Technologischer Wandel und gesellschaftliche Transformationen im Anthropozän (ETST)

Seit der industriellen Revolution haben wissenschaftlicher Fortschritt und technische Innovationen Menschen die Macht gegeben, ihre Umwelt in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zu beeinflussen und sogar zu kontrollieren. Der Mensch ist inzwischen selbst zu einer quasi-geologischen Kraft geworden, wie auch die zunehmende Verwendung des Begriffs vom Anthropozän – dem Menschenzeitalter – deutlich macht. Dabei richten sich technische Eingriffe heutzutage immer mehr auch auf eine Begrenzung der negativen und teils unumkehrbaren Folgen menschlicher Handlungen auf die Umwelt. Diese treten etwa als Nebenwirkungen des Ausstoßes von Treibhausgasen bei der Verbrennung fossiler Kraftstoffe für die Energieversorgung und den Transport auf. Es zeichnet sich eine Dynamik ab, in der den bislang weitgehend unbeabsichtigten Auswirkungen menschlichen Handelns durch gezielte technische Eingriffe, etwa zur Abkühlung des Klimas, begegnet wird. 
 
Das Forschungsprogramm „Technologischer Wandel und gesellschaftliche Transformation im Anthropozän“ setzt sich mit den Dynamiken auseinander, die wissenschaftlichen und technologischen Wandel kennzeichnen. Der Fokus hierbei liegt auf Veränderungsprozessen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, die eine Vielzahl von potenziell umfassenden Transformationen und damit neuen Herausforderungen bewirken. Auch wenn einige dieser Auswirkungen noch hypothetisch oder imaginär sind, macht ihr bloßer Umfang und die Tragweite ihres Potenzials ein frühzeitiges Handeln notwendig, um nicht nachhaltige Entwicklungen früh zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Das Programm zielt darauf ab, durch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Wechselbeziehung zwischen wissenschaftlichem und technologischem Wandel einerseits und gesellschaftlichen Transformationen andererseits verantwortungsvolle Forschung zur Entwicklung und Nutzung neuer Technologien im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu fördern. 
 
Dafür betreiben wir interdisziplinäre Forschung in einem transdisziplinären Forschungsprozess, unter Einbeziehung relevanter Akteure aus Wissenschaft, Politik, NGOs, Industrie, Medien und Kunst. 
 
Die Forschungsaktivitäten des Programms sind unterteilt in folgende Gruppen:
  • Climate Engineering – ein Sammelbegriff für groß angelegte gezielte technische Eingriffe in das Klimasystem der Erde – wird zunehmend als Option im Kampf gegen den anthropogenen Klimawandel diskutiert. Wir vereinen das ganze Spektrum der relevanten Fachdisziplinen, um in ständiger Interaktion mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen fundiertes und relevantes Wissen als Entscheidungsgrundlage über Climate Engineering und seine Folgen zur Verfügung zu stellen.
  • Das Projekt „CO2 als Wertstoff (Carbon Capture Usage, CCU) – Potenziale & Herausforderungen für die Gesellschaft“ erforscht das gesellschaftliche Potenzial der technischen Abscheidung von CO2 und dessen stofflicher Nutzung. Ziele sind eine Bewertung des Potenzials der CCU-Technologien aus wirtschaftlicher Sicht sowie eine Entwicklung von Parametern für die Kommunikation von „CO2 als Wertstoff“ in die Gesellschaft.
  • Industrielle Produktionsprozesse durchlaufen aktuell einen erheblichen Transformationsprozess, ermöglicht durch Fortschritte in den Informations- und Kommunikationstechnologien, die eine immer stärker digital vernetzte industrielle Fertigung ermöglichen. Wie nachhaltig können diese Entwicklungen gestaltet werden? Das erforscht das Projekt „Nachhaltigkeitsaspekte von Industrie 4.0“.
  • In den letzten Jahren ist die Diskussion über die Ursprünge und Auswirkungen von Umweltproblemen (einschließlich dem Klimawandel), die existenzielle Herausforderung der Nachhaltigkeit und das Mensch-Natur-Verhältnis intensiver und dringlicher geworden. Während häufig nach globalen Lösungen für Umweltprobleme gerufen wird, sind die Motivationen für gesellschaftliche Veränderungen und die Veränderungsprozesse selbst noch nicht angemessen adressiert worden. Eine neue, gemeinsame Anstrengung ist notwendig, kollektive Verhaltensänderungen hin zu einer nachhaltigen Zukunft aus der großen Spannbreite intellektueller Perspektiven der Sozialwissenschaften, Künste und Geisteswissenschaften zu analysieren. Das ist der Zweck des Projektes „Kollektive Verhaltensänderungen für eine nachhaltige Zukunft“.