Headline: Bodenschutz: eine Feldmission in Kenia

Als ich Mitte November 2015 meine Reise nach Kenia antrat, wusste ich nicht, was dort kulturell auf mich zukommen würde. Beim Anflug auf Kisumu, eine Stadt am Ufer des Viktoriasees, sieht man eine üppig grüne Landschaft, die sich erstreckt, so weit das Auge reicht. Niemand würde vermuten, dass diese Region schwer unter Bodendegradation zu leiden hat. Doch die Böden hier und die Menschen, die sich mit Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen, brauchen dringend Hilfe. Unter diesen Umständen ist nachhaltige Bodenrehabilitierung das Mittel der Wahl.

Unterschiedliche Süßkartoffelsorten bei einer Ausstellung des Bukura Agricultural Training Centre. An der Veranstaltung nahm auch eine Delegation der GIZ Bonn teil. © Fanny Saß
Unterschiedliche Süßkartoffelsorten bei einer Ausstellung des Bukura Agricultural Training Centre. An der Veranstaltung nahm auch eine Delegation der GIZ Bonn teil. © Fanny Saß

Der Verlust fruchtbarer Böden gefährdet den Lebensunterhalt der Bedürftigsten

Bodenrehabilitierung ist ein Ansatz zur Wiederherstellung degradierter Böden. Viele Regionen weltweit, vor allem in Asien und Afrika, sind von Bodendegradation bedroht und bereits betroffen. Noch dazu gefährdet der Verlust fruchtbarer Böden den Lebensunterhalt der Bedürftigsten – insbesondere der armen und benachteiligten Kleinbauern. Techniken des nachhaltigen Landmanagement (SLM) können einen Beitrag zur Bekämpfung der Bodendegradation leisten und die Basis für langfristige Ernährungssicherheit schaffen. Im Rahmen der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beschäftigt sich das IASS in einem begleitenden Forschungsprojekt mit Bodenschutz und Rehabilitierung für Ernährungssicherheit. Das Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ durchgeführt wird, umfasst fünf Länder: Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Kenia und Indien. Mehrere ausgedehnte Feldmissionen sollen in jedem dieser Länder relevante Forschungsdaten sammeln. Die zweite Mission in Kenia fand Ende 2015 statt, und ich hatte die Möglichkeit, das Forschungsteam zu begleiten.

Von Kisumu gelangt man nach einer anderthalbstündigen Autofahrt nach Kakamega, wo ich mich einen Monat aufhielt und eng mit unserer kenianischen Kollegin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin Serah Kiragu zusammenarbeitete. Im Rahmen unserer Forschungstätigkeit befragten wir Kleinbauern zu verschiedenen nachhaltigen Landmanagementtechniken wie Zwischenfruchtbau mit stickstoffbindenden Sträuchern und Bäumen, Agroforstwirtschaft und bodenverbessernde Maßnahmen wie Kalkung. Wir wollten beurteilen, was verschiedene Projekte zur Förderung von nachhaltiger Bodenbewirtschaftung in der Vergangenheit bewirkt hatten und wie die Ergebnisse in der Dorfgemeinschaft wahrgenommen wurden. Die Mehrheit der Bauern, mit denen wir sprachen, hatte an Projekten zur Förderung nachhaltiger Bodenbewirtschaftung teilgenommen. Unsere Fragen konzentrierten sich auf ihre Erfahrungen mit diesen Projekten: Was sie gelernt hatten, wie sie geschult wurden und was im Anschluss an die Projekte geschah.

Fokusgruppendiskussion mit Bauern, die an einem Projekt zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung teilgenommen haben. © Fanny Saß
Fokusgruppendiskussion mit Bauern, die an einem Projekt zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung teilgenommen haben. © Fanny Saß

„Die Schulung war gut. Aber wenn es noch mehr Schulungen gäbe, wüssten wir das zu schätzen.“

Es folgen Auszüge aus Interviews mit Bauern, die an einem Projekt zur Förderung des Sojaanbaus teilnahmen (N2Africa – Stickstoffbindung in der Praxis für Kleinbauern in Afrika):

