Headline: Anregung von kollektiven Verhaltensänderungen für eine nachhaltige Zukunft

Erkenntnisse vom ersten KLASICA International Case Studies Symposium in Taipeh

Das erste Symposium der Knowledge, Learning, And Societal Change Alliance (KLASICA), das vom 21. bis zum 24. November 2016 in Taipeh (Taiwan) stattfand, war eine anregende und produktive Veranstaltung. KLASICA ist ein neuer Versuch, unter Nutzung einer großen Bandbreite an intellektuellen Sichtweisen aus den Bereichen Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften die begünstigenden und behindernden Faktoren für kollektive Verhaltensänderungen und gesellschaftlichen Wandel zu verstehen, die zu einer gerechten und ausgewogenen nachhaltigen Zukunft führen. Mit dem daraus resultierenden Verständnis soll dieser Wandel vorangetrieben werden.

Das Ziel des Symposiums in Taipeh bestand darin, anhand ausgewählter Fallbeispiele Erkenntnisse über die Katalysatoren und Barrieren kollektiver Verhaltensänderungen für eine nachhaltige Zukunft zu erlangen. Außerdem sollten Möglichkeiten bestimmt werden, mit denen die Barrieren in Angriff genommen und die Katalysatoren im fallspezifischen Kontext ausgeweitet oder auf andere Kontexte angewendet werden können. Neun Fallstudien aus Insel- und isolierten Gemeinschaften aus dem asiatischen und pazifischen Raum, die eine gerechte und ausgewogene nachhaltige Zukunft anstreben, wurden in die Diskussionen einbezogen. Die untersuchten Fälle stammten aus Indien, Mikronesien, Nepal, den Philippinen, Taiwan und Vietnam und deckten eine ganze Reihe an Themen ab, beispielsweise die nachhaltige Nutzung und Verwaltung der Ressourcen auf kleinen Inseln, in Wäldern und in Meeresnationalparks, die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nachhaltige Verringerung der Luftverschmutzung, den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft, die Ernährung von Mutter und Kind sowie nachhaltige Lebensgrundlagen.

Das Symposium wurde von Ortwin Renn und Viola Gerlach vom IASS moderiert. Sie bezogen die 40 Teilnehmer im Rahmen von kurzen Befragungen der Fallpräsentatoren und im Rahmen von Plenarversammlungen in gehaltvolle, vielseitige und interaktive Gespräche ein. Anschließend wurde jeweils in sechs Kleingruppen vertieft diskutiert. Zwar gab es eine lockere Vorgabe, wie die Diskussionen zu führen waren und welche Art von Ergebnissen am Nachmittag des dritten Tages erwartet wurden, doch die Gruppen konnten selbst entscheiden, wie sie ihre Diskussionen strukturierten, wie sie die gemeinsam erzielten Ergebnisse dokumentierten und wie sie diese der gesamten Gruppe in der Plenarversammlung am dritten Tag vorstellten. Wie viele andere Teilnehmer empfand ich diese Freiheit als sehr angenehm. Meiner Ansicht nach war sie ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Symposium.

Jeder Gruppe von 5 bis 8 Teilnehmern wurden drei Fälle zugeteilt, wobei jeder Fall von mehr als einer Gruppe betrachtet wurde.

Die Gruppenpräsentationen waren gehaltvoll und vielseitig und griffen zahlreiche Themen auf. Im Folgenden möchte ich in einer nicht abschließenden Liste einige Punkte aufführen, die meiner Meinung nach bei der Förderung von Prozessen kollektiver Verhaltensänderungen für eine nachhaltige Zukunft besonders wichtig sind:

  • die Notwendigkeit, gemeinsam alle Wissenssysteme, kulturellen Normen und Werte in jedem lokalen Kontext zu bestimmen und anzuerkennen sowie alle Beteiligten einzubinden, damit der bestehende Korpus an Wissen, Werten und kulturellen Normen für die Bestimmung von Bedürfnissen und Herausforderungen sowie von verfügbaren Ressourcen und Möglichkeiten zur Inangriffnahme dieser Herausforderungen genutzt werden kann;
  • die Schaffung einer kollektiv geteilten Vision oder von kollektiv geteilten Visionen im Hinblick darauf, wie bei der Prioritätensetzung, der Einleitung von Prozessen und der Sicherstellung von Erfolgen für heutige und zukünftige Generationen vorzugehen ist;
  • die Sicherstellung einer vielseitigen und angemessenen Vertretung von Akteuren und Institutionen, die Prozesse für eine nachhaltige Zukunft erleichtern und vorantreiben;
  • die Bestimmung und Förderung optimaler Bedingungen im jeweiligen Kontext, die verschiedene Akteure und Institutionen benötigen, um kollektiv handeln zu können und die gemeinsame Vision oder gemeinsamen Visionen zu verwirklichen;
  • die Notwendigkeit, dass sich alle Beteiligten der unmittelbaren und erwarteten Vorteile, der erwarteten und unerwarteten Risiken (einschließlich der sozialen Risiken), der ungewissen und/oder unbeabsichtigten Konsequenzen von Maßnahmen, die die Lebensgrundlagen oder die allgemeine Wohlfahrt bedrohen, sowie der vorhandenen Möglichkeiten, diese Konsequenzen einzudämmen oder damit umzugehen, bewusst sind und diesbezüglich transparent, ehrlich und direkt auftreten;
  • die Notwendigkeit, bei allen Beteiligten Vertrauen zu schaffen und in ihnen den Wunsch zu wecken, sich den Prozess und die Ergebnisse von Anfang an und über den gesamten Veränderungsprozess hinweg zu eigen zu machen.

