Governance und Partizipation und der Digitalisierung in Entwicklungs- und Schwellenländern auseinandersetzen. Im Rahmen dieses Projektes haben wir eine Stellungnahme zu den Eckpunkten für den Marshallplan mit Afrika verfasst und auf einige der oben aufgeführten Überlegungen aufmerksam gemacht.  Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte dazu eingeladen, die Eckpunkte für den Marshallplan mit Afrika in einem öffentlichen Online-Dialog zu kommentieren. Unsere Stellungnahme ist in den Online-Kommentaren auf der o.g. Seite des BMZ zu finden oder kann hier heruntergeladen werden.

Foto oben: istock/subman

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