Prof. Dr. Dr. Carlo Rubbia

Funktion: 
Wissenschaftlicher Direktor (bis 31.05.2015); Honorary Senior Fellow
Zeitraum: 
Juni 2010 bis Mai 2015
Publikationen: 

About

Curriculum Vitae

Carlo Rubbia wurde am 31. März 1934 in Gorizia geboren. Seinen Abschluss in Physik legte er an der Scuola Normale in Pisa ab. Im Jahr 1959 wurde ihm die Doktorwürde von der Columbia University in New York verliehen.

Seit 1961 arbeitet er an der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf. Von 1989 bis 1994 war er dort Generaldirektor.

Im Jahr 1976 schlug Carlo Rubbia vor, den Teilchenbeschleuniger Super Proton Synchrotron (SPS) am CERN so umzugestalten, dass in dem Ring Protonen und Antiprotonen aufeinander prallen – damit entstand die weltweit erste Antiprotonen-Fabrik. Dieser sogenannte ‚Collider’ wurde 1981 in Betrieb gesetzt, und Anfang 1983 entdeckte ein internationales Team aus mehr als 100 Physikern unter der Leitung von Rubbia – bekannt als „UA1 Collaboration“ – die intermediären Vektorbosonen. 1984 wurde Carlo Rubbia für diese Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Von 1972 bis 1989 hatte Carlo Rubbia die Higgins-Professur für Physik an der Harvard University inne. Er war der Präsident von Sincrotrone Trieste – Synchrotron Light Radiation Source (1986-1994); das Unternehmen war zuständig für das Laboratorium ELETTRA, einer der ersten Synchrotron-Strahlungsquellen der dritten Generation weltweit, zusammen mit der in Berkeley und Grenoble.

In den 1990er Jahren legte Rubbia das Konzept eines Energieverstärkers mit dem Namen „Accelerator Driven Sub-critical System“ (ADS) vor – als neuen und sicheren Weg, mit aktueller Beschleuniger-Technologie praktisch unbegrenzt Kernenergie aus natürlichem Thorium und abgereichertem Uran zu gewinnen. Energiequellen aus dieser Technologie, die weltweit erforscht wird, wären praktisch unerschöpflich, sowie nicht geeignet zur Weiterverbreitung in Form von Waffen oder für militärische Zwecke.

Während seiner Amtszeit als Präsident der ENEA, der italienischen Nationalen Agentur für neue Technologien, Energie und Umwelt (1999-2005), entwickelte Carlo Rubbia eine neue Methode für solarthermische Kraftwerke zur Energiegewinnung aus Sonnenwärme, bekannt als „Archimedes-Projekt“, das derzeit von der Industrie für den kommerziellen Einsatz weiterentwickelt wird.

Von 2005 bis 2009 war Carlo Rubbia der leitende wissenschaftliche Berater des spanischen Forschungszentrums für Energie, Umwelt und Technologie (CIEMAT), seit 2007 ist er Mitglied der hochrangigen Beratergruppe für Energie und Klimawandel, eingerichtet durch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Im Jahr 2009 wurde er zum Sonderberater für Energie des Generalsekretärs der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC/CEPAL) ernannt. Von Juni 2010 bis Mai 2015 war er Wissenschaftlicher Direktor am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.

Carlo Rubbia hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den italienischen „Cavaliere di Gran Croce“ (1985), den französischen „Officier de la Légion d'Honneur“ (1989) und den Verdienstorden der Republik Polen (1993). Er ist Mitglied zahlreicher Akademien und trägt mehr als 27 Ehrendoktorwürden. Er ist Autor von mehr als 500 wissenschaftlichen Arbeiten.