SLCPs: Forschungsanforderungen und Wege zur politischen Umsetzung

Mehr Informationen finden Sie auf der Projektwebseite: climpol.iass-potsdam.de

Nachhaltige Entwicklung, Verbesserung der Luftqualität und Verlangsamung des Klimawandels sind lange Zeit getrennt betrachtet worden. Zwei vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlichte Berichte und zugrundeliegende wissenschaftliche Ergebnisse unterstreichen, dass die Reduzierung von kurzlebigen, klimawirksamen Schadstoffen (SLCPs von engl. short-lived, climate-forcing pollutants) zu vielen Vorteilen führt. Dies betrifft insbesondere die Verringerung der atmosphärischen Konzentrationen von Ruß (black carbon, BC), troposphärischem Ozon (O3), Methan (CH4) und Fluorkohlenwasserstoffen (hydrofluorocarbons, HFCs):

  • Gesundheit: Jährlich kommt es zu ca. 2,4 Millionen vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung im Freien und zu ca. 2 Millionen vorzeitigen Todesfällen durch rußintensive Küchenaktivitäten in geschlossenen Räumen.
  • Nahrungsmittelsicherheit: Die hohe Konzentration von SLCPs, vor allem Ozon, führt zu einem Verlust von ca. 32 Millionen Tonnen Ernteerträgen von Nutzpflanzen (Getreide, Reis, Mais und Sojabohnen) pro Jahr.
  • Klimaveränderungen: Bis zum Jahr 2050 kann der Temperaturanstieg um ungefähr 0,4°C verlangsamt werden, was notwendig ist um die Erderwärmung um  2°C bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu erreichen (siehe Bild 1).

Im Gegensatz zu der jahrzehntelangen Verweildauer von CO2 bleiben SLCPs nur eine kurze Zeit in der Atmosphäre – etwa zwischen einer Woche (BC) und einer Dekade (CH4). Eine Reduzierung von SLCP Emissionen würde sich daher dort lokal schnell positiv auswirken, wo die Emissionen vermieden werden. Dies ist insbesondere für eine verbesserte Luftqualität und den Ökosystemschutz von Vorteil.

 Die UNEP/WMO Grafik von 2011 zeigt, dass das Ziel einer maximalen Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2°C nur erreicht werden kann, wenn kurzlebige, klimaerwärmende Schadstoffe wie Methan und Ruß verringert werden, während gleichzeitig die Bemühungen um eine CO2 Abnahme weiterverfolgt werden (grüne Linie). Die UNEP/WMO Grafik von 2011 zeigt, dass das Ziel einer maximalen Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2°C nur erreicht werden kann, wenn kurzlebige, klimaerwärmende Schadstoffe wie Methan und Ruß verringert werden, während gleichzeitig die Bemühungen um eine CO2 Abnahme weiterverfolgt werden (grüne Linie).

Was kann getan werden?

Maßnahmen müssen auf verschiedenen Ebenen durch lokale bis hin zu globalen Initiativen durchgeführt werden. Sechzehn Schlüsselmaßnahmen werden von UNEP identifiziert. Diese lassen sich in bestehende Programme für nachhaltige Entwicklung integrieren. Es wird davon ausgegangen, dass diese Schlüsselmaßnahmen zu einer globalen Reduzierung von circa 38% der Methan- und 77% der Rußemissionen führen. Zu den effektivsten Maßnahmen mit bestehenden Technologien gehören:

  • Methanreduzierung: (1) kontrollierte Entgasung bei Bergwerksarbeiten, (2) Wiedergewinnung oder Nutzung von Gas bei der Gewinnung fossiler Brennstoffe und (3) Minimierung von Gaslecks bei Langstreckentransportleitungen.
  • Rußreduzierung: (1) Austausch von traditionellen Ziegeleien durch solche mit vertikalen Schachtöfen, (2) Austausch von traditionellen Koksöfen durch moderne Wiedergewinnungsöfen, und (3) Austausch von Kochherden, die traditionell mit Biomasse betrieben werden durch verbesserte (Bio-)Gaskochherde.

Internationale Partnerschaften wie die „Climate and Clean Air Coalition“ (CCAC), deren Gründung von US-Außenministerin Hillary Clinton im Februar 2012 bekannt gegeben wurde, werden zurzeit geschaffen, um die Reduzierung von SLCPs voranzutreiben. Außerdem sind Initiativen, die sich mit einzelnen Aspekten, wie zum Beispiel den Emissionen von traditionellen Kochherden in Entwicklungsländern, beschäftigen, bereits vorhanden. Diese sind zum Beispiel die „Alliance for Clean Cookstoves“ (http://cleancookstoves.org/) oder das Surya Projekt (http://www.projectsurya.org/).

Wege zum Handeln

Trotz der bisherigen Fortschritte gibt es noch eine Reihe offener Fragen, insbesondere wie das vorhandene Wissen besser operationalisiert werden kann. Aus diesem Grund wurde im März 2012 am IASS in Potsdam ein zweitägiger Workshop veranstaltet, der führende Vertreter aus Natur- und Sozialwissenschaften, Politik, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und den UN-Organisationen zusammenbrachte, um Kernfragen zu diesem Thema zu diskutieren. Unteranderem wurden folgende Punkte besprochen:

  • Was sind die Schlüsselbereiche und effektivsten Maßnahmen, die angegangen werden müssen, um die vielversprechenden Möglichkeiten, die die Reduktion von SLCPs bietet, zu nutzen?
  • Reicht das bestehende Wissen aus und welche Wissenslücken gilt es noch zu schließen?
  • Warum wurden bisher keine konkreten, globalen Maßnahmen zur Reduktion von SLCPs ergriffen? Wo waren regionale Initiativen bereits erfolgreich und was lässt sich aus diesen Erfahrungen lernen?
  • Wie fügen sich SLCPs in das Gesamtbild der globalen Veränderungen, wie Industrialisierung, Urbanisierung und den Übergang von fossiler zu erneuerbaren Energien, ein? Wie entwickeln wir eine integrierte, globale Perspektive?
  • Lässt sich die SLCP-Problematik als Brückenschlag zwischen Bekämpfung des Klimawandels und gleichzeitiger Förderung nachhaltiger Entwicklung nutzen?
  • Sollten SLCPs integraler Bestandteil der Diskussionen zur globalen Klimapolitik bzw. der Klimaverhandlungen sein oder sollten sie grundsätzlich separat behandelt werden?
  • Wie verhindern wir, dass Reduktionsmaßnahmen von SLCPs zur Konkurrenz von CO2 Reduktionen werden?

Das Projekt ClimPol des SIWA Clusters am IASS wird sich mit Beiträgen zu derzeitigen und zukünftigen Bemühungen der SLCP Reduzierung im Nachgang zu diesem Workshop einbringen. Der Schwerpunkt wird auf der Erarbeitung integrierter Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität und der Bekämpfung des Klimawandels zusammen mit relevanten Akteuren auf lokaler und regionaler Ebene liegen, sowie auf der allgemeinen Sensibilisierung, Informationsaustausch und Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Mehr Informationen gibt es auf http://climpol.iass-potsdam.de

 SLCP workshop participants in Potsdam, March 2012. SLCP workshop participants in Potsdam, March 2012.

Ansprechpartner:

Dr. Erika von Schneidemesser, email: erika.vonschneidemesser@iass-potsdam.de