Growth in Politics (GRIP)

Das Forschungsprojekt lief von September 2014 bis November 2016. Es setzte frühere Beschäftigungen des IASS mit dem Thema „Wachstumskritik“ fort, verlagerte aber deren Schwerpunkt. Das kritische Nachdenken über das Für und Wider stetigen Wirtschaftswachstums und das Wahrnehmen von differenzierenden Ansätzen – von „grünem“ über „smartes“ bis hin zu „Null“-Wachstum – interessierten nun als Beispiel für das reflexive Aufbrechen von Dogmen im politischen Raum überhaupt. Dabei wurde exemplarisch der Deutschen Bundestag in der 18. Legislaturperiode betrachtet.

GRIP untersuchte, wie MdBs das Thema der Möglichkeit und der Grenzen von Wirtschaftswachstum argumentativ durchdringen und im politischen Alltagsgeschäft kommunizieren. Grundlage bildet die Analyse des Wachstumsarguments in der politischen Kommunikation anhand von Bundestagsdokumenten (Redeprotokolle,  Anfragen usw.). Um den Kontext der Argumentationen zu verdichten, wurden 17 ausführliche Leitfadeninterviews mit MdBs durchgeführt. Spezielles Augenmerk lag dabei auf dem System „MdB-Büro“ als quasi-familiäre Einheit, innerhalb derer Parlamentarier ihre Interessen formen. Besonders innerhalb dieses Raums des Abgeordneten-Büros, der über bestimmte Kanäle mit der Öffentlichkeit verbunden ist, wurden Quellen für Reflexivität gesucht und partiell auch gefunden. Da dieser Raum durch die Mitarbeiter der MdBs entscheidend mitgestaltet wird, ergänzt eine repräsentative schriftliche Befragung von MdB-Mitarbeitern die qualitativen Untersuchungen.

Gekoppelt wurde das Projekt mit Lehrforschungsseminaren an der Uni Potsdam. Ein GRIP-‚Satellit‘ war die Untersuchung des bundesdeutschen Mediendiskurses zum „Wachstumsparadigma“, die im Sommer 2016 als Buch beim Oekom Verlag erschien.

Erste Ergebnisse des Projekts wurden als IASS Study im Oktober 2016 publiziert. In den Jahren 2017 und 2018 folgten Aufsätze in wissenschaftlichen Journalen.