  • IASS: Könnten Sie uns kurz erzählen, wie Sie zu dem Sojaprojekt gekommen sind? Haben Sie schon vor dem Sojaprojekt einer Gruppe angehört?
  • Antwort: Bevor wir teilnahmen, waren wir in anderen Gruppen. Aber da war ein Mann, der vorbeikam und uns sagte, der Mais, den wir anbauten, gedeihe nicht gut, weil der Boden sehr sauer ist. Er empfahl uns, Leguminosen anzubauen, um den Säuregehalt auszugleichen und die überschüssige Säure im Boden abzubauen.
  • IASS: Was haben Sie über den Umgang mit Unkraut und Schädlingen gelernt?
  • Antwort: Soja ist eine widerstandsfähige Feldfrucht, die nicht besonders unter Schädlingen und Krankheiten zu leiden hat; deshalb gehörte das nicht zur Schulung. Wir hörten nur, dass wir unsere Felder unkrautfrei halten sollten.
  • IASS: Haben Sie etwas über Zwischenfruchtbau gelernt?
  • Antwort: Ja. Wir haben erfahren, dass ein Zwischenfruchtbau mit Soja und anderen Feldfrüchten möglich ist, also baue ich ihn in Mischkultur mit Mais und Zuckerrohr an. Aber ich habe bemerkt, dass Sojabohnen auch sehr gut gedeihen, wenn man sie allein anbaut.
  • IASS: Wie war die Schulung an sich? Gibt es etwas, das man hätte besser machen können?
  • Antwort: Wir würden gern an weiteren Schulungen über alles, was mit Soja zusammenhängt, teilnehmen – vom Anbau bis zur Verarbeitung und Vermarktung. Die Schulung war gut. Aber wenn es mehr Schulungen gäbe, wüssten wir das zu schätzen. Wir hätten auch gern längere Schulungsprogramme und mehr Austausch während der Einheiten. Dann gab es Versprechungen, die nicht gehalten wurden. Sie haben versprochen wiederzukommen, aber wir haben sie bis jetzt nicht wiedergesehen.

Die Kosten für Saatgut und Dünger können den Fortschritt behindern

In den meisten Fällen konnten die Bauern ihre Arbeit mit den neu gelernten Techniken fortsetzen, nachdem die Geldgeber weitergezogen waren, und wegen der verbesserten Bodenqualität stiegen die Erträge. Bei einem von der AGRA (Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika) initiierten Projekt, das für nachhaltige Bodenbewirtschaftung bei der Maisproduktion warb, hörten wir zum Beispiel von vielen teilnehmenden Bauern, dass sie heute höhere Erträge haben – ein Bauer konnte sogar seine Erträge verdreifachen – und infolgedessen größere Einkommenssicherheit genießen. Aber das erreichte Produktionsniveau kann langfristig meist nicht gehalten werden. Die Ernteerträge nehmen im Lauf der Zeit tendenziell leicht ab, weil sich viele Bauern das teure Saatgut und die Düngemittel nicht leisten können, die von den Entwicklungsinitiativen beworben werden.

Ein anderes Projekt (N2Africa) setzte den Anbau von Sojabohnen ein, um Stickstoff im Boden zu binden und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Die Teilnehmer dieses Projekts ziehen immer noch Nutzen aus dem Ansatz, wissen aber nicht recht, wie sie ihre Ernte am besten weiterverarbeiten können. Manche verarbeiteten die Bohnen zu Sojamehl, um es auf dem Markt zu verkaufen, andere stellten Sojamilch für den Hausgebrauch her. Aber der Verkauf lief nicht gut, weil Sojamehl in der kenianischen Küche noch unbekannt ist. Zu diesem Projekt, das von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung finanziert wurde, erklärten uns die Teilnehmer, sie hätten gern weitere Schulungen zur Verarbeitung und Vermarktung von Soja erhalten. Diese Einblicke legen nahe, dass Entwicklungsprojekte zur Bodenbewirtschaftung viel erreichen, die Nachhaltigkeit der Ergebnisse aber noch Probleme aufwirft. Und doch werden auch absolut ganzheitliche Ansätze Mühe haben, alle Herausforderungen der nachhaltigen Bodenbewirtschaftung und der langfristigen Ernährungssicherheit zu bewältigen. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, hatten allesamt mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen und unter Korruption und schwachen Institutionen zu leiden.

