Headline: Saubere Luft in der Stadt: Die besten Bäume für niedrige Ozonwerte

Zurzeit schaffen viele Städte zusätzliche Grünflächen und pflanzen Bäume. Die wachsenden Anstrengungen, Grünflächen im städtischen Raum zu vermehren, wie sie sich zum Beispiel in verschiedenen ‘Million-Tree’-Kampagnen zeigen, bringen den Stadtbewohnern viele Vorteile. Eine Senkung der Sommertemperaturen, zusätzliche Freizeitmöglichkeiten und Regenwasserbewirtschaftung gehören zu den Beweggründen hinter solchen Programmen. Zwar sprechen vielfache Vorteile für die mehr Grünflächen, die Programme lassen aber häufig die drastischen Unterschiede zwischen städtischen und natürlichen Ökosystemen außer Acht und übersehen mögliche Nachteile der urbanen Durchgrünung.

Manche Baumarten und Rasenmähen fördern die Bildung von Ozon

Für Städte typisch ist der hohe Ausstoß anthropogener Luftschadstoffe aus Automobilen, der Industrie und Kraftwerken, den es in unberührten Ökosystemen nicht gibt. Das hat potenziell negative Folgen für die Luftchemie, weil Emissionen flüchtiger organischer Substanzen (VOCs) aus einigen beliebten Stadtbäumen – zum Beispiel Pappel, Platane und Schwarzer Tupelobaum – bodennahes Ozon produzieren, wenn sie mit anthropogenen Emissionen von Stickstoffoxiden (NOx) in Kontakt kommen. Bei Kommunen, die ihre Grünflächen aktiv vergrößern, ist diese Botschaft teilweise noch nicht angekommen. Das überrascht, weil die Grundlagenchemie, die hinter diesen Wechselwirkungen steht, seit Jahrzehnten bekannt ist und wissenschaftliche Untersuchungen in Stadt- und Vorstadtgebieten nach wie vor einen Zusammenhang zwischen VOC-Emissionen aus Pflanzen und erhöhten Ozonwerten in Bodennähe sehen. Ozon wird mit weltweit jährlich einer Million Todesfällen infolge von Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht und führt zudem dazu, dass weltweit Ernteerträge im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar verloren gehen. Sich erhärtende wissenschaftliche Belege für biogene Ursachen der Konzentration von bodennahem Ozon in Stadt- und Vorstadtgebieten untermauern unsere Ansicht, dass Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und urbanen Umgebungsbedingungen bei allen Anstrengungen, eine „Naturopolis“ zu schaffen, berücksichtigt werden müssen.

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Politische Maßnahmen, die eine Reduzierung von bodennahem Ozon in Stadt- und Vorstadtgebieten anstreben, müssen eine massive Absenkung der NOx-Werte erwägen. NOx sind eine Familie hochreaktiver Gase, darunter Stickstoffoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2), die bei Verbrennungsprozessen entstehen. Quellen für anthropogenes NOx sind Autos, Lastwagen und verschiedene andere Fahrzeuge (wie Baumaschinen, Schiffe und Flugzeuge) sowie Kraftwerke, Zementöfen usw. Unter Sonneneinstrahlung reagieren NOx mit VOC und produzieren Ozon. Die Reaktionsgeschwindigkeit wächst mit steigenden Lufttemperaturen. Die Begrenzung von VOC-Emissionen aus biogenen und anthropogenen Quellen sollte ins Auge gefasst werden, bis die NOx-Konzentrationen in Stadt- und Vorstadtgebieten zurückgegangen sind. Größere Anpflanzungen bestimmter Baumarten, die bekanntermaßen hohe Mengen an biogenen flüchtigen organischen Substanzen (BVOC) freisetzen, wie Pappel und Eukalyptus, sollten in Stadt- und Vorstadtgebieten gegebenenfalls verboten werden. Überdies könnte eine Verkleinerung der Rasenflächen in den Städten zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. In manchen Ländern sind große Flächen mit Rasen bedeckt, der bei warmem Wetter mindestens einmal die Woche gemäht wird. Die sauerstoffreichen BVOC, die frisch geschnittenes Gras aufgrund verwundungsaktivierter Verteidigungsmechanismen freisetzt, können ebenfalls zur Produktion von Ozon führen. Ersetzt man Rasen durch Vegetation mit geringem Pflegebedarf (zum Beispiel Wiesenblumen, Sträucher oder Xeriscape-Pflanzen), würde dies das Problem mit den Emissionen sauerstoffreicher BVOC lösen.

Zu weiteren Informationen zu diesem Thema siehe Churkina, G., Grote, R., Butler, T.M., Lawrence, M., (2015). ‘Natural selection? Picking the right trees for urban greening’ in: Environmental Science & Policy 47, S. 12–17, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1462901114002068. Auch erhältlich über die IASS-Publikationsdatenbank.

Photo: (c) istock/WoodenDinosaur

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