Headline: Klimaschutz in den Städten

Auf Ballungsräume entfallen mehr als 70 Prozent der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Kraftstoffe. Wenn die 50 Städte mit den höchsten Emissionen ein Land wären, würden ihre Emissionen global auf Platz drei stehen, hinter China und den Vereinigten Staaten. Städte haben aber nicht nur großen Einfluss auf den wachsenden CO2-Anteil in der Atmosphäre, sie sind auch Wärmeinseln. Eine Wärmeinsel entsteht einerseits durch die Abwärme, die von Autos, schlecht isolierten Gebäuden und Industrieanlagen ausgeht, andererseits durch die Wärme, die in den künstlichen Oberflächen unserer Städte gespeichert und wieder abgestrahlt wird. Infolge dieser beiden Phänomene sind Stadtbewohner einer doppelten Hitzebelastung ausgesetzt, die bei Hitzewellen noch zunimmt.

Die Yale University organisierte kürzlich einen Workshop, der sich mit der zweifachen Herausforderung für Städte beschäftigt: Minderung von Treibhausgasemissionen und lokale Klimaeffekte. Ich stellte dort in einer Präsentation den Klima- und Kohlenstoffkreislauf von Städten dar und beteiligte mich an der Podiumsdiskussion. Der Workshop brachte führende Forscher und Praktiker zusammen, die sich für den urbanen Klimaschutz einsetzen. Eine neue weltweite Studie zum Hitzeinseleffekt zeigt, dass sich der Effekt bei wärmerem Klima verstärkt. Der Temperaturunterschied zwischen städtischen und ländlichen Gebieten beträgt im Norden 0,4-1,7 Grad Celsius, in tropischen Breiten hingegen 8,9-12,9 Grad Celsius. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Hitzeinseleffekt abzuschwächen, unter anderem kann man Dächer weiß streichen oder begrünen. Inwieweit solche Maßnahmen die Erwärmung ausgleichen können, hängt von der geografischen Lage der Stadt ab. Zwar ist bekannt, dass Städte für den Löwenanteil der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen verantwortlich sind, aber im Workshop wurde zum ersten Mal gezeigt, dass die Auswirkungen der Urbanisierung auf den globalen Kohlenstoffkreislauf, der maßgebend für das Fortdauern des Lebens auf unserem Planeten ist, darüber hinausgehen. Stadtbewohner schaffen neue Kohlenstoffspeicher in Form von Gebäuden und Mülldeponien und kontrollieren damit einen ansehnlichen Teil des CO2-Flusses zwischen der Atmosphäre und dem Land.

Der Workshop fand in der chinesischen Hauptstadt Peking im unlängst eröffneten Yale China Center statt. Für den Großteil des Jahres mit einer dicken Smogschicht bedeckt, verdeutlicht diese Megacity mit ihren 20 Millionen Einwohnern die Probleme, vor denen viele Bewohner der wachsenden Städte unseres Planeten künftig stehen könnten, wenn nicht rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz von Klima und Luft ergriffen werden. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, hat China einen zentralen Plan zur nachhaltigen Entwicklung eingeführt. Kohlenstoffarm, grün und Öko werden derzeit in China zu Modewörtern. Unter anderem sieht die Strategie vor, die Nutzung fossiler Energieträger, vor allem Kohle, zurückzufahren. In Zukunft wird man in China auf vielfältigere Energieträger zurückgreifen, wie Atomkraft, Wasser, Gas, Kohle und Erneuerbare, wobei auf die Atomkraft der größte Anteil entfällt. Zur Rechtfertigung dieser Entscheidung erklären die Chinesen, die mit Atomkraft verbundenen Gefahren seien geringer als bei anderen Energieträgern, und ganz besonders beim Kohlebergbau.

Die Weltbank hat politische Empfehlungen für chinesische Städte herausgegeben, in denen sie die Schaffung eines einheitlichen, dynamischen Marktes für den Kauf und Verkauf von Land anregt sowie den Bau von kleineren, feiner strukturierten Wohnblocks anstelle von "Superblocks", integrierte Landnutzung und Verkehrsplanung und eine Neudefinierung der Rolle der Regierung auf dem Markt für den Kauf und Verkauf von Land. Bei der Debatte um die Implementierung sahen die Podiumsteilnehmer die Haupthindernisse, die der Umsetzung dieser vernünftigen Anregungen im Wege stehen, in der Finanzierung (zwei Drittel der kommunalen Steuern gehen an die Zentralregierung) und in der Inkompetenz der städtischen Behörden, die einfach nicht wissen, wie man diese Ideen realisieren kann. Vorgehen und positive Erfahrungen städtischer Verwaltungsbehörden bleiben häufig unbeachtet und werden nicht weitergegeben.

Es gibt aber durchaus einige gute Beispiele. Maßnahmen zur Begrenzung des privaten Pkw-Verkehrs in Städten (etwa die Lotterie, mit der in Peking Zulassungen für ein eigenes Auto verteilt werden) und die Förderung von Fahrrad- und Rollernutzung sind weit verbreitet. Nach Angaben der chinesischen Niederlassung des Natural Resources Defence Council (NRDC), die sich für die Umsetzung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion engagiert, ist die Stadt Hangzhou zurzeit weltweit Spitzenreiter im öffentlichen Fahrradverleih: Hier mieten täglich 400.000 Menschen ein Rad. Programme zum Abfallrecycling, zur Wiederverwendung von Kleidung und so weiter wurden in den südlichen Provinzen eingeführt, die seit jeher von der Zentralregierung weniger unter Druck gesetzt werden.

Das Institute for Sustainable Communities unterstützt mehrere Kommunen vor Ort bei den erwähnten Aktivitäten. Es ist zwar nicht neu, dass Städte vor der zweifachen Herausforderung stehen, um die es in diesem Workshop ging, das ganze Ausmaß der damit verbundenen Probleme und ihre Folgen für die Lebensqualität von Stadtbewohnern wurde mir aber erst nach diesem Workshop klar, der vernünftigerweise in einer bereits überbevölkerten, immer noch wachsenden Stadt mit hoher Luftverschmutzung stattfand. Der Dialog zwischen Wissenschaftlern, die Wechselwirkungen zwischen Urbanisierung und Klimawandel untersuchen, Organisationen, die lokal über umweltfreundliche Verfahren beraten, und Praktikern, die diese Verfahren umsetzen, muss weitergehen, um dafür zu sorgen, dass auch in den Städten der Zukunft das Leben noch angenehm ist. In dieser Hinsicht ist der Klimagipfel für lokale Entscheidungsträger bei der COP21 im Dezember ein wichtiges Ereignis. Bürgermeister werden dort ambitioniertere Ziele bezüglich der Reduktion von CO2-Emissionen in Städten setzen und diskutieren, wie diese Ziele erreicht werden können, unter anderem mit Maßnahmen im Verkehr, Bau, innovativen und klugen Infrastruktur-Netzwerken, Wassernutzung und Entsorgung.

Foto: Galina Churkina

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