Headline: Mehr Ehrgeiz für saubere Luft hilft Klima und Gesundheit

Bei der Kohleverbrennung werden besonders viele schädliche Emissionen freigesetzt.
Bei der Kohleverbrennung werden besonders viele schädliche Emissionen freigesetzt. istock/Tobias_K

Rauchgeruch lag in der Luft, als ich zu Beginn der UN-Klimakonferenz COP24 an einem frühen Sonntagmorgen Anfang Dezember 2018 im polnischen Katowice eintraf. Ich fühlte mich sofort an meine erste Ankunft in Peking im Jahr 2016 erinnert: Der Geruch von Kohleverbrennung war schon auf der Gangway zum glänzenden, ultramodernen Pekinger Flughafen unverkennbar.

In Katowice bestätigte ein kurzer Blick in meine Luftqualitäts-App meine Vermutung: Die Luftverschmutzung wurde zu diesem Zeitpunkt als „sehr stark“ angegeben – mit einer Feinstaubkonzentration (PM2,5) weit über dem von der WHO empfohlenen sicheren Wert. Ich fragte mich, ob der Kohlegeruch einen motivierenden oder aber einen entmutigenden Beginn für eine zweiwöchige Konferenz darstellte, die letztendlich dazu führen sollte, dass die Versprechen aus dem Pariser Klimaabkommen eingelöst werden. Wahrscheinlich haben beide Ansichten ihre Berechtigung.

Kathleen Mar (4. v. r.) und andere Wissenschaftler und Ingenieure diskutierten auf der COP24, wie der Kampf gegen die Luftverschmutzung das Klima schützen kann.
Kathleen Mar (4. v. r.) und andere Wissenschaftler und Ingenieure diskutierten auf der COP24, wie der Kampf gegen die Luftverschmutzung das Klima schützen kann. TROPOS/Tilo Arnhold

Klima und Luftqualität: zwei Ziele auf einen Streich

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen konzentrierte sich natürlich auf den Klimawandel. Doch der Klimawandel kann nicht abgekoppelt vom Thema Luftqualität betrachtet werden, denn CO2 und Luftschadstoffe wie Feinstaub stammen oft aus den gleichen Quellen – insbesondere aus kohlenstoffbasierten Brennstoffen, zu denen sowohl fossile als auch Biokraftstoffe gehören. Außerdem verursachen manche Luftschadstoffe zusätzlich eine Erwärmung des Klimas.

Ich reiste zur COP24, um einen Vortrag über einen bestimmten Luftschadstoff zu halten: Ruß, einen Bestandteil von Feinstaub. Ruß ist nicht nur ungesund, wenn er eingeatmet wird, und verursacht Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern er trägt auch zur Erderwärmung bei. Dementsprechend weist der kürzlich veröffentlichte IPCC-Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung darauf hin, dass alle Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 oder 2 °C auch eine deutliche Verringerung von Rußemissionen vorsehen. Bei einem Side Event im EU-Pavillon gab ich einen Überblick über die Hauptquellen von Rußemissionen in Europa. Ich wies darauf hin, dass es für die europäischen Luftqualitätsziele und für den Klimaschutz unverzichtbar ist, die durch den Straßen- und Off-Road-Verkehr verursachten Dieselemissionen und die Emissionen durch Holzfeuerungen in Wohngebäuden zu verringern.

Fast alle Polinnen und Polen, mit denen ich in Katowice sprach, kamen im Zusammenhang mit dem Klima auch auf das Thema Luftverschmutzung zu sprechen. Immer wieder hörte ich die Aussage: „Man sieht unserer verqualmten Luft ja an, dass wir ein Kohleproblem haben.“ In Deutschland, wo ich lebe, habe ich hingegen das Gefühl, dass die meisten Leute die relativ gute Luftqualität für selbstverständlich halten. Die Luftverschmutzung in unseren Städten ist nämlich nicht so einfach zu sehen oder zu riechen. Beim Thema schlechte Luft denken wir sofort an weit entfernte Orte wie China. In Wirklichkeit sind aber überall in der EU deutliche Verbesserungen möglich: Die Europäische Umweltagentur (EEA) schätzt, dass 80 bis 90 Prozent der europäischen Stadtbevölkerung Feinstaub- und Ozonkonzentrationen ausgesetzt sind, die über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation liegen.

Saubere Luft: auch eine Frage der Lebensqualität

Bringt uns das Streben nach besserer Luftqualität also auch den Klimazielen näher? Aus meinen Erfahrungen in Polen und bei meiner Arbeit für die Climate and Clean Air Coalition habe ich gelernt, dass der Wunsch und die Forderung nach sauberer Luft eine entscheidende Motivation für Maßnahmen zur Emissionsreduktion darstellen können, die der Luftqualität und dem Klimaschutz gleichermaßen zugute kommen – zumindest in Ländern und Regionen, in denen die Luftqualität als Belastung oder sogar als Problem für die öffentliche Gesundheit wahrgenommen wird (z. B. in großen Teilen Asiens). Angesichts der Ergebnisse der COP24 – Fortschritte bei den Verhandlungen, aber alarmierend niedriger Ehrgeiz – betrachte ich die Nutzung von Synergien zwischen Luftreinhaltung und Klimaschutz als wichtige Chance, den Ehrgeiz zu stärken. Doch kann diese Strategie in der EU Erfolg haben? In den politischen Foren der EU wird oft vorgebracht, dass ein Rückgang der Luftverschmutzung vorzeitige Todesfälle verhindern und Gesundheitskosten einsparen könnte. Das ist korrekt und wichtig. Doch in einem Umfeld wie in Deutschland, wo die Luftverschmutzung eine so unsichtbare Gefahr ist wie der Klimawandel, wäre es vielleicht wirksamer, wenn man saubere Luft als Teil der nationalen und europäischen Identität sowie als Faktor für Lebensqualität betrachtete – kurz, als etwas, auf das sich hinzuarbeiten lohnt und auf das man stolz sein kann.

Comments

Alan Smith am 19.01.2019 - 22:09

Air quality is deteriorating in most countries because of the belief that wood smoke is benign and burning wood is greenhouse neutral. I note 28,000 deaths each year from wood smoke in Britain and more and more wood stoves and fireplaces every year.

Alan Smith am 19.01.2019 - 22:12

Residential wood burning is resulting in serious air pollution problems but there is a common belief that as wood is not a fossil fuel the smoke is benign.

Kathleen Mar am 23.01.2019 - 15:11

Antwort auf von Alan Smith

https://www.iass-potsdam.de/en/people/kathleen-mar

On the topic of residential wood burning, I see the convergence of a couple of issues. One is that wood-burning has been promoted as climate neutral and therefore environmentally friendly. I am not prepared to delve deeply into that discussion here, but I think it is safe to say that one needs to be very careful about making any claims that wood burning is truly carbon neutral. In general, one needs to be very careful about how biofuels are used in climate plans - even more so when air quality and land use are being considered (and they should always be considered!).

Another thing that makes phasing out residential wood burning societally difficult is that it is traditional and comforting, and a practice which many northern European countries see as part of their culture. I agree that many do not realize woodsmoke is harmful to breathe, especially since it is considered "natural." There is definitely a need for a public discourse on this topic, given that by 2030, domestic heating is expected to account for nearly 70% of black carbon emissions in Europe (see this publication from the EEB: https://euagenda.eu/publications/clearing-the-air-a-critical-guide-to-the-new-national-emission-ceilings-directive).

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