Das Weltfinanzsystem als verteiltes System zur Beförderung des Gemeinwohls (DOLFINS)

Die Deregulierung und Liberalisierung des Finanzsektors, die in den letzten Jahrzehnten weltweit stattgefunden hat, basierte auf der Annahme, dass Finanzmärkte stabil sind und am besten funktionieren, wenn sie weitgehend sich selbst überlassen werden. Die weltweite Finanzkrise hat diese Annahme erschüttert. Unser derzeitiges System ist weder ökonomisch noch sozial nachhaltig. Ein ökonomisch und sozial nachhaltiges Finanzsystem ist aber notwendige Voraussetzung dafür, den Übergang in eine ökologisch nachhaltigere Wirtschaftsweise zu finanzieren. Es stellt sich also die Aufgabe, Konzepte und Ideen für ein ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiges Finanzsystem zu entwickeln.

Das DOLFINS-Projekt geht diese Aufgabe mit Werkzeugen aus der globalen Systemwissenschaft an. Das Projekt zeichnet sich besonders durch zwei Herangehensweisen aus: Erstens nimmt es die Tatsache ernst, dass Banken keine Intermediäre sind, also nicht einfach Geld von Sparern einsammeln und wieder an Unternehmen ausleihen. Banken schaffen stattdessen auf Basis des von den Sparern eingesammelten Geldes zusätzliches Kreditgeld. Die Konsequenzen dieser Kreditgeldschöpfung auf die Systemstabilität sind bisher noch unzureichend erforscht.

Zweitens verfolgt Dolfins einen transdisziplinären Ansatz. Es bezieht relevante Akteure in den Forschungsprozess ein. So ist z.B. die NGO Financewatch Teil des Projektkonsortiums und unterstützt das Projekt darin, die europäische Zivilgesellschaft in die Forschung einzubinden.

Alternative Szenarien für das Weltfinanzsystem

Die Forschung baut unter anderem auf der bahnbrechenden Arbeit des Organisationssoziologen Charles Perrow auf, der herausgearbeitet hat, dass die Kombination von hoher interaktiver Komplexität und enger Koppelung Systeme verwundbar macht. Genau solch ein System ist das Weltfinanzsystem, denn ein dichtes Netzwerk von Banken, Versicherungen und institutionellen Investoren umzieht den Globus und koppelt die Finanzwirtschaften der entwickelten Länder eng aneinander. Bei seiner Entwicklung alternativer Szenarien für die Zukunft des Weltfinanzsystems stellt sich das IASS die Frage, wie ein Weltfinanzsystem aufgebaut und reguliert sein müsste, dessen interaktive Komplexität deutlich geringer ist und in dem die Finanzwirtschaften der entwickelten Länder loser gekoppelt sind, als es derzeit der Fall ist. 

Laufzeit:

03/2015 bis 02/2018

Projektpartner:

Mitglieder der DOLFINS-Arbeitsgemeinschaft:

  • Universität Zürich (Schweiz) – federführend
  • Scuola IMT Alti Studi Lucca (Italien)
  • Global Climate Forum (Deutschland)
  • Centre National de la Recherche Scientifique (Frankreich)
  • Institut Jožef Stefan (Slowenien)
  • London Institute for Mathematical Sciences (UK)
  • Scuola Superiore di Studi Sant’Anna (Italien)
  • Fondation Nationale des Sciences Politiques (Frankreich)
  • Institute for Advanced Sustainability Studies (Deutschland)
  • University of Sussex (Großbritannien)
  • Universität Saragossa (Spanien)
  • Young Foundation (Großbritannien)
  • Plusvalue (Großbritannien)
  • Finance Watch (Belgium)

Themen:

Finanzsystem,  Global Systems Science, Netzwerkmodelle des Finanzsystems, Systemwissenschaft, Spieltheorie, systemische Risiken, Integrationsrisiken, endogene Geldschöpfung, Nachhaltigkeit, Geldpolitik, transdisziplinäre Forschung, Bürgerengagement, Informations- und Kommunikationstechnik, Kunst

Team:

Wissenschaftlicher Projektleiter: Dr. Armin Haas
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Daniela Eskelson, Steffen Murau
Verantwortlicher Direktor: Prof. Ortwin Renn

 

Diese Projekt wird durch Horizont 2020, das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union im Rahmen des Fördervertrages Nr. 640772 und des schweizerischen Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation  unter der Vertragsnummer 15.0012 gefördert.