Headline: Rohstoffe in Handys: Über unsere Arbeit mit Schulen

„Wie viel Energie wird durch das Recycling von Metallen eingespart?“, fragen viele Lehrer in unseren Workshops über einen nachhaltigeren Umgang mit Handys. Die Antwort überrascht sie meist: das Recycling von Aluminium, Palladium oder Silber kann Energie von über 90% gegenüber der Primärproduktion aus dem Bergbau einsparen.  Allein der Abbau der Rohstoffe  macht auf den gesamten Lebenszyklus eines Handys hochgerechnet,  also Abbau, Produktion, Lebensphase und Recycling, über 60 Prozent der benötigten Energie aus. Eigentlich hat jeder schon mal gehört, dass so gut wie alle unsere Konsumgüter aus Grundstoffen hergestellt werden, die mineralische Rohstoffe benötigen - aber die Lehrer kommen nach den Veranstaltungen oft zu uns und bedanken sich, da es ihnen einfach nicht mehr so wirklich bewusst war, dass natürlich auch Metalle zuallererst abgebaut werden müssen.

Ressourcen zum Anfassen: Die Handy-Rohstoffbox. Photo: IASS

Kupfer, Silber, Gold und Palladium – das sind nur einige der wertvollen Metalle, die in Handys stecken. Alle diese Metalle müssen einmal aus Erzen im Bergbau gewonnen werden, beim Abbau und der Verarbeitung kommt es meist zu sozialen und ökologischen Problemen: Die Arbeitsbedingungen sind häufig katastrophal und nicht alle Umweltauflagen, wenn es diese denn gibt, werden eingehalten. Immer neue Abbaugebiete werden geschaffen, Bewohner vertrieben und die Natur plattgemacht - nicht nur daher ist ein sparsamer Umgang mit unseren nur endlich vorkommenden Ressourcen notwendig. Die Schüler sollen durch eine experimentell-spielerische Methodik ohne erhobenen Zeigefinger sensibilisiert werden.

Lehrer erkunden bei einem Workshop in Bochum unsere Handy-Rohstoffbox. Photo: Simon Schneider

Im Rahmen der BMBF-Rohstoffexpedition hatte ich 2012 die Handy-Rohstoffbox entwickelt, um einige Rohstoffe am Beispiel Handy „greifbar“ zu machen. Handys sind  in der Arbeit mit Schülern ein ideales Beispiel für unseren ressourcenintensiven Konsum, da 98 Prozent der Jugendlichen ihr eigenes Handy besitzen und somit einen direkten Bezug zu diesem „coolen“ Alltagsgegenstand haben. In den Lehrerworkshops wird den Lehrkräften gezeigt, wie sie die Rohstoffboxen im Unterricht anwenden können, sowohl für Fachlehrer der Chemie, Geographie und Physik als auch der Sozialkunde und Ethik ist etwas für den Unterricht dabei. Zu den diskutierten Themen gehören der Bürgerkrieg im Kongo (vom Verkauf einiger Minerale wurde dieser mitfinanziert), Kinderarbeit, Umweltzerstörung, aber auch, wie jeder einzelne Konsument sein Handy nachhaltiger verwenden kann (zum Beispiel durch lange Nutzung). Da auch die naturkundlichen Museen an dem Thema sehr interessiert sind, sind wir in engem Kontakt unter anderem mit dem Bergbaumuseum Bochum, dem Naturkundemuseum Berlin und dem Deutschen Museum München. Wir bieten unsere Workshops für Schulen mit der IASS-Rohstoffbox auch dort an. Am besten kommt dabei immer der große Klumpen eines Golderzes an. Diesen habe ich in einer alten Goldmine nach langem Suchen gefunden. Der Stein glitzert ein wenig golden und ist richtig schwer – das beeindruckt die Lehrer und Schüler doch sehr, wenn sie einen Klumpen Golderz selber in den Händen halten!

Headerbild: istock/svetikd

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