Insgesamt waren 40 Teilnehmer und sechs Kollegen vom IASS während des gesamten Symposiums anwesend. An den Plenarversammlungen nahmen außerdem einige Studierende, Lehrkräfte und Mitarbeiter der Taiwan National University und der Taiwan National Normal University teil. Das Symposium wurde gemeinsam vom KLASICA-Team und vom IASS sowie von Kollegen an der Taiwan National University und der Taiwan National Normal University organisiert. Gastgeber des Symposiums war das Risk Society and Policy Research Center (RSPRC).

Das Symposium wurde durch ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt. Für mich war dies der erste Aufenthalt in Taiwan und ganz allgemein in Asien. Ich fand die Menschen in Taipeh freundlich, großzügig, ehrlich, aufrichtig und äußerst hilfsbereit. Es gab hervorragende Abendessen mit vorzüglichen taiwanischen Gerichten und Tees in einer Atmosphäre, die von taiwanischer Herzlichkeit geprägt war. Sicher können viele Leser bestätigen, dass die informellen Gespräche beim Abendessen den Ergebnissen der Wissenschafts- und Lehrveranstaltungen einen bedeutenden Mehrwert geben, denn sie schaffen Möglichkeiten für Networking und zukünftige Zusammenarbeit. Ich hatte auch das Vergnügen, der Rede von Ortwin Renn mit dem Titel „Coping with systemic risks: implications for policy-making and risk communication“ (sinngemäß: „Der Umgang mit systemischen Risiken: Implikationen für politische Entscheidungsfindung und Risikokommunikation“) vor dem taiwanischen Parlament (Legislative Yuan) beizuwohnen. Die aufgeworfenen Themen stießen bei den politischen Entscheidungsträgern, bei den Politikern, Akademikern und Experten sowie bei der Öffentlichkeit im Publikum auf intensive, enthusiastische Reaktionen.

Abschließend möchte ich bezeugen, wie viel Zeit, Anstrengungen, Überlegungen und Arbeit in die Organisation dieser Veranstaltung geflossen sind. Zwar haben die neuen Technologien die Organisation solcher Zusammenkünfte vereinfacht, doch bereitet einen nichts auf das vor, was vor Ort passieren kann, wenn man Menschen aus verschiedenen akademischen Disziplinen, Traditionen, Kulturen und Nationen zusammenführt und sie über Fälle diskutieren lässt, die sich auf eine Reihe von Themen aus verschiedenen Regionen beziehen. Natürlich unternimmt man alles in seiner Macht Stehende, um einen bedeutsamen, positiven Ausgang zu planen, denn man ist vom Wert unterschiedlicher Ansätze, etwa in Bezug auf die Schaffung einer nachhaltigen Zukunft, überzeugt. Doch zufriedenstellende Ergebnisse sind nicht allein das Produkt einer guten Planung oder der Überzeugtheit von Wert und Notwendigkeit des Vorhabens, sondern sie sind auch weitgehend abhängig von der Zusammenarbeit und der aktiven Beteiligung der Teilnehmer.

Im Falle des Symposiums in Taipeh traten diese Sorgen dank dem Enthusiasmus, dem Engagement, dem gemeinsamen Interesse und der geteilten Vision größtenteils in den Hintergrund. Gemäß dieser Vision ist es notwendig, die Chancen und Hindernisse sowie die Möglichkeiten, gezogene Lehren auf verschiedenen Gesellschaftsebenen kollektiv anzuwenden, zu identifizieren – mit dem Ziel, Interesse und Maßnahmen hinsichtlich einer fairen und gerechten nachhaltigen Zukunft anzuregen. An dem Engagement der Mitorganisatoren des Symposiums an der Taiwan National University und der Taiwan National Normal University sowie aller Teilnehmer lässt sich das Interesse und die Absicht ablesen, die Herausforderungen, die bei der Entwicklung von Prozessen hinsichtlich einer gerechten, fairen und ausgewogenen nachhaltigen Zukunft für alle Menschen vor uns liegen, voller Energie und Optimismus in Angriff zu nehmen. Ich bedanke mich von Herzen bei allen, die das erste Symposium von KLASICA, bei dem ich sehr viel gelernt habe, mit ihrer harten Arbeit zu einem derartigen Erfolg geführt haben!

Für weitere Informationen zu KLASICA besuchen Sie die Website: http://klasica.org

Foto oben:

Yuan-Chang Cheng

Global Change Research Center, Taiwan National University

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