Klimagipfel in ParisCOP21: IASS-Wissenschaftler unterstreichen Rolle sauberer Luft für Klima, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung

Die Reduzierung der Luftverschmutzung kann den Klimawandel eindämmen, Leben retten und zur nachhaltigen Entwicklung beitragen – das war die Botschaft, die Mark Lawrence, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des IASS, bei mehreren Side Events des Klimagipfels COP21 hervorhob, ehe die Verhandlungen am vergangenen Wochenende mit der Verabschiedung eines neuen Klimaschutzabkommens zu Ende gingen. Es ist das erste Abkommen, in dem sich alle 196 Vertragspartner der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change) verpflichten, ihren Kohlendioxidausstoß zu senken. Ungeachtet der Tatsache, dass schnelles Handeln beim Thema CO2 oberste Priorität bleiben muss, um eine katastrophale globale Erwärmung zu vermeiden, widmet sich das Abkommen auch weiteren Möglichkeiten, dem Klimawandel ganzheitlich zu begegnen, etwa durch die Vermeidung von kurzlebigen klimawirksamen Schadstoffen (Short-Lived Climate-forcing Pollutants – SLCPs) wie Ruß, Methan, Fluorkohlenwasserstoffen und bodennahem Ozon.

Bei einem Side Event, organisiert von der UN-Wirtschaftskommission für Europa (Economic Commission for Europe – UNECE) und dem IASS, forderte UNECE-Exekutivsekretär Christian Friis Bach, „Luftverschmutzung und Klimawandel in einem Aufwasch zu bewältigen“. Die globalen Ziele, formuliert im neuen Abkommen und der Agenda 2030, sollten mit Nachdruck verfolgt werden, so Bach, aber die Ziele nationaler Regierungen, die den gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung gelten, dürften auch nicht vernachlässigt werden. Mark Lawrence empfahl, dass wir jetzt „eine stärkere Fokussierung auf die Umsetzung statt auf die Forschung“ benötigen, und betonte, die grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigten deutlich genug, wo gehandelt werden muss, um einen Dreifacherfolg für Klima, Gesundheit und Entwicklung zu erzielen. Obwohl viele einzelne Aspekte noch weiterer Forschung bedürften, unterstrich er, dass ohne Zweifel vielfältige Erfolge durch die Reduktion von kurzlebigen, klimawirksamen Schadstoffen (SLCPs) erzielt werden können.

Panel beim Side Event "Reduce air pollution to save lives and combat climate change" (v.l.n.r.) - Mark G. Lawrence (Geschäftsführender Direktor, IASS), Tomasz Chruszczow (Stellvertretender Leiter der polnischen Delegation bei der COP 21), Teimuraz Murgulia (Stellvertretender Umweltminister von Georgien), Christian Friis Bach (Exekutivsekretär, UNECE), Ibrahim Thiaw (Stellvertretender Exekutivdirektor, UNEP), Hanne Bjurstrøm (Klimabeauftragte von Norwegen), Maria Neira (Direktorin, Öffentliche Gesundheit, Umwelt- und soziale Ursachen, WHO) (c) UNECE

Hanne Bjurstrøm, Norwegens Klimabeauftragte und derzeitige Ko-Vorsitzende der Koalition für Klima und saubere Luft zur Reduzierung von kurzlebigen, klimawirksamen Schadstoffen (Climate and Clean Air Coalition to Reduce Short-Lived Climate Pollutants – CCAC), sowie politische Vertreter Polens und Georgiens berichteten von den Lösungsansätzen ihrer Länder zur Verminderung von SLCP-Emissionen. Dabei geht es besonders darum, den Ausstoß von Ruß durch Wohngebäudeheizungen und Verkehr zu senken. Der stellvertretende Leiter der polnischen COP21-Delegation, Tomasz Chruszczow, brachte die Meinung des Forums auf den Punkt, als er betonte, um sowohl die Luftqualität als auch das Weltklima zu schützen, benötigten wir nicht nur die Synergie einer Vielzahl verschiedener Akteure, sondern auch die Synergie zwischen UN-Institutionen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir das nötige Wissen und Bewusstsein entwickeln und verbreiten, um mit einem Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit und Synergie für das Klima und die Luftqualität einzutreten.

