Headline: Mehr Wasser für den Nahen Osten, mehr Energie für Europa? Ein vergleichender Blick auf den Wasser-Energie-Nexus

Zugang zu Energie und Süßwasser ist unverzichtbar für eine Gesellschaft, die sich entwickeln und gedeihen will. Diese beiden Faktoren sind insofern voneinander abhängig, als einerseits Energie verbraucht wird, um Süßwasser zu erzeugen, und andererseits Wasser nötig ist, um Energie zu gewinnen. Diese wechselseitige Abhängigkeit ist besser bekannt als Wasser-Energie-Nexus. Zum Beispiel benötigt man 1000-2600 Kilowattstunden, um einen Megaliter brackiges Grundwasser zu fördern und aufzubereiten.[1] Für die Produktion von einem Liter Rohöl werden nach Daten für die Vereinigten Staaten drei bis sieben Liter Süßwasser verbraucht.[2] Das ist problematisch, weil Wasser zwar 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt, der Süßwasseranteil aber nur 2,5 Prozent beträgt. Die Nutzung von Wasser für Energie sollte daher immer aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht werden. Dies ist an wasserarmen Standorten von überragender Bedeutung.

Jede Gesellschaft und jede Region sollte in Bezug auf die Frage „Brauchen wir mehr Wasser oder mehr Energie?“ ihre Prioritäten setzen. Es ist ein kompliziertes Thema, denn in den meisten Fällen werden sowohl mehr Wasser als auch mehr Energie benötigt, beide sind außerdem eng verflochten und garantieren die Verfügbarkeit des jeweils anderen. Dennoch neigen Gesellschaften in vielen Fällen dazu, für die Energieerzeugung wasserintensive Technologien zu nutzen, die gefährdete Wasserressourcen belasten. Zum Beispiel besitzt China nach Angaben des Weltressourceninstituts 1115 Billionen Kubikmeter an technisch förderbaren Schiefergasvorkommen, allerdings befinden sich über 60 Prozent dieser Vorkommen in Gebieten mit extremer Wasserknappheit oder wüstenartigen Bedingungen.[3] Das ist bedenklich, weil die Förderung von Gas aus Schieferschichten bis zu 15 Millionen Liter Wasser pro Bohrloch verbraucht.

Europa besitzt allgemein reichlich Wasser, aber fast keine Lagerstätten mit fossilen Energieträgern, der Kontinent ist also nur in einer Hinsicht reich. Überdies werden bei der Nutzung von importierten Energieträgern und auch in anderen Branchen normalerweise große Wassermengen benötigt, um Energie zu erzeugen. Im Gegensatz dazu ist der Nahe Osten eine Weltregion, die für ihre fossilen Energievorkommen (und auch für ihre geopolitischen Probleme) bekannt ist. Einige Länder verfügen dort über riesige Ölreserven. Eben diese Länder sind auch wasserarm, und ein Großteil ihres Wassers wird durch Meerwasserentsalzung produziert.

Die Bedürfnisse der Region kann man so definieren: Weil in Europa der Zugang zu Süßwasser viel unkomplizierter ist als in Regionen wie dem Nahen Osten, ist meiner Meinung nach eine nachhaltige Wasserwirtschaft wichtig, um diesen Zugang für die nächsten Generationen zu schützen. Überdies besteht die Notwendigkeit, gleichzeitig innovative, umweltfreundliche Technologien zu entwickeln, die mit geringerem Wasserverbrauch Energie erzeugen. Für die Länder des Nahen Ostens sind Schritte zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft noch bedeutsamer, denn die Nutzung der knappen Wasserressourcen muss reguliert werden; zudem werden neue Technologien zur Erzeugung von Süßwasser gebraucht wie die solare Meerwasserentsalzung (Sonnenenergie wird eingesetzt, um Meerwasser zu entsalzen). Überdies sollten diese Länder früher oder später in erneuerbare Energien investieren, und zwar insbesondere in Solarenergie, denn die benötigte Sonne steht zur Verfügung und das Öl der Region wird irgendwann einmal zur Neige gehen.

Quellen:

[1] California Water-Energy Relationship (California Energy Commission, 2005).

[2] Wu, M., und Chiu, Y., “Consumptive Water Use in the Production of Ethanol and Petroleum Gasoline – Update 2011”, Argonne National Laboratory (ANL), 2011.

[3] Reig, P., und Maddocks, A., “40 Percent of Countries with Largest Shale Energy Resources Face Water Stress”, 2014, http://www.wri.org/blog/2014/09/40-percent-countries-largest-shale-energy-resources-face-water-stress

Photo: istock

Kommentare

Gast am 07.01.2015 - 15:53

Ein sehr interessanter Beitrag.
Viele Grüße,
Tom

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