Bernd Ehlert am 04.11.2021 - 10:59

https://kulturelle-evolution.net/

„Die Karriere von alternativen Fakten.
Diese Erkenntnis ist in der gesellschaftlichen Debatte um Wahrheit häufig untergegangen. Gerade in der postfaktischen Welt ist die Überzeugung gewachsen, dass wir beliebige Wahrheitsansprüche durch Rückgriff auf das, was wir für wünschbar oder für plausibel halten, rechtfertigen können. Das Bauchgefühl bestimmt, was richtig und was falsch ist.“
Man sollte einmal näher und tiefer nachhaken, was das eigentlich ist, das die eigene Meinung von „alternativen Fakten“ bestimmen lässt, wobei diese Meinung dann oftmals immun gegenüber sämtlichen sachlichen und vernünftigen Argumenten ist. Das, was hier eine absolute Immunität dieser Meinung gegenüber sachlichen und vernünftigen Gegenargumenten erzeugt, sind die Emotionen, die in den Auseinandersetzungen mit diesen Meinungen alternativer Fakten dann auch deutlich spürbar werden.

Woher kommen diese Emotionen, die hier manchmal sogar die absolute Herrschaft über unser geistig-kulturelles Sein übernehmen, und zwar im Prinzip genauso wie im Nationalsozialismus? Wer hier tiefer graben will, der kommt nicht umhin, sich mit der aktuellen Auseinandersetzung in der Evolutionsbiologie zu beschäftigen (die allerdings als diese Auseinandersetzung vom herrschenden Paradigma in der Evolutionsbiologie vermieden und verschwiegen wird). Es geht in dieser Auseinandersetzung darum, dass ausgerechnet der Begründer des aktuellen Paradigmas der Soziobiologie mit ihrem Kern der Verwandtenselektion seit dem Jahr 2010 die Verwandtenselektion in aller Konsequenz falsifiziert hat, d.h. sie ist so etwas wie die Lebenskraft im einstigen Vitalismus – es gibt sie gar nicht.

Was ist die Konsequenz davon? Während für die diese Falsifizierung nicht akzeptierende Soziobiologie mit ihrem gen-zentrierten Ansatz die heutige rasante, kulturelle Entwicklung des Menschen nicht als weitergehende Evolution erkennbar ist, bringt Wilson das Problem der aktuellen, kulturellen Evolution des Menschen mit seinem neuen Ansatz in einer einzigen Aussage auf den Punkt:
„In unseren Emotionen aber sind wir nicht einmalig. Dort findet sich, wie in unserer Anatomie und im Gesichtsausdruck, was Darwin den unauslöschlichen Stempel unserer tierischen Vorfahren nannte. Wir sind ein evolutionäres Mischwesen, eine Chimärennatur, wir leben dank unserer Intelligenz, die von den Bedürfnissen des tierischen Instinkts gesteuert wird. Deswegen zerstören wir gedankenlos die Biosphäre und damit unsere eigenen Aussichten auf dauerhafte Existenz.“

Mit diesem neuen, dichotomen Ansatz von Wilson wird nicht nur die gegenwärtige rasante Entwicklung des Menschen als weitergehende Evolution erkennbar, sondern auch, dass diese Evolution sich gerade in einer problematischen Phase befindet.

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