Bei einem von IASS und CCAC gemeinsam organisierten Side Event stand ebenfalls die Eindämmung von SLCPs auf der Tagesordnung. Unter Teilnahme von Ministeriumsvertretern aus Südamerika, Afrika und Asien beleuchtete die Veranstaltung die Rolle der CCAC, die verschiedene Länder zum Erfahrungsaustausch zusammenbringt. Dabei kommen Erfolge ebenso wie Hindernisse bei der Umsetzung von praktischen Maßnahmen zur SLCP-Bekämpfung zur Sprache. Der Minister aus Uruguay und ein hochrangiger Vertreter Perus sprachen über ihre Initiativen zur Eindämmung von Ruß und anderen Schadstoffen aus ihrer Dieselbusflotte, während Minister aus der Elfenbeinküste und Nigeria ihre nationalen Aktionspläne zur SLCP-Reduzierung darstellten. Überdies berichtete ein Vertreter Bangladeschs, 50 Prozent der umweltbelastenden Ziegeleien des Landes seien mittlerweile mit sauberer Technologie ausgestattet worden, um Ruß- und CO2-Emissionen zu vermindern. Als Vertreter der nicht-staatlichen Partner in der CCAC traten bei der Veranstaltung Mark Lawrence, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des IASS, und Edward Cameron von der gemeinnützigen Organisation Business for Social Responsibility auf. Mit Hinweis auf die 7 Millionen vorzeitigen Todesfälle, die jährlich infolge von Luftverschmutzung eintreten, erläuterte Lawrence Wege, wie durch Einbeziehung der Zivilgesellschaft sowie durch Zusammenarbeit mit einheimischen Wissenschaftlern, dem transdisziplinären Ansatz des IASS folgend, Maßnahmen in Gang gesetzt werden können.

Bei einem weiteren COP21-Side Event, ausgerichtet durch das Institute for Global Environmental Strategies (IGES), mit dem Schwerpunkt „Making an Integrated Approach to Air Pollution and Climate Change a Reality in Asia” präsentierte Mark Lawrence die Arbeit am IASS-Projekt Sustainable Atmosphere for the Kathmandu Valley (SusKat). Das Projekt strebt an, die Rußverschmutzung aus Ziegelherstellung, Verkehr und Abfallwirtschaft zu vermindern; so sollen die damit verbundenen extremen gesundheitlichen Belastungen und die regionale Erwärmung gemindert werden.

Zu dem am 12. Dezember geschlossenen Abkommen erklärte Mark Lawrence, die Konsensentscheidung verleihe ihm „neu gewonnene Zuversicht, dass die globalen Gesellschaften einander bei der Durchführung dieser schwierigen Veränderungen unterstützen werden“. Die einzig realistische Möglichkeit, die wir haben, um den globalen Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert auf weniger als 2 Grad Celsius zu begrenzen, sei eine Kombination aus rascher, weitreichender Dekarbonisierung und einer extremen Reduzierung von klimawirksamen Schadstoffen wie Ruß, Methan und Ozon, so Lawrence. Dazu seien der Umbau globaler Systeme wie Energie und Verkehr aber auch ein Wandel unseres individuellen Lebensstils unverzichtbar: „Das lässt sich nicht umgehen – man darf nicht erwarten, dass Climate-Engineering-Techniken in den kommenden Jahrzehnten, wenn überhaupt jemals, einen Beitrag leisten.“ Das IASS verfolgt einen transdisziplinären Ansatz, um Wege zur Veränderung zu bahnen, und zwar ganzheitlich und integrativ, wobei wirtschaftliche Aspekte, Ökosysteme, die menschliche Gesundheit, eine nachhaltige Entwicklung und die menschliche Würde berücksichtigt werden.

Weitere Informationen:

Zur Arbeit des IASS im Vorfeld zur COP21:

Blogpost zur COP21:

 

16.12.2015