Eine Bäuerin zeigt ihre Felder und erklärt die bodenverbessernden Maßnahmen, die sie während des Projekts gelernt hat (Zwischenfruchtbau; richtiges Unkrautjäten; Gründüngung usw.) © Fanny Saß
Eine Bäuerin zeigt ihre Felder und erklärt die bodenverbessernden Maßnahmen, die sie während des Projekts gelernt hat (Zwischenfruchtbau; richtiges Unkrautjäten; Gründüngung usw.) © Fanny Saß

Bauern beobachten bereits Auswirkungen des Klimawandels

Die Interviews wurden hauptsächlich in Swahili und Luhya durchgeführt, der Sprache der zweitgrößten ethnischen Gruppe in Kenia, die in der Region vorrangig gesprochen wird. Bei unserer Ankunft auf den kleinen Gehöften wurden wir von den Bauern stets mit einem herzlichen „Karibu“ (willkommen auf Swahili) begrüßt, während sich ihre Kinder neugierig über den seltenen Anblick einer „Mzungu“- (hellhäutigen) Besucherin - freuten. In der Regel ließen wir uns zu dem Interview im Schatten eines großen Baumes nieder. Anschließend führten uns unsere Gastgeber über ihr Anwesen und wanderten oft mit uns durch die leichten Schauer, die für die „Kurzregenzeit“ der Region typisch sind. Wir erfuhren, dass der Regen für die Feldfrüchte ebenso essenziell ist wie für die Menschen, die sie anbauen, weil sie von den lokalen Klimabedingungen abhängig sind und nicht auf Bewässerung oder andere kostspielige Interventionen zurückgreifen können. Die Bauern haben in den letzten Jahren bereits eine Veränderung der Niederschlagsmuster beobachtet, darunter auch das Auftreten ausgedehnter Trockenperioden. Bodendegradation ist eng mit dem Klimawandel verflochten und es liegt auf der Hand, dass die Region schwer in Mitleidenschaft gezogen wird, sobald sich die Situation verschlimmert.

Die meisten Bauern, die wir befragten, waren kooperativ, freundlich und gern bereit, uns ihre Erfahrungen mitzuteilen. Wir erfuhren, welche Faktoren die Umsetzung der gelernten Kenntnisse zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung erleichtern und welche Hindernisse dem langfristigen Erfolg im Wege stehen. Teilweise haben diese Hindernisse mit der finanziellen Lage und der Bildung der Bauern zu tun. In anderen Fällen fehlen den Bauern einfach die nötigen Mittel. Die zugrundeliegenden Ursachen für die geringe Akzeptanz nachhaltiger Methoden des Landmanagements sind höchst komplex und können kultur-, geschlechts- oder sogar infrastrukturbedingt sein, um nur einige Faktoren zu nennen. Wie sensibel diese Fragen sind, zeigte sich, als wir sie mit Unterstützung durch unseren wissenschaftlichen Mitarbeiter und Übersetzer William Onura diskutierten. Mit seiner Hilfe konnten wir die interkulturellen Kommunikationsbarrieren überwinden, authentische Einblicke gewinnen und herausfinden, worum es wirklich geht.

Aus meiner Sicht lieferte dieser Ansatz, angesichts des engen Zeitrahmens und des kulturellen Kontexts, die bestgeeignete Methode für die Forschungsfrage. Dank der Interviews erhielten wir Aussagen und Anregungen von den Menschen, die am meisten unter geschädigten Böden zu leiden haben: Kleinbauern und ihre Familien. Die Zeit, die wir mit ihnen verbrachten, vermittelte uns einen Eindruck von ihrer Arbeit, ihrem Alltag, ihren Erfolgen und den Problemen, vor denen sie stehen. Mit den auf dieser Feldmission gesammelten Daten kehrte ich auf beruflicher ebenso wie auf persönlicher Ebene bereichert zurück. Die Interviews werden viel zum weiteren Verlauf des Projekts beitragen, das günstige Bedingungen für nachhaltige Bodenbewirtschaftung in diesen Kontexten untersucht und nach Wegen zur Überwindung von Hindernissen für deren breite Nutzung sucht.

Foto oben: IASS-Forscherinnen mit Kleinbauern, die für dieses Projekt interviewt wurden. © Fanny Saß

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