Headline: Kann die G20 eine globale Energiewende vorantreiben?

Am 4. und 5. September wird der G20-Gipfel in Hangzhou, China, stattfinden. Während die G20 zunächst als ein Dialog- und Kooperationsforum zur Prävention von Finanzkrisen gegründet wurde, steht seit ein paar Jahren auch die Förderung einer nachhaltigen Energieversorgung auf der Agenda. Einige wichtige Schritte konnten bereits unternommen werden. Für eine globale Energiewende reichen diese aber bei weitem noch nicht aus. Die deutsche G20-Präsidentschaft 2017 bietet nun die Möglichkeit, das Ambitionsniveau zu steigern.   

Die G20 vereinigt Staaten, die für eine globale Energiewende von zentraler Bedeutung sind. Die G20-Mitglieder sind für mehr als drei Viertel der globalen Energienachfrage und der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig gehören mit Deutschland, Japan, Frankreich und den USA die mit Abstand größten bilateralen Geber internationaler Entwicklungszusammenarbeit im Energiesektor zu den G20. Und auch auf internationale Organisationen wie die Weltbank oder die Internationale Energieagentur haben die G20-Mitglieder einen großen Einfluss. Wenn sich die G20 auf gemeinsame Schritte einigt, kann dies von zentraler Bedeutung für eine globale Energiewende sein.

Die Energie-Agenda der G20

Seit dem Jahr 2009 befasst sich die G20 mit Energiethemen. Die G20-Mitglieder erklärten damals, schädliche und ineffiziente Subventionen für fossile Energie abzubauen. Diese Formulierung lässt zwar einige Hintertürchen offen, z.B. für vermeintlich effiziente Subventionen(siehe dazu auch eine umfassende Analyse meines Kollegen Andreas Kraemer). Dennoch setzte dies international ein wichtiges Signal. Zunächst wurden internationale Organisationen mit Analysen zum Umfang bestehender Subventionen beauftragt. Anschließend verabschiedeten die G20 Richtlinien für einen freiwilligen Peer-Review. China und die USA werden nun die ersten Regierungen sein, die Ergebnisse des Peer-Reviews veröffentlichen. Deutschland, Mexiko und Indonesien werden folgen.

Seit im Jahr 2012 eine eigene Energie-Arbeitsgruppe unter der G20 eingerichtet wurde, hat sich auch das Spektrum ihrer energiepolitischen Zusammenarbeit deutlich verbreitert. Die Energy Sustainabilility Working Group widmet sich neben dem Abbau von Subventionen für fossile Energie vor allem drei Themen: dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Förderung von Energieeffizienz und dem Zugang zu Energie. Damit spiegelt die Energie-Arbeitsgruppe das Zieldreieck der UN-Initiative Sustainable Energy for All (SE4All) und des im letzten September verabschiedeten UN-Nachhaltigkeitsziels zur weltweiten Energieversorgung wider. Um den weltweiten Ausbau Erneuerbarer voranzutreiben, arbeitet die G20 eng mit der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) zusammen. Im Mittelpunkt eines im letzten Jahr beschlossenen Arbeitsprogrammes stehen die Analyse von Technologiekosten sowie die Integration variabler erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne. Im Bereich Energieeffizienz kooperiert die G20 mit der International Partnership for Energy Efficiency Cooperation (IPEEC). Ein erster Aktionsplan wurde 2014 verbschiedet und befasst sich unter anderem mit den Bereichen Transport, Gebäude und Industrie. Die Zusammenarbeit wurde nun unter der chinesischen Präsidentschaft auf weitere Bereiche ausgedehnt. Die Tätigkeiten der G20 zur Verbesserung des weltweiten Energiezugangs werden von SE4All koordiniert. Während sich diese zunächst auf die Region Subsahara-Afrika konzentrierten (siehe auch unsere IASS Studie „Zukunft der Energieversorgung in Afrika“), wurden sie nun auf die Region Asien-Pazifik ausgedehnt.

Eine globale Energiewende: ein ambitioniertes Unterfangen für die deutsche G20-Präsidentschaft 2017

Unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 wird die Bundesregierung die Möglichkeit haben, die Energie-Agenda der G20 maßgeblich zu beeinflussen. Dabei wird sie vor allem auf die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens drängen und sich für mehr Erneuerbare und Energieeffizienz einsetzen. Wie Rainer Baake, Staatssekretär in Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in einem Gastbeitrag in der Wochenzeitung DIE ZEIT eindrucksvoll untermauerte, strebt die Bundesregierung eine globale Energiewende an. Er macht deutlich, dass Erneuerbare und Energieeffizienz zwar zentrale Säulen einer globalen Energiewende seien, jedoch allein nicht ausreichten. Um das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, brauchen wir laut Baake nämlich eine weltweite Ausstiegsstrategie aus den klimaschädlichen Energieträgern Kohle, Öl und Gas. Davon sind wir bislang noch weit entfernt.

