Das ProMUT-Projekt entwickelt Konzepte, um mithilfe der Digitalisierung das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu unterstützen
Das ProMUT-Projekt entwickelt Konzepte, um mithilfe der Digitalisierung das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu unterstützen Shutterstock/Photon photo

Headline: Nachwuchsgruppe ProMUT: Nachhaltigkeitsmanagement 4.0 - Transformative Potentiale digital-vernetzter Produktion für Mensch, Umwelt und Technik

Dauer:
bis

Durch die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsprozessen (Industrie 4.0) hat für die fertigende Industrie eine Phase fundamentaler Transformation begonnen. Im Zentrum des bisherigen Diskurses zu Industrie 4.0 stehen konkrete technische Lösungen, die Verbesserung von Produktivität sowie die Schaffung politischer Rahmenbedingungen, um die Transformation zu unterstützen. Die möglichen ökologischen Konsequenzen der Digitalisierung spielen bisher eine eher untergeordnete Rolle. Dabei ist unbestritten, dass die industrielle Produktion erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) ist der industrielle Sektor allein in Deutschland für nahezu ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs (28 Prozent) verantwortlich. Gleichzeitig stellt die Industrie knapp ein Fünftel aller Arbeitsplätze (19 Prozent) und trägt einen erheblichen Anteil zur Bruttowertschöpfung bei (26 Prozent).

Eine digitale industrielle Transformation bietet Chancen, beispielsweise zur Ressourceneinsparung, birgt aber auch Risiken wie den Wegfall von Arbeitsplätzen. Die zentrale Forschungsfrage dieses Projektes ist, wie die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Produktion genutzt werden kann, um das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement (engl. Corporate Social Responsibility; kurz CSR) zu verbessern.

Forschungsteam arbeitet eng mit Stakeholdern zusammen

Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement betrifft Technik, Belegschaft sowie Organisation gleichermaßen. Das interdisziplinäre Forschungsteam aus Nachwuchsforscherinnen und -forschern des IASS und der Uni Potsdam betrachtet diese Aspekte daher integrierend. Es setzt auf eine enge Einbindung von Unternehmen, Gewerkschaften, Politik, Umweltorganisationen und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Die Forschung ist in vier Arbeitspakete aufgeteilt:

  1. Potenziale für Nachhaltigkeitsmanagement durch Industrie 4.0 (IASS Potsdam): Ziel ist es, entlang des gesamten Produktlebenszyklus Potenziale für ein digitalisiertes Nachhaltigkeitsmanagement zu identifizieren und zu evaluieren, um daraus ein Gesamtkonzept für Nachhaltigkeitsmanagement in einer digitalisierten Produktion zu entwickeln.

  2. Der Mensch in der digitalisierten Produktion (Universität Potsdam): In diesem Arbeitspaket wollen die Forscherinnen und Forscher die Mensch-Maschine-Interaktion auf der Grundlage der neuen Anforderungen aus Industrie 4.0 heraus neu gestalten. Dabei geht es zum Beispiel darum, eine Überforderung der Bedienerinnen und Bediener zu verhindern und ihre Mobilität zu steigern.

  3. IT-Kopplung von Umweltinformationssystemen mit digitalisierten Fertigungsprozessen (IASS Potsdam): Mit einem starken technologischen Fokus verfolgen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Ziel, eine intelligente Übertragung der Daten von den Fertigungssystemen in das jeweilige Umweltinformationssystem zu ermöglichen.

  4. Digitalisiertes Nachhaltigkeitsreporting und Compliance (IASS Potsdam): Durch Vernetzung und Digitalisierung werden die Dokumentation des Produktionsprozesses und damit die Transparenz des Produktlebenszyklus umfassender ausfallen, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Dies kann das Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen auf unterschiedliche Weise unterstützen, beispielsweise durch die Schaffung neuer Standards oder die Verbreitung von guter Nachhaltigkeitspraxis.

Als zentrales Ergebnis des Projektes soll ein Gesamtkonzept für ein verbessertes Nachhaltigkeitsmanagement in einer digitalisierten Produktion entstehen. Hieraus leiten die Forscherinnen und Forscher Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab. Die relevantesten Lösungen überführen sie in einen Demonstrator, der unterschiedliche Medien wie Videosequenzen, Präsentations- oder Software-Elemente kombiniert, um die Ergebnisse an einem Anwendungsbeispiel für eine breite Öffentlichkeit verständlich darzustellen.