Headline: Mehr Radverkehr zur Verbesserung der Luftqualität in Berlin und Potsdam – eine Modellstudie

Radfahren – das tut gut! Nicht nur unserer Gesundheit, unserer Seele und unserem Portemonnaie, sondern auch dem Klima und der Luftqualität. Wie viel genau hilft es der Luftqualität, wenn eine Stadt, oder gar ein Land, die Bevölkerung dazu inspiriert, das Auto stehen zu lassen und stattdessen aufs Fahrrad zu steigen? Bislang ist diese Frage kaum erforscht, am IASS wollen wir mit einer neuen Studie Antworten finden.

Denn eines ist klar: Luftverschmutzung ist der Umweltfaktor, der momentan am stärksten dazu beiträgt, dass Europäer frühzeitig sterben. In der EU gibt es zwar weitreichende Regulierungen, die für gute Luftqualität sorgen sollen. Allerdings sind wir dennoch weit entfernt von einer Luftqualität, die niemandem schadet. Dies gilt insbesondere für Städte: Während 2012 immerhin 10 bis 14% der städtischen EU-Bevölkerung einer Feinstaubbelastung[1] ausgesetzt war, die die europäischen Grenzwerte überschreitet, waren sogar mehr als 90% einer Luftqualität ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation als gesundheitsschädlich einstuft. Auch in Berlin und Potsdam werden an einigen Stellen noch regelmäßig Grenzwerte überschritten.

Warum helfen besonders Maßnahmen im Verkehrsbereich, unsere Luftqualität zu verbessern?

Emissionen aus dem Verkehr – also „das, was aus dem Auspuff kommt” – sind in Städten ein Hauptverursacher der Luftverschmutzung. Beispielsweise tragen sie ungefähr zwei Drittel zu Stickstoffdioxidkonzentrationen (NO2) in der Luft bei, die unter anderem unsere Atemwege schädigen. Europaweit wurden 90% aller NO2-Grenzwertüberschreitungen an verkehrsnahen Messstationen beobachtet.[2]

Maßnahmen wie die Einführung der Umweltzone haben bereits geholfen, die Luftqualität in vielen Städten zu verbessern. Allerdings sind weitere zusätzliche Maßnahmen notwendig, um die Emissionen aus dem Verkehr langfristig zu reduzieren. In vielen Luftreinhalte- und Mobilitätskonzepten verschiedener Städte spielt der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bereits eine Rolle. Jedoch wird der Einfluss auf die Luftqualität von individuellen Maßnahmen, die den Radverkehr fördern, meist nicht untersucht.

Gibt es nicht bereits Studien zu dem Thema?

Es gibt wenige Studien, die untersuchen, wie sich der Umstieg vom Auto aufs Rad auf die Luftqualität auswirkt. Alles, was in der begutachteten wissenschaftlichen Literatur zu finden ist, bezieht sich meistens darauf, wie sich Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Radfahrer auswirkt, oder auf Vorteile für die Gesundheit, wenn Autofahrten im Allgemeinen mit alternativen Transportarten ersetzt werden. Es gibt noch keine wissenschaftliche Studie, die quantifiziert, wie wir durch mehr Radfahren und weniger Autofahren die Luftqualität verbessern können.

Was ist jetzt unser Beitrag?

Im Rahmen verschiedener Aktivitäten im Zusammenhang mit der Luftqualität in der Berlin-Brandenburg-Region planen wir am IASS gerade eine Studie, die helfen soll, diese Lücke zu schließen: Wir wollen untersuchen, wie viel erreicht werden kann, wenn Autofahrten in Berlin und Potsdam in einem gewissen Maße durch Radfahrten ersetzt werden. Die Modellstudie ist ein Teil meiner Doktorarbeit, an der ich seit kurzem arbeite.

Für die Studie arbeiten wir zusammen mit lokalen Partnern, um Szenarien für Berlin und Potsdam zu entwerfen. Diese wollen wir dann mit dem Atmosphärenmodell „WRF-Chem“ berechnen. Der Vorteil eines solchen Modells ist, dass viele wichtige und komplexe Prozesse in der Atmosphäre mit berücksichtigt werden: Schadstoffe werden von den lokalen Emissionen beeinflusst, interagieren jedoch auch mit anderswo ausgestoßenen Stoffen, die nicht unbedingt der Verkehr verursacht. Hinzu kommt, dass diese Prozesse gleichzeitig von den Wetterbedingungen beeinflusst werden.

Die Szenarien, die wir auf diese Art simulieren wollen, sollen abbilden, was die Ober- und Untergrenzen für eine Verbesserung der Luftqualität durch einen Umstieg vom Auto aufs Rad sind. Sie sollen also die Spanne zwischen einem optimistischen und einem pessimistischen Szenario darstellen. Wir werden dann untersuchen, wie dies dazu beitragen kann, europäische Grenzwerte einzuhalten und was der damit einhergehende Vorteil für die Gesundheit ist. Außerdem wollen wir feststellen, ob und wie die Schlussfolgerungen für Berlin und Potsdam auf andere städtische Gebiete in Europa übertragen werden können. Wir hoffen, dass die Ergebnisse insgesamt helfen werden, ein klareres Bild davon zu bekommen, welche Luftqualitätsziele erreichbar sind, wenn Autofahrten in Städten durch Radfahrten ersetzt werden.

Header photo: istock/Eldad Carin

[1] Feinstaub ist definiert als Partikel mit einem Durchmesser unter 2.5 µm.

[2] Eigene Berechnung mit Daten aus AirBase - The European air quality database, version 8.

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