Headline: Klimaschutz, Stein auf Stein

Vor fast einem Jahr, im Dezember 2015, haben 195 Nationen das Pariser Abkommen verabschiedet, einen globalen, rechtsverbindlichen Vertrag zur Begrenzung des globalen Klimawandels auf „deutlich unter 2 Grad Celsius“. Dass die Erwärmung 1,5 Grad nicht überschreiten sollte, wurde ebenfalls festgehalten. Die Vorbereitungen für die diesjährige Klimakonferenz, COP22, laufen; sie wird vom 7.-18. November in Marrakesch, Marokko, stattfinden. Wegen der rasch erfolgten Ratifizierungen wird das Pariser Abkommen höchstwahrscheinlich noch dieses Jahr in Kraft treten. Die COP22 kann maßgeblich zur Umsetzung des ehrgeizigen neuen Klimavertrags beitragen, aber vor der ersten Sitzung der Vertragsparteien muss noch ein großer Aufgabenkatalog abgearbeitet werden. Der Erfolg des Vertrags hängt weitgehend von der gelungenen Umsetzung der sogenannten national festgelegten Beiträge (nationally determined contributions, NDCs) ab, die jeder Staat vorlegt. Aus jüngsten Schätzungen geht jedoch hervor, dass die vorläufigen Beiträge (INDCs) zwar 95 Prozent der globalen Treibhausgase abdecken, wir mit den derzeitigen Selbstverpflichtungen jedoch auf einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,6 bis 3,1 Grad Celsius zusteuern und damit das 2-Grad-Ziel erheblich überschreiten, während das 1,5-Grad-Ziel in weite Ferne rückt.

Die Ziegelherstellung sorgt für hohe Rußemissionen

Wer über Klimaschutz nachdenkt, dem kommen wahrscheinlich nicht sofort Ziegeleien in den Sinn. Und das ist auch berechtigt, denn absoluten Vorrang zur langfristigen Stabilisierung des Klimas hat die radikale Abkehr von fossilen Brennstoffen im globalen Energiesystem. Dennoch zählt beim Klimaschutz jeder kleinste Schritt – und bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Ziegeleisektor gar nicht so klein ist. Die Reduktion von Ruß aus traditionaler Ziegelherstellung wurde sogar vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) als eine von 16 global vorrangigen Maßnahmen identifiziert, die sowohl Leben retten als auch kurzfristig die Klimaerwärmung eindämmen können. Ruß trägt sowohl zur globalen Erwärmung als auch zur Luftverschmutzung bei und ist daher für die menschliche Gesundheit ebenso schädlich wie für die Ökosysteme.

Angeregt durch diese Hintergrundinformationen hat das IASS einen Workshop zur sauberen Ziegelproduktion für Afrika mitveranstaltet, der am 1.-2. September im marokkanischen Rabat stattfand. Der zweitägige Workshop war Teil der Tätigkeit des IASS als federführender Partner bei der Ziegeleien-Initiative der Climate and Clean Air Coalition (CCAC, Bündnis für Klima und saubere Luft). Hier bot sich eine aufregende Chance, im Vorfeld der COP22 bei afrikanischen Umweltpolitikern für die Arbeit der CCAC zu werben.

CCAC-Initiative identifiziert Strategien für eine umweltverträglichere Ziegelproduktion

Die CCAC ist eine freiwillige internationale Partnerschaft, bestehend aus über 100 Staaten, nicht-staatlichen Akteuren und zwischenstaatlichen Organisationen, die auf die Reduktion sogenannter kurzlebiger klimawirksamer Schadstoffe (Short-Lived Climate-forcing Pollutants – SLCPs) hinwirkt, darunter Ruß. Gastgeber des regionalen Workshops war das marokkanische Umweltministerium, ein Länderpartner der Ziegeleien-Initiative; angestrebt wurde, die Auswirkungen von SLCP-Emissionen aus dem Ziegeleisektor deutlich zu machen und zugleich die Vorteile einer Reduktion besagter Emissionen sowie dahingehende Strategien aufzuzeigen. Zu den Teilnehmern gehörten mehr als 50 Vertreter aus zehn afrikanischen Ländern, darunter Politiker aus den jeweiligen Umwelt- und Gesundheitsministerien, Vertreter von Ziegelei-Industrieverbänden und mehrere technische Experten aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

An den zwei Tagen vermittelte der Workshop Wissen über SLCPs, ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und das Klima sowie die Vorteile einer Mitigation insbesondere von Ruß aus der Ziegelproduktion. Erfahrungen aus den Aktivitäten unserer CCAC-Ziegeleien-Initiative in Lateinamerika und Asien flossen ebenfalls ein. Bei mehreren lebhaften Diskussionen beleuchteten die Teilnehmer die Bedürfnisse und Prioritäten afrikanischer Länder im Hinblick auf verstärkte Bemühungen zur Reduktion von SLCPs aus ihrem Ziegeleisektor.

Das Pariser Abkommen als Chance für den Ziegeleisektor

Mehrere Empfehlungen wurden erarbeitet, um afrikanische Länder stärker in die Tätigkeit der CCAC-Ziegeleien-Initiative einzubinden und Bezugspunkte zur bevorstehenden COP22 in Marrakesch herzustellen; hier eine kleine Auswahl:

  • Bewusstseinsbildung zu den Umwelt- und Gesundheitsschäden durch SLCPs aus der Ziegelproduktion und zu den Vorteilen der Mitigation
  • das Pariser Abkommen als Chance für Länder, die ihre Maßnahmen zur Eindämmung von SLCPs aus dem Ziegeleisektor in ihre national festgelegten Beiträge einbringen können
  • Verbesserung der Bestandsaufnahme zu den Rußemissionen aus dem Ziegeleisektor in der Region
  • Förderung von Technologietransfer und Finanzhilfen zur Reduktion von SLCPs aus dem Ziegeleisektor

Die Reduktion von SLCPs, darunter Ruß aus Ziegeleien, wird im globalen Kampf gegen den Klimawandel sogar noch an Bedeutung gewinnen. Das jüngst verabschiedete Pariser Abkommen strebt an, den globalen Klimawandel auf „deutlich unter 2 Grad Celsius“ zu begrenzen, und setzt alles daran, dass die Erwärmung 1,5 Grad nicht überschreitet. In der Wissenschaftsgemeinde setzt sich zunehmend die Einsicht durch, dass herkömmliche Klimaschutzbemühungen, wie sie derzeit in den nationalen Klimaplänen (oder NDCs) dargelegt sind, nicht ausreichen, um das 2-Grad-, geschweige denn das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Folglich müssen die Staaten schnellstens handeln, um die globale Erwärmung kurzfristig zu reduzieren. Basierend auf Erkenntnissen der UNEP und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), kommt die CCAC zu der Einschätzung, dass die umfassende Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung von SLCPs bis 2050 dazu führen kann, dass der globale Temperaturanstieg um 0,6 Grad geringer ausfällt (UNEP und WMO 2011). Gleichzeitig ist die SLCP-Mitigation als ergänzende Maßnahme zur herkömmlichen Mitigation von langlebigen Treibhausgasen zu sehen. Vor diesem Hintergrund sind Initiativen wie dieser regionale Workshop wichtige Schritte zur Ausweitung der globalen Reichweite von Maßnahmen zur SLCP-Reduktion, die das IASS weiterhin über seine Partnerschaft mit der CCAC unterstützen wird.

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