Erneuerbare Energien haben in den letzten Jahren einen beachtlichen Ausbau erlebt. Der Bericht Global Trends in Renewable Energy Investments 2016 zeigt dies sehr deutlich. Weltweite Investitionen in erneuerbare Energien – die umstrittene Großwasserkraft wird in dieser Studie nicht dazu gezählt –haben sich von 2004 bis 2015 mehr als versechsfacht. Mit 286 Milliarden US-Dollar wurde 2015 mehr als doppelt so viel in sie investiert wie in Kohle und Gas. Und der Bericht REThinking Energy 2014 unterstreicht, dass sich im Jahr 2013 erstmals eine Trendumkehr beim weltweiten Zubau von neuen Stromerzeugungskapazitäten abzeichnete: Erneuerbare stellten mit 58% die Mehrheit.

Wenn man allein die Ausbauzahlen der Erneuerbaren betrachtet, verliert man jedoch leicht aus dem Blick, dass die weltweite Energieversorgung nach wie vor von konventioneller Energie dominiert wird. Nach Zahlen des Renewables Global Status Report 2016 stellten moderne erneuerbare Energien im Jahr 2014 nur etwas mehr als 10 Prozent der globalen Energieversorgung. Fossile Energieträger und Atomkraft kamen dagegen auf mehr als 80 Prozent. Und traditionelle Biomasse, wie z.B. Feuerholz, kam mit knapp 9 Prozent fast auf den gleichen Anteil wie moderne erneuerbare Energien. Selbst in der weltweiten Stromversorgung, in der der Ausbau Erneuerbarer vergleichsweise weit fortgeschritten ist, entfielen 2015 mehr als drei Viertel der Versorgung auf nicht-erneuerbare Quellen. Die erneuerbare Stromversorgung basierte vor allem auf Wasserkraft. Andere Erneuerbare stellten lediglich 7,1 Prozent.

Für die Zielsetzung des Pariser Klimaabkommens ist ein Umbau der weltweiten Energieversorgung unabdingbar. Schließlich ist der Energiesektor für zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Um die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu beschränken, darf ein großer Teil der weltweit vorhandenen Kohle-, Öl- und Gasvorkommens nicht mehr gefördert werden. Hierfür einen internationalen Konsens zu erreichen, ist natürlich sehr schwierig. Schließlich liegt es nicht im ökonomischen Eigeninteresse der Produzentenstaaten, ihre Vorkommen unter der Erde zu lassen.

Mit Deutschland übernimmt ein Land die Federführung in der G20, das sowohl innerhalb seiner Landesgrenzen als auch mit seiner internationalen Politik eine sehr progressive Energiewende-Politik verfolgt (siehe hierzu auch unsere Studie zur deutschen Energiewende in internationaler Perspektive). Die Bundesregierung sollte die Präsidentschaft 2017 daher für eine ambitionierte G20 Energie-Agenda nutzen. Neben der Klimaverträglichkeit der globalen Energieversorgung sollte sie vor allem auch im Kern-Bereich der G20 – den Wirtschafts- und Finanzfragen – auf einen schnellen und umfassenden Umbau der globalen Energieversorgung drängen. Denn Investitionen in fossile Energien sind nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern aufgrund der Gefahr von verlorenen Investitionen (stranded assets) auch zunehmend ein Risiko für finanzielle Stabilität.

In unserem Arbeitsbereich zur globalen Energiewende widmen wir uns in den nächsten Monaten ausführlich G20-Energie-Themen. Unter anderem werden wir Ende des Jahres eine Sammelstudie herausgeben, welche Energie-Trends und energiepolitische Prioritäten in zentralen G20-Staaten beleuchtet. Darin möchten wir einerseits aufzeigen, wie heterogen die Entwicklungen innerhalb der G20 sind. Andererseits möchten wir aber auch zeigen, dass in den verschiedensten Ländern wichtige Impulse für eine nachhaltige Energieversorgung gesetzt werden – auch dort, wo man sie vielleicht gar nicht erwartet.

Bild oben: istock/idealistock

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