Luftqualität im Kontext des globalen Wandels (AQGC)

Die Menschheit beeinflusst weltweit die Zusammensetzung der Atmosphäre durch Emissionen lang- und kurzlebiger Treibhausgase wie etwa Kohlendioxid beziehungsweise Methan. Außerdem tragen wir durch die Freisetzung von Vorläufersubstanzen von Ozon und Aerosolen, darunter Ruß, zur Luftverschmutzung bei. Die Luftverschmutzung ist gegenwärtig die wichtigste Umweltursache für vorzeitige Todesfälle und zudem ein wesentlicher Motor für den Klimawandel. Sie ist also sowohl Resultat als auch Triebkraft globaler Veränderungen im Anthropozän. Das übergreifende Ziel des Forschungsprogramms „Luftqualität im Kontext des globalen Wandels" besteht darin, Transformationen zur Verbesserung der Luftqualität zu unterstützen und dabei auch die Zusammenhänge und Rückkopplungen dieser Transformationsprozesse in einem umfassenderen globalen Kontext zu berücksichtigen. Der Schwerpunkt liegt auf konkreten und messbaren Schritten hin zu diesem Ziel, indem wir neues Wissen über mögliche Lösungen generieren, darunter auch gesellschaftliche und technologische Veränderungen, die Akteuren vielfältige Vorteile bringen.
 
Wir bearbeiten das Thema in einem umfassenden globalen Kontext, konzentrieren uns aber auch auf drei Regionen – Europa, Südasien und die Arktis –, wobei die urbanen Gebiete im Vordergrund stehen. Diese sehr unterschiedlichen Regionen wurden aus mehreren Gründen ausgewählt. Die Arktis ist besonders gefährdet, da dort bereits große Veränderungen stattfinden und weitere in naher Zukunft zu erwarten sind. Einer ebenso großen Gefährdung, wenn auch aus anderen Gründen, ist die Bevölkerung in Südasien ausgesetzt, einer der weltweit am stärksten belasteten Regionen. Im Gegensatz zu Südasien und zur Arktis wurden in Europa umfassende und weitgehend bereits umgesetzte Bestimmungen zur Gewährleistung hoher Luftqualitätsstandards erlassen. Dennoch hat diese Region die Gefahren der Luftverschmutzung noch bei weitem nicht überwunden. Die Auswahl der drei Regionen liefert ein gewisses Spektrum verschiedener Entwicklungs- und Sozialverhältnisse, sozialer und ökologischer Schwachstellen sowie eine Reihe von Pfaden hin zu einem Wandel.
 
Die Forschungsfragen, denen sich das Programm widmet, werden durch einen transdisziplinären Prozess in enger Beratung mit Projektpartnern und anderen IASS-Forschungsprogrammen definiert. Neben Studien zur Förderung langfristiger, hochgesteckter Transformationslösungen sind auch Forschungskapazitäten für die Ermöglichung rascher und flexibler Reaktionen auf wichtige und brennende Fragen vorhanden, unter anderem in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Partnern. Die Programmstränge sind in folgende Projekte gruppiert:
  • Eine Forschungsgruppe mit dem allgemeinen Schwerpunkt auf numerischen Modellen der Luftverschmutzung, darunter auch zur Chemie des troposphärischen Ozons und zu den Emissionen von dessen Vorläufersubstanzen sowie von Aerosolen, insbesondere Ruß;
  • SusKat, das sich vor allem mit der Identifizierung der Hauptursachen der Luftverschmutzung im Kathmandu-Tal befasst sowie mit der Gestaltung und Umsetzung von Lösungen zu deren Verminderung;
  • ClimPol, bei dem der Fokus auf den Zusammenhängen zwischen Luftqualität/Luftverschmutzung und Klimawandel sowie der europäischen Politik, insbesondere im Hinblick auf Städte, liegt.
  • ELIAS mit dem Schwerpunkt auf den Zusammenhängen zwischen Luftqualität/Luftverschmutzung, Klimawandel und Nachhaltigkeit aus rechtlicher und Governance-Perspektive, vor allem auf internationaler und nationaler Ebene;
  • SMART, das sich gemeinsam mit Projektpartnern der Erforschung der Ursachen, Folgen und wahrscheinlichen Szenarien arktischer Ressourcenentwicklung widmet, um politische Optionen zu entwickeln, vor allem Wege einer nachhaltigen Transformation der Interaktion zwischen Mensch und Natur in der Arktis.