Headline: Deutsch-Französisches Zukunftswerk

Im Januar 2019 unterzeichneten Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aachener Vertrag, in dem sie eine Stärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit vereinbarten. Das Deutsch-Französische Zukunftswerk, verankert durch Artikel 22 dieses Vertrags, ist eines der vorrangigen Projekte, die von den beiden Regierungen vereinbart wurden.

Auf dem Gipfel von Toulouse im Oktober 2019 hatten Merkel und Macron angekündigt, dass sich das Deutsch-Französische Zukunftswerk auf die Transformationsprozesse in unseren Gesellschaften konzentrieren und sich dabei an der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung orientieren werde.

Die Regierungen ernannten einen Direktor und eine Direktorin, die die Arbeit des Zukunftswerkes leiten werden: Herr Gilles de Margerie, Generalkommissar des Regierungsinstituts France Stratégie, und Frau Professorin Dr. Patrizia Nanz, wissenschaftliche Direktorin am IASS. Die Beiden haben eine gemeinsame Geschäftsstelle zur Umsetzung der Ziele des Zukunftswerkes eingerichtet, ein Lenkungsausschuss berät die Geschäftsstelle. Er tagt zweimal jährlich und besteht aus 16 Mitgliedern, darunter Regierungsvertreterinnen und -vertreter, Abgeordnete sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.

Die beiden Regierungen haben das Zukunftswerk beauftragt, Zukunftsvisionen zu entwickeln, die auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren und ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Erwägungen herstellen, um die Lebensqualität in Frankreich und in Deutschland zu verbessern. Alle 12 bis 18 Monate gibt das Zukunftswerk politische Empfehlungen heraus, bei denen es sich thematisch an der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen orientiert. Die Sekretäre des Zukunftswerkes werden diese Empfehlungen dem Deutsch-Französischen Ministerrat und der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung vorlegen.

Zukunftsvisionen mit Wurzeln in lokalen und regionalen Innovationen

Visionen und Politikempfehlungen entwickelt das Zukunftswerk in enger Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Initiativen in Frankreich und Deutschland, die sich für den sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen oder technologischen Strukturwandel in ihrer Region engagieren. Durch Beobachtung, Dialog und Aktionsforschung gewinnt das Zukunftswerk Erkenntnisse über Sichtweisen der Praxis und gemeinsame Herangehensweisen der verschiedenen Initiativen. Die Erkenntnisse bereitet das Team der Geschäftsstelle für die Politik auf.

Darüber hinaus organisiert die Geschäftsstelle Dialogveranstaltungen für die beteiligten französischen und deutschen Akteure. So wächst das gegenseitige Verständnis, die Partner lernen voneinander und entwickeln nach Möglichkeit gemeinsame Zukunftsvisionen und konkrete politische Vorschläge zu deren Verwirklichung.

Im Mittelpunkt der Aktivitäten der Geschäftsstelle stehen Praktikerinnen und Praktiker: Sie bestimmen die Diskussionsthemen, den Bedarf an externer Expertise und die Ergebnisse der Dialoge.

Aufbauend auf den Dialogveranstaltungen organisiert die Geschäftsstelle transdisziplinäre Workshops, in denen Fachleute und politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus verschiedenen Sektoren die Erfahrungen, Perspektiven und Vorschläge der französischen und deutschen Praktiker kennen lernen. Diese Workshops sollen die Visionen und Vorschläge, die sich aus den Dialogveranstaltungen ergeben, bereichern, in dem sie Beiträge eines breiten Spektrums von Expertinnen, Experten sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern n einbeziehen.

Politikempfehlungen für die französische und deutsche Regierung gemeinsam entwickeln

Die Themen der Politikempfehlungen werden vom Lenkungsausschuss auf der Grundlage von Vorschlägen der lokalen und regionalen Initiativen sowie der politischen Prioritäten der beiden Regierungen ausgewählt.

Zu jedem Thema wird die Geschäftsstelle eine Gruppe von rund 40 relevanten Akteuren (Praktiker, NGOs, öffentliche Institutionen, Fachleute) in einem „Resonanzraum“ versammeln. Die Geschäftsstelle wird dann über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten einen Prozess der Zusammenarbeit organisieren, um politische Empfehlungen zu entwickeln. Diese speisen sich aus den Perspektiven, Vorschlägen und Visionen der lokalen und regionalen Initiativen. Solch ein kooperativer Prozess kann Besuche von Mitgliedern des Resonanzraums bei lokalen und regionalen Initiativen, Expertenanhörungen und Treffen mit anderen deutsch-französischen Organisationen umfassen. Im Laufe des Kooperationsprozesses finden drei Resonanzworkshops (Plenarsitzungen des Resonanzraumes) statt.

Am Ende dieses Prozesses wird die Geschäftsstelle eine öffentliche Veranstaltung, die Zukunftswerk-Konferenz, organisieren, auf der die politischen Empfehlungen vorgestellt werden. Der Direktor und die Direktorin werden die Empfehlungen dann dem Deutsch-Französischen Ministerrat und der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung übergeben.